Lebensdaten
1910 bis 1989
Geburtsort
Ebersbach/Fils (Württemberg)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Mathematiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117713090 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mohr, Ernst Max

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Zitierweise

Mohr, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd117713090.html [19.10.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (1876–1952), Seilermeister in E., S d. Johannes (1845–1928), Seiler in E., u. d. Anna Maria Luz (1847–1935) aus Holzhausen; M Lina (1886–1912) aus Eglosheim b. Ludwigsburg, T d. Christian Friedrich Maisch (1860–1943), Förster in Schwaikheim b. Waiblingen, u. d. Louise Christine Knödler (1863–1933) aus Eglosheim; Breslau 1939 Johanna (1910–77), T d. Landarztes Dr. Hans Wagener ( 1934) u. d. Xenia Gelkin; 2 S, 2 T.

  • Leben

    Nachdem M. 1928 die Reifeprüfung an der Oberrealschule in Göppingen abgelegt hatte, studierte er an den Universitäten Tübingen, München und Göttingen Mathematik und Physik. Vorlesungen hörte er u. a. bei den Mathematikern bzw. Physikern C. Carathéodory, R. Courant, W. Gerlach, G. Herglotz, D. Hilbert, E. Landau, O. Perron, R. W. Pohl, A. Sommerfeld und H. Tietze, aber auch bei den Philosophen R. Hönigswald und G. Misch. 1933 promovierte er in Mathematik bei H. Weyl. Von Herbst 1933 bis Sommer 1934 war M. Hilfsassistent am Mathematischen Seminar in Göttingen, anschließend wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter bei J. Nikuradse am Lehrstuhl für Strömungslehre der TH Breslau. Im Frühjahr 1935 legte er in Göttingen das Staatsexamen für das höhere Lehramt ab. 1938 habilitierte er sich an der TH Breslau, 1939 wurde er an der TH und der Univ. Breslau Dozent für Angewandte Mathematik und Mechanik. 1942 als Dozent für Mathematik von Hans Rohrbach an die Deutsche Univ. Prag gerufen, wurde M. dort im folgenden Jahr planmäßiger ao. Professor. Im Mai 1944 wurde er aufgrund einer Denunziation von der Geheimen Staatspolizei verhaftet und am 24.10.1944 vom Volksgerichtshof wegen „Zersetzungspropaganda“ zum Tode verurteilt; die Vollstreckung wurde indes aufgeschoben, um M.s Verwendung für kriegswichtige Rechenarbeiten zu gewährleisten. So kam er nach einem Zwischenaufenthalt im Zuchthaus Brandenburg erneut in die Strafanstalt Plötzensee, wo er auf Initiative Rohrbachs im Rahmen eines Forschungsauftrags zur Entwicklung der V-Waffen Berechnungen ausführte und dadurch der Hinrichtung entging. Im April 1945 wurde M. von der Roten Armee aus Plötzensee befreit. Im Herbst 1945 erhielt er eine Anstellung als Referent am Amt für Volksbildung des Magistrats von Berlin und wirkte am Neuaufbau der Berliner Hochschulen mit. Am 1.1.1946 wurde M. zum o. Professor für Mathematik an der TH Berlin berufen. 1950 gehörte er zu den Wiederbegründern der Berliner Mathematischen Gesellschaft, deren Vorsitzender er 1958-60 war. 1978 wurde er emeritiert.

    Nach seiner gruppentheoretischen Dissertation beschäftigte sich M. in der Folge vornehmlich mit Fragen der angewandten Mathematik, besonders der aktuellen und kriegswichtigen Strömungs- und Aeromechanik; in seiner Habilitationsschrift befaßte er sich beispielsweise mit den Prandtlschen Grenzschichtgleichungen. Nach dem Krieg bestand dieses Interesse weiter (z. B. Theorie des Kreisels), Hauptarbeitsgebiet wurde nun aber die Analysis, speziell Differentialgleichungen und Eigenwertprobleme. M. behandelte neben anderem die Fehlerabschätzung beim Adamsschen Verfahren zur numerischen Integration von Differentialgleichungen, das Sturm-Liouvillesche Eigenwertproblem und die Weylsche Theorie vom Grenzkreis- und Grenzpunktfall, wobei er sich bemühte, die Ergebnisse auch Ingenieuren nutzbar zu machen.

  • Werke

    Die Darst. d. Komplexgruppe u. d. Charakteristiken d. irreduziblen unter diesen, Diss. Göttingen 1933; Laminare Strömungen längs d. Platte u. damit verwandte Flüssigkeitsbewegungen (Habil.schr.), in: Dt. Math. 4, 1939, S. 477-513; 60 Btrr. in Fachpublikationen.

  • Literatur

    H. Ebert, Mathematiker im KZ 1944/45, unveröff. Ms., o. J. (Archiv d. TU Berlin), S. 10 ff.; M. Pinl, Kollegen in e. dunklen Zeit, in: Jber. d. Dt. Mathematiker-Vereinigung 75, 1973/74, S. 166-208, bes. S. 177 f.; Fachbereich 3 – Math. – d. TU Berlin (Hrsg.), Mathematica – Ad Diem Natalem Septuagesimum Quintum Data, FS E. M. z. 75. Geb.-tag, 1985 (W-Verz., P); H. Mehrtens, Angew. Math. u. Anwendungen d. Math. im nat.soz. Dtld., in: Gesch. u. Ges. 12, 1986, S. 317-17, bes. S. 345; E. Knobloch, Mathematics at the Berlin TH/TU – Social, Institutional, and Scientific Aspects, in: D. E. Rowe, J. McCleary (Hrsg.), The History of Modern Mathematics II: Institutions and Applications, 1989, S. 251-84, bes. S. 265; J. C. C. Nitsche, Zum Gedenken an E. M. – 1910-1989, 1991 (unveröff. Vortrag im Bes. d. Vf., W-Verz.); H. Kalf, E. M.s Version d. Weylschen Theorie d. Sturm-Lionville-Operatoren (unveröff. Vortrag, im Bes. d. Vf.); Pogg. VII a; Kürschner, Gel.kal. 1950-92 – Eigene Archivstud.

  • Autor

    Freddy Litten
  • Empfohlene Zitierweise

    Litten, Freddy, "Mohr, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 707-708 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd117713090.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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