Lebensdaten
geboren Anfang 14. Jahrhundert
Beruf/Funktion
mystischer Dichter ; Abt von Heilsbronn
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118784420 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heilsbronn, Mönch von
  • Konrad von Brundelsheim
  • Mönch von Heilsbronn
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Zitierweise

Mönch von Heilsbronn, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118784420.html [19.10.2019].

CC0

  • Leben

    So unbekannt die Person H.s auch sein mag, so ausgeprägt tritt uns seine Persönlichkeit aus seinen Werken „Puch von den VI Namen des Fronleichnams“ und „Puch der siben Grade“ entgegen. (Die „Alexiuslegende“ und „Tochter Syon“ sind ihm trotz Th. Merzdorfs und Böckls Ansicht mit A. Wagner und H. Denifle und anderen abzusprechen.) Die dürftigen biographischen Daten beschränken sich auf das „Einem muniche von Halsprunne“ des Schlußgedichtes zum Fronleichnamstraktat, wie H. sich selbst (als demütiger Mönch oder gar nur um des Reimes willen?) bezeichnet. Die besondere Liebe zu Bernhard von Clairvaux und dessen Bezeichnung als „Mein vater sant Bernhart“ („Puch der siben Grade“ V, 1374) läßt in ihm einen Zisterzienser aus Heilsbronn bei Nürnberg vermuten, wozu auch der Dialekt stimmt; als Zeit seiner Tätigkeit sind aus den benutzten Quellen und der Handschriftenlage die ersten beiden Jahrzehnte des 14. Jahrhunderts erschließbar. Versuche, H. mit dem Abt Konrad von Brundelsheim des Klosters Heilsbronn zu identifizieren, entbehren der Beweise, die Gleichsetzung bei der mit Soccus (s. Literatur) ist falsch.

    H. erweist sich als bewußter, ehrfürchtig genauer Übersetzer und guter Prosaschriftsteller ebenso wie als meditativer, geschickter und zielbewußter Kompilator. Das Gefüge des Fronleichnamstraktates stimmt ganz mit der Einteilung von Albertus Magnus, „De sacramento Eucharistiae“ und den einleitenden Argumenten der einzelnen Traktate und Distinktionen dieses Werkes überein, und in der um begriffliche Klarheit und Richtigkeit bemühten Übersetzung ist spürbar, daß die Ablehnung „gerimeter clukheit“ (V. 74) und somit die Entscheidung für die Prosa ernst gemeint und nicht bloß literarischer Topos oder gar sprachliches Unvermögen ist. Gleichwohl läßt H. daraus kein dürres katechetisches Merkbuch der Teile, des Nutzens und der Gnaden der Eucharistie werden, wie es in solchen Abbreviationen scholastischer Werke durchaus üblich war, sondern schmilzt den Text um zu einem Betrachtungsbuch, reich an Schrift- und Väterzitaten. Im Geist bernhardscher Mystik, der dessen ersten Einschub über die Stufen der Minne bestimmt, und im Einfluß früher franziskanischer Passionsmystik, im zweiten Einschub (an Stelle der Behandlung von Materie und Form des Sakramentes bei Albertus) über die Betrachtung des Leidens Christi in der Eucharistie, zeigt sich die Persönlichkeit H.s. In diesem mystischen Geist liegt wohl auch der Grund für die weite Verbreitung des Werkes. Auch im gereimten „Puch der siben Grade“, das an Bonaventura und David von Augsburg anknüpft, kommt er zum Ausdruck.

  • Werke

    Ausg.: J. F. L. Th. Merzdorf, Der Mönch v. H., 1870.

  • Literatur

    ADB XI;
    H. S. Denifle, in: Anzeiger f. d. dt. Altertum 2, 1876, S. 300-13;
    A. Wagner, Über d. Mönch v. H., 1870;
    F. Pelster, Krit. Stud. z. Leben u. zu d. Schrr. Alberts d. Gr., 1920;
    C. Böckl, Wer ist d. Mönch v. H., in: Zs. f. kath. Theol. 52, 1928, S. 230-39;
    K. Ruh, Bonaventura dt., 1954;
    Vf.-Lex. d. MA II, V (unter Mönch v. H.);
    LThK2V, Sp. 147 f. - Zu Soccus: R. Bauerreiß, Wer ist der ma. Prediger Soccus, in: StMBO 65, 1953/54, S. 75-80;
    D. Asmussen, „Das Buch d. Sieben Grade“ d. Mönchs v. Heilsbronn, Unterss. u. krit. Ausg. d. Textes, phil. Diss. Heidelberg 1965;
    Vf.-Lex. d. MA V.

  • Autor/in

    Klaus Berg
  • Empfohlene Zitierweise

    Berg, Klaus, "Mönch von Heilsbronn" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 263 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118784420.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Heilsbronn: Mönch von H., Dichter in dem zwischen Nürnberg und Ansbach gelegenen Cistercienserkloster Heilsbronn. Er verfaßte ein mystisches Prosawerk von den sechs Namen des Frohnleichnams, welchem eine poetische Vorrede vorausgeht. Bereits hier deutet er die Absicht an, ein Büchlein von der Minne zu schreiben, was man auf die ihm mit Unrecht beigelegte Dichtung von der|Tochter Syon bezogen hat, während es auf das zweite echte Werk, das Gedicht von den sieben Graden, gleichfalls ein Werk mystischen Inhalts, zu beziehen ist. Unter den sieben Graden (Stufen) versteht der Verfasser sieben Arten von Gebeten, durch welche die Seele stufenweise zum Himmel emporsteigt. Die Zeit, in welcher beide Werke entstanden, ergibt sich aus den Beziehungen zu der älteren und späteren Mystik. Der jüngste in dem älteren Werke nachweislich benutzte Autor ist Albertus Magnus, der als Bischof bezeichnet ist: also nach 1260 muß der ältere Tractat verfaßt sein. Anderseits zeigt weder das spätere, noch das frühere Werk irgend welchen Einstich von Lehren Meister Eckards, so daß wir wol frühestens an den Anfang des 14. Jahrhunderts den Dichter zu setzen haben. Aus der älteren Mystik, namentlich aus St. Bernhard, Bonaventura und Richard von St. Victor hat er manches entlehnt.

    • Literatur

      Die beiden Tractate sind, nebst unechten Sachen, hrg. von Th. Merzdorf, Berlin 1870. Vgl. dazu A. Wagner, Ueber den Mönch von Heilsbronn, Straßburg 1876.

  • Autor/in

    K. Bartsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bartsch, Karl, "Mönch von Heilsbronn" in: Allgemeine Deutsche Biographie 11 (1880), S. 318-319 unter Heilsbronn [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118784420.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA