• Genealogie

    Wohl aus fränk. Adelsfam. d. Trierer Raumes;
    Schw Severa, Nonne.

  • Leben

    M. wurde zwischen 614 und 620 Bischof von Trier und nahm 626/27 in der Reihe der gallischen Metropoliten am Konzil von Clichy teil. Sein langer Pontifikat fiel zeitlich mit dem Aufstieg der Arnulfinger-Pippiniden zur Vorherrschaft in Austrasien zusammen. Die Ermordung des Agilolfingers Chrodoald 624/25 durch den austras. Unterkönig Dagobert I. auf Betreiben Arnulfs von Metz und Pippins I. in Trier, die mit den Söhnen Arnulfs und Pippins gemeinsame Zugehörigkeit zum Freundeskreis des Desiderius von Cahors und vielleicht auch die Tätigkeit des späteren Kölner Bischofs und engen karoling. Vertrauten Kunibert als Archidiakon in Trier vor 623 deuten darauf hin, daß M. auf Seiten der frühen Karolinger und der von ihnen getragenen austras. Unterkönige Dagobert I. und Sigibert III. stand. Es gelang ihm jedoch nicht, sich zu profilieren und Trier zu einer Metz und Köln vergleichbaren politischen Bedeutung zu verhelfen. Seine Parteinahme für das neue austras. Unterkönigtum führte möglicherweise zu großzügiger königlicher Privilegierung, die vielleicht den historischen Kern der zahlreichen Trierer Dagobert-Fälschungen für M. bildete. Weitere Verdienste des Bischofs für seine Bischofsstadt und sein Bistum waren sehr wahrscheinlich die Gründung des Trierer Nonnenklosters St. Symphorian für seine Schwester Severa und vielleicht die Errichtung von Kirchen und Klerikergemeinschaften in Münstermaifeld und Andernach. Auf das Ansehen der Trierer Domschule und enge Beziehungen zum galloröm. Senatorenadel Triers verweist die Nachricht der Vita Germani über die Erziehung des Germanus, des späteren Gründers des Juraklosters Granfelden, durch M. in Trier. Der Vita ist weiter zu entnehmen, daß M. dem sich rasch ausbreitenden columbanischen Mönchtum zurückhaltend gegenüberstand. Das lückenhafte Bild, das sich aus den wenigen zeitgenössischen Zeugnissen ergibt, läßt sich durch die reiche hochmittelalterliche Überlieferung zur Person M.s nur unwesentlich erweitern. M., der seit dem Ende des 10. Jh. in Trier als Heiliger verehrt wurde, galt in Trierer Urkundenfälschungen und historiographischen Werken des 10.-12. Jh. als Gründer zahlreicher Klöster und Kirchen, darunter auch der Trierer Nonnenklöster Oeren und Pfalzel, als Verwandter Trierer Lokalheiliger wie der hl. Modesta von Oeren und als Empfänger großer Schenkungen Dagoberts I. Die meisten dieser oft aus aktuellem Anlaß entstandenen Nachrichten sind unzutreffend. Dies gilt auch für die erstmals 1107 in der Vita S. Modoaldi geäußerte Behauptung, M. sei als Bruder von Pippins I. Gattin Itta ein Angehöriger des karoling. Hauses gewesen.

    Kultzentrum des hl. M. waren zunächst seine ursprüngliche Grablege St. Symphorian in Trier und seit seiner Translation 1047/49 die Trierer Stiftskirche St. Paulin. 1107 erwarb Abt Dietmar von Helmarshausen die Gebeine des Heiligen und überführte sie feierlich in sein nordhess. Kloster. In diesem Zusammenhang entstanden die historisch weitgehend wertlose Vita S. Modoaldi des Abtes Stephan von St. Jakob in Lüttich und die Translatio S. Modoaldi eines Helmarshäuser Mönches. Mit dem Aufkommen des bescheidenen Lokalkultes des hl. M. in Helmarshausen gerieten seine Person und Verehrung in Trier rasch in Vergessenheit.

  • Quellen

    Qu. Vita, ed. in: Acta Sanctorum Mai III, 1680, S. 51-62; Translatio S. Modoaldi, ed. Ph. Jaffé, in: MGH SS 12, 1856, S. 289-310; Miracula S. Modoaldi, ed. ders., ebd. S. 310-15.

  • Literatur

    ADB 22;
    E. Winheller, Die Lebensbeschreibungen d. vorkaroling. Bischöfe v. Trier, 1935, S. 145-58;
    E. Ewig, Trier im Merowingerreich, Civitas, Stadt, Bistum, 1954, S. 117-28;
    M. Werner, Zur Verwandtschaft d. Bischofs M. v. Trier, in: Jb. f. westdt. Landesgesch. 4, 1978, S. 1-35;
    N. Gauthier, L'évangélisation des pays de la Moselle, 1980, S. 347-56;
    H. H. Anton, frier im frühen MA, 1987, S. 143-52;
    H. H. Anton, Klosterwesen u. Adel im Kaum v. Mosel, Saar u. Sauer in merowing. u. frühkaroling. Zeit, in: Willibrord, Apostel d. Niederlande, Gründer d. Abtei Echternach, Gedenkgabe z. 1250. Todestag d. angelsächs. Missionars, hrsg. v. G. Kiesel u. J. Schroeder, 1989, S. 97-99;
    LThK;
    LThK2.

  • Autor/in

    Matthias Werner
  • Empfohlene Zitierweise

    Werner, Matthias, "Modoald" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 599 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121537420.html#ndbcontent

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  • Leben

    Modoaldus der Heilige, Bischof von Trier, gewöhnlich (Görz, Reg. d. Erzb. XIII) 622—640 gesetzt. Er soll (Annal. Laubiens. MG. SS. IV, 11) ein Bruder Itta's, der Mutter der h. Gertrud und Gemahlin des 639 gestorbenen älteren Pippin (von Landen) gewesen sein, welche Angabe aber wenig glaubwürdig ist (Bonnell, Anf. d. karol. Hauses S. 68 u. Noten). Die Bischofskataloge setzen ihn zwischen Sabaudus und Numerian; Friedrich (KG. Deutschl. II, 196) läßt ihn auf den 626 auf dem Concil zu Clichy genannten Anastasius folgen, dessen Triersches Bisthum mir indessen stets sehr problematisch ist. Nach der Vita s. Germani wurde der aus „senatorischem Geschlecht“ stammende, in Trier geborene hl. Germanus M. zur Erziehung anvertraut und kam von diesem zu Bischof Arnulf von Metz, welcher sich bereits von seinem Amte zurückgezogen hatte, was 627 geschah (Bonnell a. a. O. S. 98). Arnulf starb 641. Daraus läßt sich einigermaßen eine Chronologie von Modoaldus' Episcopat herstellen. Die Nachrichten über ihn in den um 1000 compilirten Annalen von Lobbes wie seine Biographie, welche Abt Stephan von Lüttich 1107 bei Gelegenheit der Translation seiner Gebeine von Trier nach dem Kloster Helmershausen im Paderbornschen schrieb, sind werthlos (s. Act. St. Mai III, 51); ebenso die Angaben der Gesta Treviror., nach deren ältester Recension er unter K. Dagobert|das Bisthum Trier erhielt, vom König namhaft beschenkt wurde und selber das Stift zu Horreum (in Trier, Oehren), wo Irmina und Modesta, Töchter Dagoberts Aebtissinnen waren, und das Frauenkloster in Pfalzel bei Trier, wo Basilissa Aebtissin wurde, gestiftet, weiter die St. Martinskirche im Maifeld und die St. Symphoriankirche in Trier gebaut hat. Nach derselben Quelle wäre M. bald nach dem Tode seiner Schwester Severa gestorben und in St. Symphorian begraben worden. Die jüngeren Recensionen der Gesten nennen als zweite Vorsteherin des Klosters ad Horreum die Modesta, eine Schwestertochter Modoald's, und als erste Aebtissin von Pfalzel die h. Adela; sie lassen dann M. und Severa 656 sterben (ed. Wyttenb. I, 65—70). Ueber die hl. Severa, Aebtissin von St. Symphorian s. Acta SS. Jul. V. 79. Modoaldus' Name kommt in einer Reihe von merovingischen Königsurkunden, wie in derjenigen Dagoberts vom 1. Mai 622, der desselben Königs vom 29. Juli 623, vom 11. Novbr. desselben Jahres u. s. f. vor; leider sind das alles bekannte grobe Fälschungen, vgl. Görz, Mittelrh. Regesten I, 20 ff. Ein erstes und fast einziges unverdächtiges Zeugniß muß in der Unterschrift Modoald's auf dem Concil zu Rheims 625 erblickt werden, wo auch die Bischöfe Cunibert von Köln und Lupoald von Mainz vorkommen; Friedrich erklärt diese Unterschrift zu Gunsten seines 626, Sept. 27 ebenfalls in Clichy unterschreibenden Anastasius ("ex civitate Treveris Anastasius episc.") als Irrthum. Man sieht nicht, weshalb Anastasius mehr Recht als M. haben soll. Modoaldus' Todesjahr erscheint im Tr. Kalender auf den 12. Mai, wo er als Heiliger verehrt wird.

    • Literatur

      Vgl. Brower, Ann. I, 341—355. Masen, Epit. 158—169 (beide setzen das Episcopat 626—656); Hontheim (für 622—640) Hist. Trev. I. Rettberg I, 466. Friedrich II, 196. Schmitt, Paulinuskirche 89 f., 449 f. Marx I, 85, II, 379. Leonardy S. 364. Görz, Mittelrh. Reg. I, 25.

  • Autor/in

    Kraus.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kraus, Franz Xaver, "Modoald" in: Allgemeine Deutsche Biographie 22 (1885), S. 46-47 unter Modoaldus [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121537420.html#adbcontent

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