Lebensdaten
1822 bis 1893
Geburtsort
Partschins bei Meran
Sterbeort
Partschins bei Meran
Beruf/Funktion
Schreibmaschinenerfinder
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118734253 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mitterhofer, Peter

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Zitierweise

Mitterhofer, Peter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118734253.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Peter (* 1787), Tischler u. Zimmermann, Pächter d. Säge v. P., S d. Bartholomäus u. d. Elisabeth Ladurner;
    M Maria Anna (* 1793), T d. Paul Gschwenter u. d. Maria N. N.;
    Partschins 1862 Marie (um 1816–92), T d. Zimmermanns N. N. Steidl ( v. 1862) in P.; kinderlos.

  • Leben

    Nachdem er im väterlichen Betrieb das Tischler- und Zimmermannsgewerbe erlernt hatte, beschäftigte sich M. u. a. mit der Herstellung heimischer Musikinstrumente. Das von ihm angefertigte „Hölzerne Glachter“, das aus abgestimmten Brettchen bestand, auf die durch klavierartige Tasten gesteuerte kleine Hämmerchen schlugen, dürfte ihn auf die Idee gebracht haben, ebenfalls aus Holz einen Schreibapparat zu bauen. Um 1862 begann er mit den ersten Versuchen und fertigte|1864-69 fünf Modelle an, von denen vier heute noch erhalten sind. Es sind Typenhebelkorb-Schreibmaschinen mit hängenden, von unten zum Mittelpunkt des Korbes schlagenden Schwinghebeln (Unterschlag) und einem mehrreihigen, stufenförmigen Tastenfeld – im Prinzip Vorläufer der modernen Schreibmaschinentechnik. Die beiden ersten Modelle besaßen noch einen Holzaufbau und selbstgefertigte Stechtypen mit einem der Blindenschrift ähnlichen Schriftbild; die späteren bestanden im wesentlichen aus mit Eisen bzw. Blech beschlagenen Teilen und Buchdrucklettern.

    Das vom Technischen Museum in Wien aufbewahrte „Modell 1864“ bezeichnete M. selbst als „mißlungen“. Es ist ganz aus Holz gefertigt; die dreireihige Tastatur mit 30 Zeichen (25 Buchstaben, 3 Satzzeichen und 2 Funktionstasten) ist stufenförmig angelegt und besitzt eine Mehrschrittschaltung. Alle späteren Modelle sind nur Fortführungen seiner Grundkonzeption. Die Univ. Dresden besitzt ein aus demselben Jahr stammendes Modell mit zahlreichen Verbesserungen. Obwohl ebenfalls noch großteils aus Holz gefertigt, verfügt dieses über eine gut funktionierende Mehrschrittschaltung und ein besser lesbares Schriftbild. Im Stadtmuseum Meran befindet sich das “Modell 1866“, das weitere neue Konstruktionselemente aufweist, wie eine Umschaltung und eine Walze als Papierträger. Für den Typenhebelkorb, das Gestänge und die Zwischenhebel, die größerer Abnützung unterliegen, wurde hier Eisenblech verwendet. Vermutlich mit einem weiteren, heute verschollenen Gerät kam M. von seinem Heimatort nach Wien, um seine Erfindung dem Kaiser zu präsentieren. Nach einer positiven Begutachtung des Apparates durch das Polytechnische Institut wurden dem Bittsteller 200 Gulden mit der Auflage bewilligt, diese „zur Anfertigung eines verbesserten Modells“ zu verwenden.

    Nach seiner Rückkehr machte sich M. sogleich an die Arbeit und schuf sein letztes „Modell 1869“, das eine Volltastatur mit 82 Tasten und eine verbesserte Walze besitzt. Die Lettern bestehen teils aus in Stahl geschnittenen Buchstaben, teils aber auch aus in Blei gegossenen Buchdrucklettern, die beim Schreiben durch einen eingeschwärzten Borstenkranz gezogen werden und ein dem Buchdruck ähnliches Schriftbild hinterlassen. Weitgehend in Eisen ausgeführt, entstand ein durchaus gebrauchs- und strapazierfähiges Modell einer Schreibmaschine. M. brachte diese 1869 ebenfalls nach Wien und legte sie dem Polytechnischen Institut zur Begutachtung vor, das sie aber als „nicht ganz geeignet“ beurteilte. 1870 wurden M. daraufhin nur mehr 150 Gulden für den Ankauf des Modells für die Sammlung des Instituts bewilligt, von welchem es später an das Technische Museum in Wien gelangte. Enttäuscht von diesem neuerlichen Mißerfolg, kehrte M. in seinen Heimatort zurück, beschäftigte sich nicht mehr mit seiner Erfindung und lebte bis zu seinem Tode von seinem Gewerbe und der Landwirtschaft.

    Viele der von M. entwickelten Konstruktionsideen finden sich – ohne daß sich ein Zusammenhang nachweisen läßt – in den 1868-71 von Sholes, Ghidden und Soule in den USA angemeldeten Patenten wieder, die zur Entwicklung der Remington-Schreibmaschine entscheidend beitrugen. In Österreich fehlte damals noch jegliche Vorstellung von der Bedeutung eines solchen Produkts; deshalb mußte M.s Erfindung der Erfolg versagt bleiben.

  • Literatur

    R. v. Granichstaedten-Czerva, P. M., d. Erfinder d. Schreibmaschine, 1924;
    K. Tanzer, Österr. Erfinder, 1934, S. 26-30;
    E. v. Kurzel-Runtscheiner, Österr. Naturforscher u. Techniker, 1951, S. 146 f.;
    K. Th. Höniger, P. M. aus Partschins, 1952;
    A. Hudik, in: Bll. f. Technikgesch., H. 23, 1961, S 165-90, H. 26, 1964, S. 87 ff.;
    P. Basten u. R. Krcal, P. M. u. seine Schreibmaschine, 1964;
    E. Lassnig, FS z. 150. Wiederkehr d. Geb.tages v. P. M., 1972;
    ders., P. M. 1822-1893, Ein Pionier d. Schreibmaschine, 1993 (P);
    E. Attlmayr, Die Portraits P. M.s, in: Btrr. z. Technikgesch. Tirols, H. 6, 1975 (P);
    A. Waize, P. M. u. seine fünf Schreibmaschinen, 1977;
    B. Niggl, Schreibmaschinengesch., 1989;
    Kosch, Kath. Dtld.;
    ÖBL.

  • Portraits

    Bronzebüste v. F. Gurschler (1964) in Partschins.

  • Autor/in

    Gustav Otruba
  • Empfohlene Zitierweise

    Otruba, Gustav, "Mitterhofer, Peter" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 583 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118734253.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA