Lebensdaten
1832 bis 1892
Geburtsort
Pirmasens
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Maschinenfabrikant
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 140121595 | OGND | VIAF: 103423717
Namensvarianten
  • Miller, Friedrich

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Zitierweise

Miller, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd140121595.html [27.01.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Michael (* 1794), Steuerbote in P., S d. Johann Michael ( 1826) u. d. Margarethe Bieber ( 1813);
    M Maria Magdalena (1811–39), T d. Johann Hirsch (* 1773), Lottoeinnehmer zu Grünstadt, u. d. Barbara Braun (* 1784);
    Stief-M (seit 1840) Regina (* 1810), T d. Revierförsters Johann Adam Weissert (* 1775) u. d. Katharina Elisabetha Göller (* 1790);
    Rosa Müller (* 1844) aus Hanau;
    1 T ( Albert Lüthi, 1858–1903, Glasmaler u. Architekt, s. ThB; HBLS).

  • Leben

    M. wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Über seinen Ausbildungsgang ist nichts bekannt. Er bezeichnete sich als Ingenieur, als er 1862 mit dem Kaufmann Ludwig Weber in der damaligen kurhess. Kleinstadt Bockenheim bei Frankfurt/Main eine Eisengießerei und Schlosserei gründete. Die Firma Weber & Miller beschäftigte zunächst 20 Arbeiter und stellte Eisengußwaren für den Haushalt (Bettgestelle, Gartenmöbel, Wendeltreppen) her. Sie entwickelte sich sehr gut und zählte schon nach wenigen Jahren 130 Mitarbeiter. 1870 nahm sie die Herstellung von Säulennähmaschinen für Schuhmacher auf. In Bockenheim wurden damals Nähmaschinen in mehreren Betrieben gebaut, für die Weber & Miller zunächst wohl als Eisengießer tätig waren. Sicher kannte M. auch aus Pirmasens sowohl die Entwicklung der Nähmaschinen als auch die der handwerksmäßigen Schuhmacherei. Zweifellos kannte er auch die Pionierarbeit amerikan. Erfinder auf dem Gebiet der Schuhmaschinen. 1874 stellten Weber & Miller die ersten Sohlendurchnähmaschinen nach dem „System McKay“ her und begannen auch mit dem Bau von Gerbereimaschinen. Auf beide Gebiete war das Unternehmen seitdem spezialisiert und brachte Jahr für Jahr neue Entwicklungen heraus. Schon 1875 wurde eine Exzenterpresse mit Stanzmessern zum Ausstanzen von Ledersohlen gebaut. Bis 1880 wurde die Gerberei durch eine ganze Serie von Maschinen weitgehend mechanisiert. Gleichzeitig wurde unablässig an der Verbesserung der Schuhmaschinen gearbeitet. Die Holznagelmaschine „Velocitas 397“ und die Sohlenglättmaschine „Acme“ (beide 1883) stellten bedeutende Erfolge auf diesem Wege dar. 1885 folgte die Sohlendurchnähmaschine „Eclipse“. Mit der 1885 vorgestellten Durchnähmaschine „Allianz“ für Steppstich gelang eine bahnbrechende Entwicklung, die jahrzehntelang den Markt beherrschte. Sie vervollständigte das Firmenangebot zur Ausrüstung einer mechanisierten Schuhfabrik. An den erst 1877 eingeführten Reichspatenten scheint das Unternehmen wegen fehlender Konkurrenz nicht interessiert gewesen zu sein.

    Nach dem Tode Webers nahm M. Alhard Andreae, den Sproß einer bekannten Frankfurter Hugenottenfamilie, als Kompagnon auf. Die Firma Miller & Andreae wurde 1889 in eine AG umgewandelt und übernahm gleichzeitig eine andere Schuhmaschinenfabrik (C. S. Larrabee & Co.), was zu einer beträchtlichen Erweiterung des Fabrikationsprogramms führte. Eine erneute Betriebserweiterung erfolgte 1890 durch die Eingliederung der Maschinenfabrik Gros & Co. in Oberursel (Taunus). Nunmehr erwarb die Firma auch mehrere Patente. 1891 brachte sie für die Lederindustrie eine Bandmesserspaltmaschine heraus, die unter dem Namen „Dividora“ Weltruhm erlangte und noch nach fünf Jahrzehnten in vielen Produktionsstätten unentbehrlich war. 1892 baute man die ersten Ledermeßmaschinen. Inwieweit M. an den zahlreichen in seiner Firma entwickelten Konstruktionen selbst beteiligt war, ist nicht mehr feststellbar. Bis zu seinem Tode 1892 war er Gesamtleiter des aus kleinsten Anfängen zum Großbetrieb aufgestiegenen Unternehmens, das seinen Namen zunächst in „Deutsch-Amerikanische Maschinengesellschaft AG“ und 1900 in „Maschinenfabrik Moenus AG“ änderte. Diese entwickelte sich zu einem bedeutenden Unternehmen des Spezialmaschinenbaues, das schließlich als Holdinggesellschaft eine Gruppe verwandter Betriebe vereinte, jedoch 1991 liquidiert werden mußte.

    M., der seine ganze Kraft dem Unternehmen widmete, trat sonst kaum hervor. 1872 gehörte er zu den Gründern einer Bau- und Sparvereins-AG und trat in deren Vorstand ein. Kurz vor seinem Tod bezog er in einem vornehmen, neuerschlossenen Wohngebiet Frankfurts eine Villa, in der auch sein Schwiegersohn, der Architekt und Maler Albert Lüthi-Miller, sein Büro unterhielt.

  • Portraits

    L. 75 J. Moenus, 1938;
    H. Ludwig, Gesch. d. Dorfes u. d. Stadt Bockenheim, 1940, S. 302 f.;
    F. Lerner (Hrsg.), Das tätige Frankfurt, 1955, S. 217;
    G. Gall u. E. A. Haberstroh, 1863–1963, 100 J. Maschinenfabrik Moenus AG, 1963 (P).

  • Autor/in

    Franz Lerner
  • Empfohlene Zitierweise

    Lerner, Franz, "Miller, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 520 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd140121595.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA