Lebensdaten
1875 – 1934
Geburtsort
Naislach bei Calw (Schwarzwald)
Sterbeort
bei Pfronten
Beruf/Funktion
Lebensmittel- und Kriminalchemiker ; Apotheker ; Chemiker ; Lebensmittelchemiker
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 126620954 | OGND | VIAF: 74850408
Namensvarianten
  • Mezger, Otto
  • Mezger, O.

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Zitierweise

Mezger, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd126620954.html [04.07.2022].

CC0

  • Genealogie

    Aus Försterfam.;
    V Gottlob (1829–1909), Oberförster, S d. Johann Christof in Schrozberg u. d. Friederike Magdalene Elisabethe Scheu;
    M Marie (1841–1911), T d. Wilhelm Marz, Revierförster in Wiesensteig, u. d. Louise Sigler;
    Stuttgart 1907 Elisabeth, T d. Kaufm. Gustav Adolf Barth (1843–1928) u. d. Emma Luise Sigel (1850–1940);
    1 S, 1 T.

  • Biographische Darstellung

    M. erlernte 1892-95 die Pharmazie in Ehingen, legte 1895 in Stuttgart sein Gehilfenexamen ab und war bis 1898 als Gehilfe in einer Apotheke in Hechingen tätig. Zum Studium der Pharmazie ging er 1898 an die TH Stuttgart und legte dort 1901 das pharmazeutische Staatsexamen ab. Anschließend studierte er an der TH Stuttgart und der Univ. Tübingen Naturwissenschaften. 1902 wurde er in Tübingen mit der Arbeit „Beiträge zur Kenntnis des Hämatins“ zum Dr. rer. nat. promoviert. Ein Jahr später erhielt er für eine mikroskopische Arbeit über die Flechtenstoffe von der TH Stuttgart eine Goldmedaille. Nach dem Abschluß seiner Studien arbeitete er als 2. Assistent am Städtischen Chemischen Laboratorium in Stuttgart, ein Jahr später wurde er 1. Asssistent und Stellvertreter des Vorstandes; 1905 übertrug man ihm die selbständige Leitung der Nahrungsmittelkontrolle in Stuttgart und ernannte ihn 1917 zum Direktor des Städtischen Untersuchungsamtes. Diesen Posten bekleidete M. bis zu seinem Tode.

    M. arbeitete viele Jahre hindurch als Sachverständiger für das Polizeipräsidium und das Landeskriminalpolizeiamt in Stuttgart. Seit 1930 war er Mitglied der Internationalen Akademie für kriminalistische Wissenschaften in Lausanne; im selben Jahr erhielt er die Lehrberechtigung für die Fächer Lebensmittelchemie und gerichtliche Chemie an der TH Stuttgart. Zuvor war ihm bereits ein Lehrauftrag für Chemie und Technologie der Nahrungs- und Genußmittel übertragen worden. M. war ein über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannter Forscher auf den Gebieten Lebensmittelchemie, Kriminalchemie und Kriminaltechnologie. Bei der Lebensmittel-überwachung wirkte er bahnbrechend für die Kontrolle der Milch und der Milcherzeugnisse. Von vielen deutschen Städten wurden seine diesbezüglichen Arbeitsmethoden übernommen. Seinem besonderen Interesse für die Kriminalistik verdankt die Kriminalpolizei in aller Welt grundlegende Erkenntnisse für die Arbeiten auf dem Gebiet der Spurenermittlung. Dank des von ihm geschaffenen „Handfeuerwaffenatlas“ (Die Bestimmung des Pistolensystems aus verfeuerten Hülsen und Geschossen, in: Archiv für Kriminologie 89, 1931, S. 1-32, 93-116, mit W. Heeß u. F. Haßlacher) war die sichere Identifizierung einer Tatwaffe möglich. Dieses Verfahren bildet noch heute die Grundlage für den Schußwaffenerkennungsdienst des deutschen Bundeskriminalamtes und der Kriminalpolizei in Österreich. Weitere wichtige Arbeiten für die Kriminalistik waren die Verfeinerung des mikrochemischen Nachweises von Blutspuren sowie Verfahren zur Ermittlung der Urheberschaft und des Alters von Schriftstücken. Zu M.s Lebzeiten war die kriminaltechnische Abteilung des Untersuchungsamtes in Stuttgart eines der modernsten Laboratorien dieser Art in Europa. In der Werkstatt seines Freundes Robert Bosch ließ M. die teilweise von ihm selbst erfundenen Apparate für seine wissenschaftlichen Arbeiten herstellen. Ein großer Teil seiner ca. 100 Fachveröffentlichungen erschien im „Archiv der Kriminalistik“. Viele Jahre hindurch war er Vorsitzender des Württ. Bezirksvereins deutscher Chemiker sowie des Württ. Nahrungsmittelchemikervereins.

  • Literatur

    Dr. O. M., Dir. d. Chem. Untersuchungsamtes d. Stadt Stuttgart, in: Süddt. Apotheker-Ztg. 74, 1934, S. 630;
    Klaiber, in: Archiv f. Kriminol. 95, 1934, S. 169-71;
    R. Heindl, Die Weiterführung d. M.schen Arbeiten f. d. Archiv, ebd. 95, 1934, S. 172-74;
    Die Chemie im Dienste d. Bürgers, in: Stuttgarter Btrr. 6, 1969, S. 81, 84 f., 87 (P);
    H.-D. Schwarz, Zum 50. Todestag v. O. M., in: Dt. Apotheker-Ztg. 124, 1984, S. 1627;
    ders., in: Dt. Apotheker-Biogr., Erg.-Bd., 1986, S. 313 f.;
    V. Grummann, Biogr.-bibliogr. Hdb. d. Lichenol., 1974, S. 112. – Mitt. d. Bundeskriminalamtes.

  • Autor/in

    Holm-Dietmar Schwarz
  • Zitierweise

    Schwarz, Holm-Dietmar, "Mezger, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 413-414 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd126620954.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA