Lebensdaten
1746 bis 1818
Geburtsort
Koblenz
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Diplomat ; Fürst von Ochsenhausen
Konfession
katholische Familie
Normdaten
GND: 116955066 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Metternich-Winneburg, Franz Georg Fürst von
  • Metternich, Franz Georg Fürst von
  • Metternich-Winneburg, Franz Georg Fürst von
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Zitierweise

Metternich, Franz Georg Fürst von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116955066.html [22.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Hugo (1710–50), S d. Philipp Adolf (1686–1719) u. d. Maria Franziska Schenk v. Schmidburg ( 1722);
    M Clara Luise (1726–46), T d. Karl Friedrich Melchior Frhr. v. Kesselstadt (1692–1751) u. d. Isabella Maria Theresia Freiin v. Frentz (1699–1758);
    Ov Franz Ludwig, Domherr in Mainz;
    Freiburg (Breisgau) 1771 Maria Beatrix (1755–1828), T d. Johann Friedrich Gf. v. Kageneck u. d. Eva Eleonore Freiin v. Andlaw-Birseck;
    3 S (1 früh †), 1 T, u. a. Clemens (s. 2).

  • Leben

    Nach dem frühen Tod seines Vaters wuchs M. unter der Vormundschaft seines Onkels Franz Ludwig auf. Er studierte in Mainz und erwarb sich praktische Kenntnisse am Reichskammergericht in Wetzlar, auf dem Reichstag in Regensburg und am Reichshofrat in Wien. Nach einer Kavalierstour durch Italien trat er 1768 in die Dienste des Kf. Clemens Wenzeslaus von Trier, der ihn erst zum Gesandten in Wien berief und später zum Staats- und Konferenzrat für auswärtige Angelegenheiten ernannte. Da er sich gegen die an Frankreich ausgerichtete Politik der Minister F. E. v. Hornstein und G. M. v. La Roche nicht durchsetzen konnte, wechselte er 1773 in kaiserl. Dienste über, wo ihn insbesondere Kaunitz protegierte und zum kaiserl. Gesandten in Trier, Köln und am Niederrhein. Kreis ernannte. 1775 verdiente er sich erste Sporen bei der Koadjutorwahl der Prn. Kunigunde von Sachsen, der Schwester des Trierer Kurfürsten, zur Fürstäbtissin in den Reichsstiften Essen und Thorn. 1780 bewährte er sich bei der Koadjutorwahl des Erzhzg. Max Franz von Köln und Münster, während er die Wahl des kaiserl. Kandidaten bei den Bischofswahlen in Lüttich, Hildesheim und Paderborn 1784/86 nicht durchsetzen konnte.

    Inzwischen auch zum kaiserl. Gesandten in Mainz ernannt, gewann er das Vertrauen des Kf. Friedrich Karl v. Erthal, verscherzte es sich aber 1784 völlig durch Warnungen vor den ehrgeizigen Plänen der Baronin Coudenhove, einer Vertrauten des Mainzer Kurfürsten. M., dem seine Gegner den Hang zum Intrigieren nachsagten, scheint hier ein Opfer seiner schlechten Menschenkenntnis geworden zu sein. Seine Abberufung von Mainz im Mai 1785 nahm er als persönliche Kränkung. Vergeblich beklagte er sich bei Kaunitz, der M. nicht mehr zutraute, die Schwenkung des durch Kaiser Joseph II. mehrfach gekränkten Kurfürsten auf die preuß. Seite rückgängig machen zu können; vielmehr wurde F. Gf. Trauttmansdorff nach Mainz berufen. M. betrachtete dessen Berufung als Ergebnis einer gegen ihn gerichteten Intrige, als deren Urheber er Trauttmansdorff vermutete. Der ungewöhnlich dicke, in seinem Auftreten umständliche, aber sehr ehrgeizige M. versuchte seine Zurücksetzung auszunutzen, indem er die Stelle des Kammerrichters am Reichskammergericht oder des Reichsvizekanzlers mit Hilfe der Protektion von Kaunitz erstrebte. Kaunitz, der seine Fähigkeiten wohl richtig einschätzte, unterstützte dieses Vorhaben nicht, sorgte aber dafür, daß M. bei der Kaiserwahl Leopolds II. 1790 zweiter kurböhm. Wahlbotschafter wurde. M., der die meisten anderen Wahlbotschafter kannte, erwarb sich hierbei große Verdienste. Auch bei der Beendigung der Lütticher Revolution bewies er seine besonderen diplomatischen Fähigkeiten.

    Auf seinen Wunsch erhielt er an der Jahreswende 1790/91 die Ernennung zum bevollmächtigten kaiserl. Minister in den Österr. Niederlanden. M. hatte wohl die Schwierigkeiten nach der Beendigung der Belg. Revolution unterschätzt. Insbesondere kränkte es seinen Ehrgeiz, daß ihm mit dem Statthalterpaar, dem Hzg. Albert von Sachsen-Teschen und seiner Gemahlin Erzhzgn. Christine, einer Schwester und Vertrauten Kaiser Leopolds II., sein Wirkungskreis eingeschränkt wurde. Der Herzog warf ihm schon bald eine doppelzüngige Politik vor, je nachdem ob er mit den belg. Ständen oder mit dem Statthalter verhandelte. M. war im Gegensatz zum Statthalterpaar bestrebt, durch eine nachsichtige Politik die Stände für sich zu gewinnen, ohne damit nennenswerte Erfolge zu erzielen. Er führte in Brüssel ein offenes Haus, in dem sich auch die Vertreter der belg. Stände häufig einfanden. Seine Bemühungen um einen Ausgleich wurden durch die franz. Kriegserklärung an Österreich (23.4.1792) zunichte gemacht. Gleichzeitig aber verlor er durch den Rücktritt von Kaunitz (19.8.1792) seinen Rückhalt in Wien. Als sich die militärische Lage im November 1792 rapide verschlechterte, zog sich M. nach Roermond zurück. Nach der Rückeroberung Belgiens durch Josias von Coburg 1793 kehrte M. nach Brüssel zurück, wo inzwischen Erzhzg. Carl als Statthalter regierte. Durch die Berufung seines alten Gegners Trauttmansdorff zum Hofkanzler der Niederlande in Wien verschlechterte sich seine Position ebenso wie durch die Ernennung Thuguts zum leitenden österr. Minister (Februar|1793), der M. gegenüber voreingenommen war. Mit Trauttmansdorff, der ihm wie Thugut vorwarf, zu wenig zu berichten, so daß man sich in Wien kein Bild von den Zuständen in den Niederlanden machen könne, kam es zu heftigen Auseinandersetzungen. Mit dem endgültigen Verlust der Niederlande im Sommer 1794 übersiedelte M. nach Wien, wo er zunächst keine Verwendung mehr fand und in eine finanziell bedrängte Lage geriet. 1797 wurde er zum Plenipotentarius auf dem Rastatter Kongreß ernannt. An dem für Österreich negativen Verlauf des Kongresses hatte er keine Schuld, doch wurde er nach seiner Rückkehr nach Wien endgültig kaltgestellt.

    Für den Verlust seiner Besitzungen auf dem linken Rheinufer wurde M. auf dem Reichsdeputationshauptschluß 1803 mit der Reichsabtei Ochsenhausen entschädigt und erhielt den Titel eines Fürsten von Ochsenhausen. 1804 erhielt er den Titel eines kaiserl. österr. Staats- und Konferenzministers, ohne ein Amt anzutreten. 1810, während des halbjährigen Aufenthaltes seines Sohnes Clemens in Paris, führte er in dessen Vertretung die Geschäfte eines Chefs der Hof- und Staatskanzlei. Die von ihm eingeleitete Annäherung an Rußland machte sein Sohn wieder rückgängig, weil er darin eine Bedrohung der eben eingeleiteten Verständigung mit Frankreich sah.

  • Literatur

    H. Mathy, F. G. v. M., Diss. Innsbruck 1959 (ungedr.);
    ders., F. G. v. M., d. Vater d. Staatskanzlers, Stud. z. österr. Westpol. am Ende d. 18. Jh., 1969 (Teildr. d. Diss., P);
    ders., Die Entlassung d. österr. Gesandten F. G. v. M. aus Mainz im J. 1785, Ein Btr. z. Gesch. d. Fürstenbundes, in: Mainzer Zs. 66, 1971;
    Wurzbach 18;
    ÖBL.

  • Autor/in

    Karl Otmar Freiherr von Aretin
  • Empfohlene Zitierweise

    Aretin, Karl Otmar Freiherr von, "Metternich, Franz Georg Fürst von" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 235-236 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116955066.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA