Lebensdaten
1827 bis 1895
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Chemieindustrieller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 142628336 | OGND | VIAF: 125102437
Namensvarianten
  • Meister, Wilhelm
  • Meister, Carl Friedrich Wilhelm
  • Meister, Karl Friedrich Wilhelm
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Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Meister, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd142628336.html [24.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Carl (1800–77), Kaufm. in H., Bes. u. Leiter v. Handelshausern in H., England u. Westindien, S d. Gotthelf Jacob Friedrich (1767–1828), Pfarrer u. Dekan, zuletzt in Detmold, u. d. Kaufm.-T Susanna Helena Luyken;
    M Juliane (1802–83), T d. Kaufm. u. Fabr. Joh. David Oppermann (1765–1819) in H. u. d. Sara Catharina Wilhelmine Braasch;
    Ur-Gvv Christoph Georg Ludwig (1738–1811), Prof. d. Theol. u. Rektor d. Gymnasium illustre in Bremen, Dichter (s. ADB 21; Kosch, Lit.-Lex.3);
    Frankfurt/M. 1861 Marie (1840–1912), T d. Jacob Becker (1810–72), Prof. d. Genremalerei am Städelschen Kunstinst. in F. (s. ADB 46; ThB), u. d. Wally Müller; Schwager Eugen Lucius ( 1903), Chemiker (s. NDB 15);
    K, u. a. Carl Wilhelm v. M. (preuß. Adel 1896, 1863-1935), Reg.präs. in Wiesbaden, Herbert v. M. (preuß. Adel, 1866–1919), Vorstands- u. Aufsichtsratsmitgl. d. Fa. „Meister Lucius & Brüning“, Maximiliane ( Walther vom Rath, 1857–1940, 1. stellv. Aufsichtsratsvorsitzender d. I.G. Farben).

  • Leben

    Nach dem Besuch der Realschule trat M. im Frühjahr 1843 als Lehrling in das Handelshaus Wilhelm O'Swald & Co. in Hamburg ein. Kurze Zeit später verließ er es wieder, um sich in Manchester bei den Agenten des väterlichen Geschäfts ausbilden zu lassen. Im Dezember 1848 reiste er nach Westindien, um seine kaufmännischen Kenntnisse zu vertiefen. Nach dreijährigem Aufenthalt kehrte M. nach England zurück, wurde Teilhaber der väterlichen Firma und leitete sie von Manchester aus. Wegen eines rheumatischen Leidens fuhr er 1860 nach Wiesbaden zur Kur, wo er seinen Freund Eugen Lucius, dessen Bekanntschaft er in Manchester gemacht hatte, wieder traf. Bei einem Besuch lernte er dessen Schwägerin Marie Becker kennen, die er 1861 heiratete. Im März 1862 siedelte das Paar von Manchester nach Frankfurt über und M. beschloß, sein gutgehendes Geschäft aufzugeben, in der Hoffnung, eine gleichwertige Tätigkeit in Frankfurt ausüben zu können.

    Die verwandtschaftlichen Beziehungen zu Lucius, der seit 1860 eine Anilin- und Anilinfarbenfabrik aufbauen wollte, führten im Januar 1863 zur Gründung der chemischen Fabrik Meister, Lucius & Co., an der auch der Onkel seiner Frau Ludwig August Müller beteiligt war. Die Belegschaft bestand aus fünf Arbeitern, einem Chemiker und einem Kontoristen. Als erstes Produkt wurde Fuchsin, ein roter Farbstoff, hergestellt. In den nächsten Jahren gelangen bahnbrechende Erfindungen auf dem Gebiet der Farbstoffe, und es erfolgten verfahrenstechnische Weiterentwicklungen. Lucius kümmerte sich um den Fabrikbetrieb und die Forschung. Dr. Adolf Brüning, der 1865 anstelle des ausgeschiedenen Ludwig August Müller Teilhaber der Firma wurde, fungierte als technischer Direktor. 1867 wurde der Firmenname in Meister Lucius & Brüning umgewandelt. M., der bei der Gründung das meiste Kapital eingebracht hatte, übernahm die kaufmännische Leitung. Obwohl er nach außen hin nur wenig hervortrat, führte er die Firma dank seiner internationalen Beziehungen und Erfahrungen geschickt durch die ersten schwierigen Geschäftsjahre. Großen Anteil am Aufbau des Auslandsgeschäftes hatte der Verkaufsdirektor August de Ridder; sein Name ist verbunden mit der Einführung des Aldehydgrüns in Frankreich.

    1890, zehn Jahre nach der Umwandlung der OHG „Meister Lucius & Brüning“ in eine AG schied M. aus gesundheitlichen Gründen aus dem Unternehmen aus. Er hatte erheblichen Anteil daran, daß zahlreiche Stiftungen zugunsten der Mitarbeiter und Pensionäre der Farbwerke deren Lebensverhältnisse verbesserten. 1879 errichteten die Firmengründer gemeinsam die Kaiser Wilhelm- u. Augusta-Stiftung, die Renten an Arbeiter und Hinterbliebene vergab und gleichzeitig Bauhypotheken zur Verfügung stellte. Das „Heimchen“, eine Siedlung im engl. „Cottage-Stil“, in der Pensionäre und langjährige Mitarbeiter nach zwanzigjähriger Firmenzugehörigkeit kostenlos wohnen konnten, ging auf die Initiative M.s zurück. Bei seinem Ausscheiden aus dem Aufsichtsrat im Jahre 1890 stellte er 100 000 Mark für den ersten Bauabschnitt zur Verfügung. Die Siedlung wurde in den Jahren bis zum 1. Weltkrieg mehrfach durch Stiftungen der Gründer der Farbwerke erweitert. Besonders die Erben von M., sein Sohn Herbert und dessen Frau, setzten die Tradition der zahlreichen Stiftungen fort. Sie förderten den Bau von Schulen, Kindergärten und kirchlichen Einrichtungen in Sindlingen und in Höchst. – M. zählte zu jenen|Persönlichkeiten, die die Chancen der im Aufbau begriffenen chemischen Industrie in Deutschland erkannten und sie mit ihrem Kapital und weitreichenden Beziehungen zu Weltruf führten.

  • Literatur

    K. W. v. Meister (S), Nachrr. z. Gesch. d. Fam. Meister, 1904, S. 88-101;
    ders., Erinnerungen an Karl Ludwig Daniel Meister 1800–77, 1912, S. 350 ff.;
    E. Fischer, M., Lucius u. Brüning, d. Gründer d. Farbwerke Hoechst AG, in: Nassau. Lb. VI, 1961, S. 251-54 (P).|

  • Quellen

    Qu.: Firmenarchiv Hoechst AG.

  • Autor/in

    Manuela Wex
  • Empfohlene Zitierweise

    Wex, Manuela, "Meister, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 729 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd142628336.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA