Lebensdaten
1842 bis 1906
Geburtsort
Hildesheim
Sterbeort
Hannover
Beruf/Funktion
sozialdemokratischer Politiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 133200590 | OGND | VIAF: 25785870
Namensvarianten
  • Meister, Heinrich
  • Meister, Ernst August Heinrich
  • Meister, Heinrich Ernst August
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Zitierweise

Meister, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd133200590.html [26.11.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Carl (1801–85), Organist u. Gesangslehrer, S d. Carl Christian u. d. Maria Landwehr;
    M Louise (1812–69), T d. Georg Opitz, Amtsvogl in Rössingen, u. d. Dorothee Nothdurft.

  • Leben

    M. wuchs in einfachsten Verhältnissen auf. Er besuchte 1848-56 die Volks- und Bürgerschule, brach 1858 eine Buchbinderlehre ab und wurde Zigarrenarbeiter. Anfang der 60er Jahre siedelte er nach Hannover über, wo er in der Zigarrenfabrik Schäfer arbeitete und in seiner geringen Freizeit mit großem Eifer die in der Schule erworbenen Kenntnisse erweiterte. Er kam mit der örtlichen Arbeiterbewegung in Kontakt und widmete sich zunehmend der Lektüre politischen und gewerkschaftlichen Schrifttums. 1867 begründete er in Hannover mit 16 Gesinnungsgenossen den lokalen Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV) und trat seit 1872 regelmäßig als Redner und Agitator in Erscheinung. Bereits 1865 war M. Mitbegründer des Allgemeinen Deutschen Zigarrenarbeiterverbandes gewesen; 1867-73 war er dessen Zweiter Vorsitzender. Beruflich konnte er sich nach 25 Jahren Lohnarbeit mit der Übernahme einer kleinen Zigarrenfabrikation eine bescheidene Existenz schaffen.

    In den Jahren des Sozialistengesetzes widmete sich M. als Leiter der hannov. SPD-Organisation vornehmlich der illegalen Parteiarbeit und dem Neuaufbau zentraler Gewerkschaften. So beteiligte er sich 1882 an der Gründung des Deutschen Tabakarbeiter-Verbandes und leitete dessen zentralen Ausschuß, bis ihn 1905 ein Herzleiden zur Aufgabe dieses Amtes zwang. In dieser Position erwarb sich M. große Verdienste um die deutsche Arbeiterbewegung. Er war stets um enge Verbindung zur Sozialdemokratie bemüht. Nachdem er 1879 und 1881 vergeblich für den Reichstag kandidiert hatte, gelang ihm 1884 für den Wahlkreis 8 (Hannover-Linden) der Einzug ins Parlament, dem er bis zu seinem Tode 1906 angehörte. Von Beginn an Mitglied des Vorstandes der SPD-Reichstagsfraktion, gehörte er 1887-90 neben A. Bebel, K. Grillenberger, W. Hasenclever und P. Singer auch dem fünfköpfigen „Subkomitee“ an, das seit 1884 faktisch als Parteileitung fungierte. Im Parlament zeichnete sich M. durch sein vehementes Eintreten für die Sicherung und Verbesserung von Arbeitnehmerrechten aus. Nachdrücklich kämpfte er gegen die Kinderarbeit. Weitere parlamentarische Arbeitsgebiete M.s waren die Alters- und Invaliditätsversicherung der Arbeiter sowie die Tabaksteuergesetzgebung. 1887 und 1890 Mitglied des SPD-Zentralwahlkomitees, erhielt er auf dem Erfurter Parteitag 1891 den Vorsitz der Kontrollkommission beim SPD-Parteivorstand und bekleidete dieses Amt bis zu seinem Tode. Gemäß seiner auf Ausgleich angelegten Wesensart war M. stets auf Integration bedacht und überzeugte durch Schlichtheit in der Darstellung politischer Notwendigkeiten und Hilfsbereitschaft im persönlichen Umgang.

  • Literatur

    W. Frisch, Die Organisationsbestrebungen d. Arbeiter in d. dt. Tabakindustrie, 1905;
    F. Dahms, Gesch. d. Tabakarbeiterbewegung, 1965;
    D. Fricke, Die dt. Arbeiterbewegung 1869-1914, 1976;
    H. Geiling, Konstitutionsbedingungen d. hannov. Arbeiterbewegung bis 1914, 1978;
    F. Osterroth, Biogr. Lex. d. Sozialismus I, 1960;
    Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung, Biogr. Lex., 1970.

  • Autor/in

    Wolfgang Stärcke
  • Empfohlene Zitierweise

    Stärcke, Wolfgang, "Meister, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 725 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133200590.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA