Lebensdaten
1885 bis 1976
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Locarno
Beruf/Funktion
Japanologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 120994372 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meißner, Kurt

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Zitierweise

Meißner, Kurt, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120994372.html [23.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Otto, Buchhändler in H., S d. Otto, Verleger, Mitgl. d. Bürgerschaft in H., u. d. Sophie Drenckhahn;
    M Agnes, T d. Produktenmaklers Heinrich Pfeiffer u. d. Flavia Gabain;
    1923 Frankenberg (Sachsen) Hanni (* 1903). T d. August Dippmann ( 1932), Fabrikbes. in Frankenberg, u. d. Marie Naumann ( 1946);
    4 K, u. a. Hans (* 1926), Präs. d. Fa. Leybold in Tokio, Wolfgang (* 1929). Bankier.

  • Leben

    M. besuchte das Realgymnasium in Hamburg bis zur Obersekunda und absolvierte dann eine kaufmännische Lehre im Handelshaus Simon, Evers & Co. Ende 1905 reiste er nach Japan, um als Angestellter in die Filiale Yokohama dieses Unternehmens einzutreten. 1907 übernahm er die Leitung der Handelsfirma Ludwig Leybold, Tokio, einer Tochtergesellschaft von Simon, Evers & Co. Bei Kriegsausbruch 1914 meldete er sich als|Kriegsfreiwilliger in der deutschen Kolonie Tsingtau (China). Nach dem Fall des Stützpunktes kam er bis 1920 in Japan. Kriegsgefangenschaft, zunächst in Tsingtau, dann in Matsuyama und Bando (heute Naruto) auf Shikoku in Japan. 1920 gründete er als eigenes Unternehmen die Firma Leybold neu unter dem Namen Ludwig Leybold Shokan, mit Sitz in Tokio und einer Filiale in Osaka. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs erfolgte die Zwangsliquidation und Enteignung des Besitzes M.s. 1947/48 wurde er mit seiner Familie nach Deutschland repatriiert und lebte nach kurzer Internierung in Bleckede bei Lüneburg und Hamburg. 1953-64 wirkte M. wiederum als Kaufmann in Tokio, wo er die Firma Leybold Kiko betrieb, die er als Teil von Ludwig Leybold Shokan erneut übernommen hatte. Seit 1964 lebte M. in Hamburg und Orselina bei Locarno.

    M. war ein erfolgreicher Überseekaufmann. Darüber hinaus ist er als Verfasser, Übersetzer und Herausgeber eines breitgefächerten japanologischen Schrifttums hervorgetreten und hat auch die Entwicklung anderer japanologischer Arbeiten gefördert. Sein mehr als 30 Schriften umfassendes Werk reicht von volkstümlicher Erzählkunst (Yose und Rakugo) und anderen volkskundlichen Themen wie Brauchtum und Legenden über Sprache und Literatur, Handwerk und Kunsthandwerk (Porzellan), Holzschnitt (besonders Neujahrs- und Kalenderblätter. Surimono und Egoyomi) bis zur Geschichte, insbesondere der deutsch-japan. Kulturgeschichte. Hierbei wurde er vor allem durch das noch heute herangezogene Buch „Deutsche in Japan“ (1940. 21961) bekannt, das zahlreiche nützliche Informationen bietet, aber nationalsozialistisch gefärbt ist und z. B. die erheblichen Verdienste deutscher Juden an der Gestaltung der deutsch-japan. Beziehungen nahezu unberücksichtigt läßt. Auch in der zweiten, von H. Schwalbe bearbeiteten Auflage wurde dieser Mangel nicht gänzlich behoben.

    M. präsidierte mehreren Vereinigungen, darunter der 1873 gegründeten Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (O.A.G.), die er 1921/22 und 1932-45 leitete. Auf seine Initiative hin entstand 1950 eine Schwestergesellschaft der O.A.G. in Hamburg. M. war Ehrenmitglied beider Gesellschaften sowie des Ostasiatischen Vereins in Hamburg, der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Tokio, der Japan.-Deutschen Gesellschaft (Nichi-Doku Kyokai), Tokio, Ehrenvorsitzender der Evang. Gemeinde Deutscher Sprache in Tokio und Yokohama und Ehrenpräsident der Deutsch-Japan. Gesellschaft, Hamburg|

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h.c. (Hamburg 1955), Gr. Bundesverdienstkreuz (1960), Japan. Orden d. Aufgehenden Sonne (1969).

  • Werke

    Weitere W u. a. Die Yose. in: Mitt. d. O.A.G., 1912 u. 1963;
    Die hl. Sutra (Übers. v. Rakugo-Erzz.), o. J.;
    Tanabata. d. Sternenfest, 1923;
    Einführung in d. japan. Umgangssprache, 1961;
    Lehrbuch d. Grammatik d. japan. Schriftsprache, 1927;
    Der Krieg d. allen Dachse, 1932;
    100 J. dt.-japan. Beziehungen, 1961;
    Japanese Woodblock Prints in Miniature. the Genre of Surimono, 1970;
    Japan, farbige Holzschnitte mit versteckten Kalenderdaten, 1971;
    Die schönsten Japan. Keramik-Dekors „Kokutani“, 1971;
    60 J. in Japan, Lebenserinnerungen v. K. u. Hanni M., 1973 (Privatdr., W-Verz.).

  • Literatur

    H. J. Bartels-Troje u. O. Benl. in: Nachrr. d. Natur- u. Völkerkde. Ostasiens, Nr. 119, 1976, S. 4-6 (W-Verz., P).

  • Autor/in

    Eberhard Friese
  • Empfohlene Zitierweise

    Friese, Eberhard, "Meißner, Kurt" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 701 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120994372.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA