Lebensdaten
1857 bis 1944
Geburtsort
Barzwitz Kreis Schlawe
Sterbeort
Greifswald
Beruf/Funktion
Afrikanist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116864281 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meinhof, Carl
  • Meinhof, Carl Friedrich Michael
  • Meinhof, Karl

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Zitierweise

Meinhof, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116864281.html [25.05.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (1800–81), Pastor in B., S d. Balthasar Frdr. Gottlieb (1761–1834), Pastor in Medewitzsch, später in Rottstock, u. d. Henriette Wilhelmine Demuth (1764–1839);
    M Clara (1819–93), T d. Carl Giesebrecht (1782–1832), Prof. am Grauen Kloster in Berlin, Schriftsteller (s. ADB IX), u. d. Friederike Keferstein (1794–1830);
    Om Wilhelm v. Giesebrecht ( 1889), Historiker (s. NDB VI);
    1) Stettin 1882 Elly ( 1894), T d. Pfarrers Albert Heyer in Mützenow Kr. Stolp u. d. Henriette v. Glasenapp, 2) 1895 Anna ( 1944), T d. Sup. Carl Kloss (1829–1905) u. d. Maria Birkenfeld (1838–1922);
    3 S, 5 T aus 1), u. a. lohannes (* 1886), Redakteur d. „Süddt. Ztg.“, 1 S, 1 T aus 2).

  • Leben

    Nach dem Studium der Theologie in Halle, Erlangen und Greifswald, wobei er sich auch sprachlichen Studien widmete, wurde M. Gymnasiallehrer in Wolgast und Stettin und wirkte 1886-1903 als Pastor in Zizow (Hinterpommern). Dort begann er sich mit Bantusprachen zu beschäftigen. Die stärksten Anregungen empfing M. von Endemanns Grammatik des Sotho. Missionare und mehrsprachig aufgewachsene Missionarskinder dienten ihm als Gewährspersonen für afrikan. Sprachen. Von einem Häuptlingssohn aus Kamerun, der nach Zizow kam, lernte er Duala und erfuhr Näheres über andere Sprachen Kameruns. Die Grundlage seiner Sprachforschungen bildete die phonetische und grammatische Erfassung der Sprache, woraus er die Lautgesetze ableitete. Nach weiteren Einzelstudien veröffentlichte er noch in Zizow sein erstes, zusammenfassendes Werk „Grundriß einer Lautlehre der Bantusprachen“ (21910, engl. 1932). Anschließend unternahm er eine Forschungsreise nach Ostafrika. Nach seiner Rückkehr ging er als Lehrer an das Seminar für Oriental. Sprachen nach Berlin, wo er seine Arbeit auf das Gebiet der anderen großen Sprachfamilien Afrikas, damals Hamitisch und Sudanisch genannt, ausdehnte. Zwar konnte M. auf Vorarbeiten in der Erforschung afrikan. Sprachen zurückgreifen, die wissenschaftliche Afrikanistik wurde jedoch erst durch ihn begründet. 1905 wurde er zum Professor ernannt, 1909 berief ihn das Kolonialinstitut in Hamburg zum Professor für afrikan. Sprachen und zum Direktor des Seminars für Kolonialsprachen. Als 1919 die Univ. Hamburg gegründet wurde, erhielt er in gleicher Funktion das erste afrikanistische Ordinariat an einer deutschen Universität. Erst 1936 wurde M. emeritiert, arbeitete aber wissenschaftlich bis zu seinem Tode weiter.

    In seinen Bantustudien berücksichtigte M. besonders die Sprachen Kameruns, Süd- und Ostafrikas. Unter Benutzung des Standard-Alphabets von Lepsius entwickelte er eine Methode zur Aufnahme von Sprachen. Vor allem wurden zahlreiche Bantusprachen in dieser Weise bearbeitet. In dem von ihm konstruierten Urbantu sah er die früheste Form, aus der sich die jetzigen Bantusprachen entwickelt haben. Ein Standardwerk ist sein „Grundriß einer vergleichenden Grammatik der Bantusprachen“ (1906, 21948). Durch M. entstand die sog. „Hamburger Schule“, die für die Bantuistik lange Zeit führend war. Aus anderen Sprachbereichen sind seine Arbeiten über Nama und Korana sowie über Kordofan-Sprachen zu nennen. Die sog. flektierenden Sprachen Afrikas faßte M. als Sprachen der Hamiten zusammen, was aber nicht zu halten war. In den flektierenden Sprachen sah er den Endpunkt der Entwicklung. Zur Erforschung der Laute richtete M. das Phonetische Laboratorium ein, heute ein selbständiges Institut der Universität. Die von ihm 1910 begründete „Zeitschrift für Kolonialsprachen“ (jetzt „Afrika und Übersee“) wurde Vorbild für ähnliche Publikationsorgane.

    M. beschränkte sich nicht auf die Afrikanistik als Philologie und Linguistik, sondern bezog das Wirtschafts- und Geistesleben mit Ausnahme der bildenden Kunst in seine Forschung und Lehre ein. In Aufsätzen und Büchern behandelte er Religion, Dichtung, Recht und Wirtschaft der Afrikaner. Besonders interessierte ihn die Übersetzung der Bibel in afrikan. Sprachen. Er verstand es, über den Hörsaal hinaus die Öffentlichkeit für Afrika zu interessieren. Auch in hohem Alter hielt er noch Vorträge und Predigten. Seine besondere Neigung galt der Äußeren Mission, für die er den Laienmissionsbund gründete und viele Missionare zur Mitarbeit anregte. M.s Methode der Spracherfassung wurde von O. Dempwolff für das Austronesische übernommen. – M. war in zahlreichen wissenschaftlichen Vereinigungen an führender Stelle tätig, in der Religionswissenschaftlichen Gesellschaft Hamburg führte er den Vorsitz. Er hatte entscheidenden Anteil daran, daß die deutsche Afrikanistik jahrzehntelang in der Welt als führend angesehen wurde.|

  • Auszeichnungen

    D. theol. (Greifswald), Dr. phil. h. c. (Leipzig), L. L. D. (Edinburgh).

  • Werke

    Das Zeitwort in d. Duallasprache, 1888;
    Die Bedeutung d. Sotho f. d. Erforschung d. Bantusprachen, 1896;
    Das Tšivenda, 1901;
    Hottentott. Laute u. Lehnwörter im Kafir, 1904/05;
    Linguist. Stud. in Ostafrika, 1904-08;
    Die Christianisierung d. Sprachen Afrikas, 1905;
    Lehrb. d. Nama-Sprache, 1909;
    Die moderne Sprachforschung in Afrika, 1910;
    Die Dichtung d. Afrikaner, 1911;
    Die Sprachen d. Hamiten, 1912;
    Religionen d. schriftlosen Völker Afrikas, 1913;
    Afrikan. Rechtsgebräuche, 1914;
    Eine Studienfahrt nach Kordofan, 1916;
    Sprachstud. im Egypt. Sudan, 1916-19;
    Afrikan. Märchen, 1917;
    Zur Lautlehre d. Zulu, 1923/24;
    Die Religionen d. Afrikaner in ihrem Zusammenhang mit d. Wirtsch.leben, 1926;
    Afrikan. Bibelüberss., 1926;
    Versuch e. grammat. Skizze e. Buschmansprache, 1929;
    Der Koranadialekt d. Hottentottischen, 1930;
    Die Entstehung flektierender Sprachen, 1936;
    Das Heiban in Kordofan, 1944.

  • Literatur

    Festschr. C. F. M., 1927;
    Brevier C. F. M., 1937;
    J. Lukas, in: Zs. f. Eingeborenen-Sprachen, 1943/44, S. 81-93 (P);
    E. Meyer, Das Werk v. C. M., dargest. in seinen Schrr., ebd., S. 131-72 (W-Verz.).

  • Autor/in

    Ernst Dammann
  • Empfohlene Zitierweise

    Dammann, Ernst, "Meinhof, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 670-671 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116864281.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA