Lebensdaten
erwähnt 782, gestorben 800
Sterbeort
in Süditalien
Beruf/Funktion
Kämmerer Karls des Großen
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137111797 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meginfrid
  • Megenfred

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Zitierweise

Meginfrid, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137111797.html [09.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    Vermutlich aus ripuar. Adel (Niederrhein).

  • Leben

    Als Nachfolger des 782 am Süntel gegen die Sachsen gefallenen camerarius Adalgis ist am Hofe Karls des Großen der Franke M. zu finden, der sich des besonderen Vertrauens der königl. Familie und des Magister palatii Alkuin erfreute. Dem Kämmerer oblag als Stellvertreter der Königin die Gesamtleitung des Haushalts, die Oberaufsicht über die Versorgung des Hofs, die Verwaltung der Einkünfte und Vorräte, zugleich das Amt des Schatzmeisters (regalis palatii arcarius, dispensator thesaurorum). Auch militärische Aufgaben galten als selbstverständlich: 791 wurde M. mit der Leitung des Heereskontingents von ripuar. Franken, Friesen, Sachsen und Thüringern beauftragt, das auf dem Feldzug gegen die Avaren durch das südliche Böhmen zog. In einem berühmten Brief Alkuins Ende 796 wird M., der die Jahresabgaben der Vasallen einzutreiben hatte, dringlich ermahnt, die schon bei der Missionierung der Sachsen verfehlte Politik der Zwangszehnten nicht bei den Avaren zu wiederholen: Die fränk. Priester sollten Prediger sein, nicht beutegierige Räuber. Hieraus läßt sich ableiten, daß M. für die rigorosen Steuerpraktiken mitverantwortlich gewesen ist, die zu Aufständen der Sachsen geführt hatten. Der Nachwelt bekannt wurde M. auch durch seine Zugehörigkeit zur „Hofakademie“, dem Kreis der Gelehrten und Dichter um Karl den Großen: Dort trug M. den bukolischen Hofnamen „Thyrsis“ nach einem arkadischen Schafhirten und Sänger rustikaler Verse, der Vergils 7. Ekloge zufolge in einem Wettstreit als unzeitgemäßer Poet unterlegen ist. Der kahlköpfige Kämmerer könnte tatsächlich – traut man den spöttischen Bemerkungen Angilberts und Theodulfs von Orléans – ein ebenso begeisterter wie ungeschickter Verseschmied gewesen sein, der wie die antike Sängergestalt erdnahe Themen (Hütte, Herdfeuer, die Esche als Paradigma des Menschen) besungen hat. Teilnehmer einer kriegerischen Kampagne des Königssohnes Pippin gegen das abtrünnige Benevent, starb M. in Süditalien an einer verheerenden Seuche (Pest?) gegen Ende des Jahres 800.

  • Literatur

    Alkuin, Epistolae, ed. E. Dümmler, in: MGH Epp. 4, 1895. Nr. 111, S. 159 ff., Nr. 211, S. 351 f.;
    ders., Carmina, ed. E. Dümmler, in: MGH Poetae latini 1, 1881, Nr. 26, S. 246;
    Angilbert, Carmina, ebd. Nr. 2, S. 362;
    Theodulf, Carmina, ebd. Nr. 25, S. 486, Nr. 27, S. 492;
    Hinkmar v. Reims, De ordine palatii, hrsg. u. übers. v. Th. Groß u. R. Schieffer, in: MGH Fontes iuris Germanici antiqui III, 1980, c. V, S. 72 ff.;
    S. Abel u. B. Simson, Jbb. d. Dt. Gesch., Karl d. Gr., 2, 1883, S. 18, 221 f., 548;
    J. Fleckenstein, Karl d. Gr. u. s. Hof, in: Karl d. Gr., I, Persönlichkeit u. Gesch., hrsg. v. H. Beumann, 1965, S. 24-50, bes. S. 36, 39, 48;
    C. Brühl, Fodrum, gistum, servitium regis, 1968, S. 77 f.;
    D. Schaller, Vortrags- u. Zirkulardichtung am Hof Karls d. Gr., in: Mittellat. Jb. 6, 1970, S. 14-36.

  • Autor/in

    Eckhard Freise
  • Empfohlene Zitierweise

    Freise, Eckhard, "Meginfrid" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 613 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137111797.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA