Lebensdaten
1890 bis 1974
Geburtsort
Süderstapel bei Husum
Sterbeort
Gießen
Beruf/Funktion
Gymnastikpädagoge
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 129588369 | OGND | VIAF

Verknüpfungen

Visualisieren

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Medau, Hinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd129588369.html [25.05.2017].

CC0

Medau, Hinrich

Gymnastikpädagoge, * 13.5.1890 Süderstapel bei Husum, 1.1.1974 Gießen. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Hinrich, Gastwirt; M Christine Harbst; 1) Margarethe Reinhardt (1893–1920), 2) Senta (1908–71), T d. Apothekers Carl Liecke in Dresden u. d. Anna v. Rosentwist aus Stockholm; 1 T aus 1), 2 S, 2 T aus 2), u. a. Hans-Jochen (* 1939). Dr. med., Priv.-Doz., Leiter d. Medau-Schule in Coburg.

  • Leben

    M. wuchs auf dem elterlichen Bauernhof in Schleswig-Holstein auf. Seine Neigung zu Musik und Bewegung zeigte sich früh, wurde aber erst mit dem Eintritt in das Lehrerseminar in Handersieben gefördert. Ein mit dem ersten Lehramt aufgenommenes Musikstudium in Kiel brach M. ab, als er sich für den Auslandsdienst als Lehrer entschied. 1913 übernahm er eine Lehr- und Organistentätigkeit in Lissabon, 1916 eine ebensolche in Madrid. In dieser Zeit hatte er eine entscheidende Begegnung mit der sich in Deutschland entwickelnden rhythmischen Gymnastik. Diese Verbindung von Bewegung und Musik erkannte er als die lange gesuchte Möglichkeit, den schulischen Turn- und Musikunterricht zu reformieren. 1922 kehrte M. nach Deutschland zurück und schloß sich der Gymnastikauffassung Rudolf Bodes (1881–1970) und seiner Schule an. Assistententätigkeit und Studien in München und Berlin führten ihn in die Zentren der heftigen Auseinandersetzung zwischen Turnen, Sport und Gymnastik. Fortan widmete er sich ganz der Gymnastik, verließ den Schuldienst und gründete 1929 eine eigene Gymnastikschule und Ausbildungsstätte in Berlin. Bis zum 2. Weltkrieg galt er, auch im Ausland, als einer der führenden Gymnastikpädagogen Deutschlands. 1948 eröffnete er seine Schule in Flensburg neu; 1954 verlegte er sie nach Coburg, wo sie heute von seinem Sohn Hans-Jochen als integrierte Gymnastik-|und Krankengymnastik-Ausbildungsstätte weitergeführt wird.

    M.s Wirken muß im Zusammenhang mit der sich um die Jahrhundertwende entwickelnden deutschen Gymnastikbewegung gesehen werden. Diese blieb mit ihren in der Lebensphilosophie verankerten Bemühungen um den lebendigen, intuitiven, ganzheitlichen Menschen bis zuletzt Grundlage seiner theoretischen Vorstellungen. Als praktisches Ziel strebte er „Hilfe für biologische Lebensführung und Persönlichkeitsentwicklung auf der Basis der Gesundheit, der guten Form und Haltung und der sinnvollen, kultivierten Bewegung“ an. Gemeinsam mit seiner Seminarleiterin Irmela Doebner erarbeitete er in Berlin ein in sich geschlossenes rhythmischorganisches Bewegungskonzept auf der Grundlage der phänomenologisch orientierten Bewegungslehre von Bode, das die individuelle Richtigstellung der Bewegungsfunktionen, Bewegungsfreiheit und persönliche Ausdrucksfähigkeit zum Ziel hat. Die Inhalte entwickeln sich aus den menschlichen Grundbewegungen und werden zu großer Vielfalt geführt. Die Verwendung von beweglichen Handgeräten verstärkt den Bewegungsreichtum und das Spielmoment. Durch eine von M. entwickelte Bewegungsimprovisation am Klavier erhalten die Ausbildungsschülerinnen die Fähigkeit, den Lernprozeß musikalisch zu unterstützen.

    Dieses Konzept wurde in der Coburger Zeit unter Mitarbeit von M.s Frau Senta auf der Grundlage der Atemtherapie von Ludwig Schmitt durch die „Organgymnastik“ erweitert. Ihr Kennzeichen sind Dehnlagen und Stellungen, die „das Empfinden für die Beziehung von Atem und Bewegungen wecken und bewußt machen“. Über die zeitbedingten, vergänglichen Erscheinungsformen hinaus hat M. wichtige Grundlagen für die Erforschung und Weiterentwicklung der Gymnastik geschaffen.

  • Werke

    Rhythm. Gymnastik als tägl. Kraftquelle, 1928; Dt. Gymnastik – Lehrweise Medau, 1940; Rhythm.-musische Gymnastik f. Frauen und Mädchen, 1952 (mit Roedenbeck); Moderne Gymnastik – Lehrweise Medau, 1967 (mit S. Medau u. J. Holler v. d. Trenck); zahlr. Btrr. in Zss.; Kompositionen (Bewegungsmusik f. Klavier), z. T. auf Schallplatten.

  • Literatur

    W. Umminger, Schule d. Lebens, in: Olympisches Feuer, H. 5, Mai 1962; Atem, 1970, H. 3 (mit Btrr. z. M.s 80. Geb.tag v. E. Miller, J. Holler v. d. Trenck, F. Besuden, E. Gerhardt, M. Braithwaite); J. Holler v. d. Trenck, in: Leibesübungen, 1970, H. 5, S. 3-5.

  • Autor

    Hildegard Erbguth
  • Empfohlene Zitierweise

    Erbguth, Hildegard, "Medau, Hinrich" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 594 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd129588369.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Artikel noch nicht erschlossen.