Lebensdaten
1852 bis 1930
Geburtsort
Nachod (Nordböhmen)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Textilindustrieller
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 136664415 | OGND | VIAF: 80970693
Namensvarianten
  • Mautner, Isidor

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Zitierweise

Mautner, Isidor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136664415.html [28.02.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Isaac (1824–1901), Textilindustrieller, KR, gründete 1848 in N. d. erste Baumwoll- u. Leinenweberei Nordböhmens, d. er 1857 um e. Appreturanstalt u. 1863 um e. Garnfärberei erweiterte, Mitgl. d. Permanenzkomm. f. d. Bestimmung d. Handelswerte im Zollbeirat (s. ÖBL);
    ⚭ Jenny Neumann;
    2 S, 2 T, u. a. Stephan (1877–1945?), Textilindustrieller, bis 1930 Gen.dir.-Stellvertreter im Fam.unternehmen, Präs. d. Neuen Wiener Bankgesellschaft, Jagdschriftsteller, Maler u. Graphiker (s. ÖBL), Konrad David (1880–1924), Textilindustrieller, volkskundl. Schriftsteller, erforschte Sprache u. Brauchtum d. steir. Salzkammerguts (s. ÖBL).

  • Leben

    M. trat 1867 in das von seinem Vater gegründete Unternehmen ein, das seit 1874 als „Isaac Mautner u. Sohn“ firmierte. 1868 wurde es um die Mechanische Weberei Schumburg bei Tannwald erweitert, 1878 wurde in Wien eine Konfektionsanstalt zur Versorgung der Landwehr mit Baumwollstoffen eröffnet (mit Niederlassungen in Prag, Budapest und Triest). Gemeinsam mit seinem Vater gründete M. 1893 die Ungar. Textilindustrie AG in Rosenberg (Komitat Lipto/Slowakei), die späteren „Rosenberger Textilwerke Mautner“. M. leitete 1881-95 gemeinsam mit seinen Schwägern die Baumwollspinnerei Wärndorfer-Benedikt-Mautner in Nachod, die er mit einer Textilfabrik in Günselsdorf (Niederösterreich) fusionierte und bis 1897 zu einem Großbetrieb mit 63 000 Spindeln ausbaute. Zum größten Textilunternehmen der Monarchie entwickelte sich die Rosenberger Fabrik, die 1913 mit 5000 Beschäftigten und 160 000 Spindeln einen Jahresproduktionswert von 25 Mill. Kronen erzielte. 1905 gründete M. mit Hilfe der Bodencreditanstalt die „Vereinigte Österr. Textilindustrie AG“, eine Holding aller ihm gehörenden Firmen: in Niederösterreich die Baumwollspinnerei „Friedr. Eltz' Erben“ in Neunkirchen, die Baumwollspinnerei M. Hainisch in Nadelburg, die Baumwollspinnerei AG in Pottenstein; in der Steiermark die Fabrik Pragwald; in Böhmen Brodetz und Tetschen; in Krain Littai bei Laibach und im Küstenland Monfalcone bei Triest. 1916 konnte der bereits größte Industriekonzern der Donaumonarchie um die „Pottendorfer Baumwollspinnerei“ mit rd. 1100 Beschäftigten und einem Zweigbetrieb in Rohrbach erweitert werden. 1918 verfügte der Konzern über 42 Textilfabriken mit 23 000 Beschäftigten, 650 000 Spindeln und mehreren tausend Webstühlen. Nach dem Kriege wurden in den Nachfolgestaaten selbständige Aktiengesellschaften gegründet, deren Präsident, Direktor oder Verwaltungsrat M. blieb. In Jugoslawien entstanden die „Beograder Textilwerke AG“ sowie die „Jugoslaw. Textilwerke Mautner AG/Ljubljana“ mit der Baumwollspinnerei Littai und der Baumwollweberei Sv. Pavel (bei Prebold). Die „Ungar. Textilwerke Mautner AG“ wurde 1921 in die „Ungar.-Amerikan. Northop Webstuhl- und Textilfabriks-AG“ umgewandelt, die in Szt. Lövincz bei Pest ca. 9000 Webstühle und 19 000 Rippenspindeln betrieb. In der ČSR besaß die „Textilwerke Mautner AG, Prag/Smichow“ Fabriken in Nachod, Schumburg,|Grünwald, Friedland, Engenthal und Tiefenbach mit 3600 Beschäftigten an 110 000 Spindeln und 4300 Webstühlen. Bereits 1924 bestanden weitere Betriebe in Franzenthal, Bensen, Brodec, Neuland, Friedrichsthal, Scharfenstein sowie die Cölestingrube in Qualisch, die 5100 Arbeiter beschäftigten. Als Schwesterfirmen bezeichneten sich die „Friedrich Mattausch u. Sohn AG“ in Franzenthal, die „Rosenberger Textilwerke Mautner AG“ in Rybarpole und die „Vereinigte österr. Textilindustrie AG“ in Wien. Die Aktienmehrheit letzterer kontrollierte seit den 20er Jahren die Bodencreditanstalt gemeinsam mit der Živnostenska banka in Prag. M.s Hauptunternehmen blieb die „Pottendorfer Baumwollspinnerei“. In den 20er Jahren kamen die Trattenbacher Weberei (Niederösterreich) und eine Spinnerei und Weberei in Ebensee (Oberösterreich) hinzu. Weiter erwarb der Konzern die Aktienmehrheit der „AG der Baumwollspinnereien, Webereien, Bleiche, Färberei und Druckerei in Trumau und Marienthal“, Betriebe, die vor dem Weltkrieg 1900 Mitarbeiter zählten. Wegen Überkapazitäten im Spinnsektor mußten jedoch gleichzeitig kleinere Fabriken in Neunkirchen, Sollenau, Günseldorf und Trattenbach stillgelegt werden. Der Zusammenbruch der Bodencreditanstalt und die einsetzende Weltwirtschaftskrise ließen alle Beteiligungen an die Creditanstalt übergehen, die 1929/30 weitere Betriebe stillegte. Den noch verbliebenen Betrieb in Ebensee pachtete die Pottendorf-Felixdorfer Spinnerei und Weberei AG, die 1939 auch das Restvermögen der seit 1930 in Liquidation befindlichen „Vereinigten Österr. Textilindustrie AG“ übernahm. Nur die jugoslaw. Unternehmen arbeiteten noch gewinnbringend. Zum Untergang des Mautner-Konzerns trugen auch finanzielle Fehlspekulationen im Zusammenhang mit dem Konkurs der „Neuen Wiener Bankgesellschaft“ bei, deren Präsident M.s Sohn Stephan war.|

  • Auszeichnungen

    M. war Kommerzialrat, Ausschußmitglied des Vereins der Baumwollspinner und -weber Österreichs und österr. Vertreter im Vorstand der Bremer Baumwollbörse.

  • Literatur

    E. Oberhummer, Die Baumwollindustrie Österreich-Ungarns, 1917;
    K. Janowsky, Der Anteil d. einzelnen Sukzessionsstaaten an d. Textilindustrie d. ehem. österr.-ungar. Monarchie, 1920;
    M. Klang, Die geistige Elite Österreichs, 1936;
    W. Ruttner, Die österr. Textilindustrie, Gesch. u. Gegenwart, Diss. Wien 1952;
    J. T. Berend u. G. Ranki, The Development of the Manufacturing Industry in Hungary, 1960, S. 22;
    F. Mathis, Big Business in Österreich, 1987, S. 107, 235, 317, 337;
    Die Großindustrie Österreichs IV, 1898, S. 250 ff.;
    Compaß, Jgg. 1914, 1920, 1925;
    Neue Freie Presse v. 14., 15. u. 16.4.1930;
    Neues Wiener Tagbl. v. 19.4.1930;
    Die Industrie, Jg. 1930, Nr. 16;
    ÖBL.

  • Autor/in

    Gustav Otruba
  • Empfohlene Zitierweise

    Otruba, Gustav, "Mautner, Isidor" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 452-453 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136664415.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA