Lebensdaten
1775 bis 1843
Geburtsort
Brüssel
Sterbeort
Köln
Beruf/Funktion
Heil- und Duftwasserfabrikantin
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137362102 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Martin, Maria Clementine
  • Martin, Maria C.
  • Martin, Wilhelmine

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Zitierweise

Martin, Maria Clementine, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137362102.html [25.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Heinrich de Martin (1739–1819), k.k. Hptm.;
    M Christine v. Mergenthal (1739–1812).

  • Leben

    Die Familie zog 1783 nach Jever in Friesland, wo der Vater am Hofe des Fürsten Friedrich August von Anhalt-Zerbst stationiert war. 1792 trat M. in das Annunziatenkloster St. Anna zu Coesfeld ein. Hier erlernte sie die Krankenpflege und erwarb Kenntnisse auf dem Gebiete der Naturarznei und deren Herstellung, die ihr später zugute kommen sollten. Nach dem Reichsdeputationshauptschluß wurde das Kloster 1803 aufgelöst. M., die zu dieser Zeit gerade in Venlo weilte, fand im Kloster Glane bei Gronau Aufnahme. Doch auch Glane fiel der Säkularisierung zum Opfer und wurde 1811 an die Fürstin Friederika zu Salm Rheingräfin zu Coesfeld veräußert, die sich verpflichtete, den nun außerhalb der Klostermauern lebenden Schwestern eine kleine Pension von 500 Franken zu zahlen. Offenbar erfolgten die Zahlungen nicht regelmäßig, so daß M. die ausbleibenden Überweisungen anmahnen mußte. Nach der Vertreibung lebte sie in Tirlemont in der Nähe von Waterloo, wo 1815 die Entscheidungsschlacht der Alliierten gegen Napoleon stattfand. Als gelernte Krankenschwester war sie sofort zur Stelle, um die verwundeten Soldaten zu pflegen. Als Belohnung für ihren außergewöhnlichen Einsatz bewilligte ihr Kg. Friedrich Wilhelm III. von Preußen eine jährliche Pension von 160 Talern. Bis 1821 verlieren sich ihre Spuren. 1821-25 wohnte sie in Münster.

    Statt wieder in einen der vielen neu entstehenden Orden einzutreten, entschied sie sich aus unbekannten Gründen für ein weltliches Leben. Im April 1825 zog sie nach Köln|in das Haus des Domvikars Gumpertz, direkt neben dem Haupteingang des noch unvollendeten Domes. Am 6.11.1825 findet sich in der Köln. Zeitung ihre erste Anzeige, in der sie selbstgefertigtes „Kölnisch Wasser“ anbietet. Vermutlich kam sie bereits mit der festen Absicht nach Köln, sich ihren Lebensunterhalt mit selbst destillierten Duft- und Heilwässern zu verdienen. Das Kölnisch Wasser war schon weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt und beliebt, und auch in der Melissengeistherstellung war M. nicht die erste. Ein halbes Jahr später erschien ihre Anzeige zum ersten Mal mit dem noch heute gültigen Firmennamen „Maria Clementine Martin, Klosterfrau“. Noch im selben Jahr ließ sie ein werbewirksames Gutachten über ihr Kölnisch Wasser vom Stadtphysicus Dr. Elkendorf erstellen und ahmte damit die Werbemethode des ältesten Herstellers in Köln, Johann Paul Feminis, nach, der bereits 1761 über sein Kölnisch Wasser ein Gutachten beim Dekan der medizinischen Fakultät zu Köln in Auftrag gegeben hatte. 1827 verlegte M. ihren Stammsitz in das Haus Domhof Nr. 19, das dem Domkapitel gehörte. Außer Kölnisch Wasser wurde nun auch Melissengeist hergestellt.

    Im Nov. 1829 bat M. Kg. Friedrich Wilhelm III. mit dem Hinweis auf ihre Verdienste in der Schlacht bei Waterloo um die Erlaubnis, ihre Fabrikate mit dem preuß. Wappen zieren zu dürfen. Am 13.7.1830 wurde die Erlaubnis erteilt. Damit verschaffte sie sich ein unverwechselbares Zeichen, um sich gegen die große Zahl der Kölnisch-Wasser-Hersteller abzusetzen. Sie sicherte ihre Warenzeichen – dazu gehörte auch das Ordenswappen der Karmeliterinnen für das Melissenwasser, genannt Melissengeist – am 7.10.1831 beim Rat der Gewerbeverständigen zu Köln gegen die Konkurrenz ab. Schon bald waren ihre Produkte über die Grenzen Kölns hinaus bekannt, so daß sie ein Depot in Berlin errichtete, um auch dort schnell liefern zu können. In den 1830er Jahren entwickelte sich auch der Export vor allem nach Belgien und den Niederlanden. Die Produktpalette erweiterte sich um Schnupfpulver, Lavendel-Wasser und die Heiltinktur „Vier-Räuber-Essig“. Das vom König erteilte Privileg reichte der geschäftstüchtigen Klosterfrau nicht aus. Mit der Bitte um das alleinige Privileg der Melissengeist-Herstellung versuchte sie die Konkurrenz ganz aus dem Feld zu schlagen (1835). Eine solche Monopolstellung lehnte die Regierung aber mit dem Hinweis auf die allgemeine Gewerbefreiheit ab. Als Universalerben setzte M. ihren Gehilfen und Ziehsohn Peter Gustav Schaeben (1815–85) ein, der seit seinem 14. Lebensjahr in ihrem Haus wohnte und ihr treu zur Hand ging.

    Schaeben weitete nach M.s Tod das Unternehmen beträchtlich aus, dessen Produkte bald weltweit vertrieben wurden. 1933 mußte es Konkurs anmelden und wurde von dem Kölner Kaufmann Wilhelm Doerenkamp (1882–1972) aufgekauft, der es sanieren und weiter ausbauen konnte. Heute ist es eine GmbH mit vielen Tochtergesellschaften, die pharmazeutische und kosmetische Produkte in aller Welt vermarkten.

  • Literatur

    E. Rosenbohm, Kölnisch Wasser, 1951, S. 550-54;
    W. Schäfke (Hrsg.), Oh! De Cologne, 1985.|

  • Quellen

    Qu.: Klosterfrau-Archiv, Köln; Archiv d. Fürstl. Salm-Horstmar'schen Rentkammer, Coesfeld; Zentrales Staatsarchiv d. DDR, Mersehurg.

  • Autor/in

    Petra Witting
  • Empfohlene Zitierweise

    Witting, Petra, "Martin, Maria Clementine" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 291 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137362102.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA