Lebensdaten
1864 bis 1930
Geburtsort
Reichenbach am Heuberg (Württemberg)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Orientalist ; Historiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118914251 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Marquart, Josef (bis 1922)
  • Markwart, Josef
  • Marquart, Josef (bis 1922)
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Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Markwart, Josef, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118914251.html [22.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Anton (1834–1909), Bauer. S d. Josef u. d. Genovefa Linder;
    M Maria Magdalena (1845–1917), T d. Thomas Gaukel u. d. Basilissa Moser;
    Bonn 1901 Emilie Sabina Schulten (1870–1910);
    1 T.

  • Leben

    M. nahm in Tübingen zunächst theologische Studien auf, bevor er sich dort und in Bonn der Geschichte, Klassischen Philologie und Orientalistik zuwandte. 1892 erfolgte die Promotion, 1897 die Habilitation für Alte Geschichte. Seit 1900 war M. Assistent, später Konservator am Völkerkundemuseum in Leiden. An der dortigen Universität habilitierte er sich 1902 für Sprachen des christlichen Orients. 1912 wurde er zum ao., 1920 zum o. Professor für iran. und armen. Philologie an der Univ. Berlin berufen. Auf einem räumlich, ethnisch und sprachlich sehr weiten Feld widmete sich M. historischen, paläographisch-epigraphischen, philologischsprachwissenschaftlichen und geographisch-ethnologischen Arbeiten, denn Geschichtsforschung schloß für ihn immer auch Kultur-, Sprach- und Religionsgeschichte mit ein, und seine umfassende Sprachenkenntnis erlaubte ihm das Studium der oft sehr entlegenen einschlägigen Quellen im iranischen, armenischen, semitischen, türkischen usw. Original. In einer Reihe von wichtigen, scharfsinnig argumentierenden Werken bearbeitete M., ausgehend von antiken historiographischen Schriften, ein weites Spektrum von Quellen zur Geschichte, Geographie und Ethnographie Osteuropas sowie Vorder- und Mittelasiens vornehmlich in vorislam. Zeit. „Die Assyriaka des Ktesias“ (1893) versuchen Würdigung und Wiedergewinnung eines nur durch Exzerpte bekannten Werkes zur oriental. Frühgeschichte. „Die Chronologie der alttürk. Inschriften“ (1898) und ein thematisch zugehöriger Aufsatz (Wiener Zs. f. d. Kde. d. Morgenlandes 12, 1890, S. 157-200) nehmen die historische Auswertung der 1896 von Vilhelm Thomsen entzifferten alttürk. Runeninschriften in Angriff. „Ẽrãnšahr nach der Geographie des Ps. Moses Xorenaci“ (1901) mit der Edition des armen. Textes einer Länderbeschreibung und einer eingehend kommentierenden historischen Untersuchung ist von grundlegender Bedeutung für die historische, topographische und ethnographische Kenntnis des alten und mittelalterlichen (sāsānidischen) Iran sowie der von „Barbaren“ bewohnten nördlichen und östlichen Nachbarregionen. „Osteurop. und ostasiat. Streifzüge“ (1903) bieten mit der Interpretation von vorwiegend arab. Mitteilungen über die Völker des nördlichen Asiens und Osteuropas „ethnologische und historisch-topographische Studien zur Geschichte des 9. und 10. Jh. (ca. 840–940) “. In „Wehrot und Arang“ (1938, hrsg. v. H. H. Schaeder) findet man rund um die Namen des Oxus und anderer Flüsse „Untersuchungen zur mythischen und geschichtlichen Landeskunde von Ostiran“. Eine Frucht von M.s ethnographischer Tätigkeit in Leiden ist der Katalog „Die Benin-Sammlung des Reichsmuseums für Völkerkunde in Leiden“ (1913), dessen Prolegomena die älteste Geschichte der Handelswege und Völkerbewegungen in Nordafrika detailliert behandeln.

  • Werke

    Weitere W u. a. Fundamente israelit. u. jüd. Gesch., 1896;
    Unterss. z. Gesch. v. Eran, 2 Bde., 1896-1905;
    Chronolog. Unterss., 1900;
    Ueber d. Volkstum d. Komanen, 1914;
    Die Entstehung u. Wiederherstellung d. armen. Nation, 1919;
    Skizzen z. hist. Topographie u. Gesch. v. Kaukasien, 1928;
    Südarmenien u. d. Tigrisquellen nach griech. u. arab. Geographen, 1930;
    Das erste Kapitel d. GãÞã uštavaĩ (Jasna 43), 1930 (P).

  • Literatur

    V. Minorsky, Essai de bibliographie des travaux de J. M, in: Journal Asiatique 217, 1930, S. 313-24 (W-Verz.);
    H. H. Schaeder, J. M., in: Ungar. Jbb. 10, 1930, S. 113-19;
    J. Messina, J. M., in: Markwart, Das erste Kapitel, 1930, S. 1*-7* (W-Verz., P);
    V. V. Bartol'd, Pamjati Iosifa Markvarta 1864-1930, in: Izvestija Akademii Nauk SSSR, Otdelenie obščestvennych nauk 1931, S. 387-402 (W-Verz.), dt. Übers.: W. Barthold, Zum Gedächtnis J. M.s, in. Markwart, Wehrot u. Arang, 1938, S. 16*-29* (W-Verz. v. H. H. Schaeder, S. 53*-61*).

  • Autor/in

    Rüdiger Schmitt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmitt, Rüdiger, "Markwart, Josef" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 227 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118914251.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA