Lebensdaten
1745 bis 1803
Geburtsort
Mainz
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Gräfin von der Leyen ; Regentin der Herrschaft Blieskastel im Westrich und der Grafschaft Hohengeroldseck in Baden
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 123726832 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Leyen, Marianne von der (verheiratete)
  • Dalberg, Marianne Freiin von (geborene)
  • Leyen, Maria Anna von der (verheiratete)
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Zitierweise

Marianne, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd123726832.html [26.09.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Franz Heinrich Frhr. v. Dalberg (1716–76), kurmainz. GR, Statthalter in Worms, Burggf. zu Friedberg, S d. Wolfgang Eberhard v. Dalberg ( 1737), pfälz. GR u. Kammerpräs., u. d. Anna Freiin v. Greiffenclau zu Vollrads; M Sophie Maria Anna (1722–63), T d. Karl Anton Gf. v. Eltz-Kempenich (1671–1736), kurmainz. GR u. Landhofmeister, u. d. Helene Catharine Freiin Wamboldt v. Umstadt; 13 Geschw., u. a. Carl Theodor Frhr. v. Dalberg ( 1817), Fürstprimas (s. NDB III). Wolfgang Heribert ( 1806), Theaterintendant (s. NDB III), Friedrich Hugo ( 1812), Musikschriftsteller u. Komponist (s. NDB III); - 1765 Gf. Franz Karl v. d. Leyen (1736–75). kaiserl. wirkl. Geh. Staatsrat u. Kämmerer, Erbtruchseß, S d. Gf. Friedrich Ferdinand v. d. Leyen (1709–60), kaiserl. GR, kurtrier. Oberlandhofmeister, kurpfälz. Amtmann, u. d. Maria Gfn. v. Hatzfeld-Trachenberg u. Gleichen (1715–74); 1 S, 2 T, u. a. Fürst Philipp (1766–1829).

  • Leben

    Nach ihrer Kinder- und Jugendzeit in sheim b. Worms vermählte sich M., die 1764 Stiftsdame in Münster-Bilsen (Prov. Limburg) geworden war, am 15.9.1765 mit dem Grafen Franz Karl von der Leyen. Noch in Koblenz, wo sich der von der Leyensche Familiensitz im unmittelbaren Umkreis der Trierer Kurfürsten befand, erhielt M. den Sternkreuzorden Maria Theresias verliehen. Ende Mai 1773 siedelte sie mit ihrem Mann in die Herrschaft Blieskastel um. Die junge Witwe übernahm 1775 die vormundschaftliche Regierung und die Erziehung des Erbgrafen Philipp, dem sie sich – sonst eher zu patriarchalischer Strenge neigend – in übertriebener Muttersorge widmete. Ihre sozialen und bildungspolitischen Maßnahmen zeigen die pflichteifrige Landesmutter auf der Höhe der Zeit. Sie förderte Landwirtschaft, Gartenbau und Viehzucht sowie bestimmte Industriezweige und die Heimarbeit. M. bevorzugte einen persönlichen Regierungsstil mit unmittelbarem Kontakt zu ihren Untertanen. Selbst ohne besondere gelehrte und künstlerische Neigungen und Fähigkeiten, bezog sie ihre Anregungen aus der nahen Residenz Zweibrücken sowie von der geistlichen Verwandtschaft. Die Hohe Kameralschule zu Kaiserslautern wählte sie zu ihrem Mitglied. Die ehrgeizigen Bauvorhaben des Gatten wurden fortgesetzt. Bibliothek, Naturalienkabinett, Gemäldesammlung, Hofmalerei (Christoph Mannlich) und Hausmusik in der gastfreundlichen Kleinresidenz gepflegt. Gefühlsmäßig habsburgfreundlich eingestellt, zeigte sie sich in der Grenzsituation aber auch den politischen und kulturellen Kräften Frankreichs aufgeschlossen. Nach Abschluß eines eher aufgezwungenen territorialen Austauschvertrags mit Frankreich (1781) über regelmäßige franz. Subsidieneinkünfte verfügend, begann sie den aufwendigen Bau von Schloß Neu-Philippsburg als künftiger Residenz für den wenig regierungswilligen Sohn. Die erhoffte Ruhe auf|ihren nahegelegenen Wittumsgütern wurde durch die Auswirkungen der Franz. Revolution verhindert. Durch eine abenteuerliche Flucht entging im Mai 1793 die Gräfin der Gefangennahme durch die Franzosen. Kränklich, aber ungebrochen, verbrachte sie ihre letzten Jahre in bescheidenen Verhältnissen in der Nähe ihrer Familienangehörigen in Frankfurt und Umgebung. Erst an ihrem Lebensabend entwickelte sich die von ihr erstrebte Entschädigung des Hauses von der Leyen für seine linksrheinischen Verluste und auch ihre eigene Besitzregelung günstig. M. bewies bei der unvorhergesehenen Übernahme der Regierungsaufgaben beachtliche Fähigkeiten im Zeichen des aufgeklärten Zeitgeistes, ohne allerdings dem absolutistischen Teufelskreis von hohem Aufwand des Hofes und finanziellen Schwierigkeiten des Staates entrinnen zu können. In den harten Prüfungen des Schicksals zeigte sie Mut und Seelengröße. Endgültig erst seit dem ausgehenden 19. Jh. gewann sie in der Bevölkerung ihrer saarländ. Heimat den nicht unverdienten Nachruhm als große Reichsgräfin des Westrichs.

  • Werke

    Journal meiner Unglücksfälle während d. Rev. im J. 1793, hrsg. v. A. Kleinschmidt, in: Neue Heidelberger Jbb. 4, 1894, S. 91-114.

  • Literatur

    J. J. Moser, Staatsrecht d. Reichsgräfl. Häuser v. d. Leyen, v. Plettenberg etc., 1740; A. Kleinschmidt, Gesch. v. Arenberg, Salm u. Leyen 1789-1815, 1912, S. 279-403; L. Eid. Reichsgfn. M. v. d. L., Leben, Staat. Wirken, hrsg. v. W. Krämer, 1937 (P); H.-W. Herrmann, Gfn. M. v. d. L., in: Das Saarlandbuch, hrsg. v. D. Staerk, 1981, S. 162 (P); W. Dotzauer, Gfn. M. v. d. L., in: Saarländ. Lb. III, 1986, S. 67-87 (P).

  • Portraits

    Ölgem. (Blieskastel, Rathaus); Pastell (Landesarchiv Saarbrücken), Abb. b. Dotzauer, s. L.

  • Autor

    Winfried Dotzauer
  • Empfohlene Zitierweise

    Dotzauer, Winfried, "Marianne" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 209 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd123726832.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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