Lebensdaten
um 1380 bis 1457
Geburtsort
wohl Marienau (Großer Werder)
Sterbeort
Thorn
Beruf/Funktion
Bischof von Kulm
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137340869 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Margenau, Johannes
  • Johann, Marienau
  • Johannes, Margenau
  • mehr

Orte

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Zitierweise

Margenau, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137340869.html [31.05.2020].

CC0

  • Genealogie

    Warsch. nichtadliger Herkunft aus Marienau.

  • Leben

    Ob es sich bei M. um den 1404 genannten Pfarrer Johannes von Marienau handelt, läßt sich nicht entscheiden. Er dürfte jedoch mit dem 1409 an der neugegründeten Univ. Leipzig als Baccalar immatrikulierten Johannes Trunczmann de Mergenow identisch sein, der ohne Herkunftsangabe bereits vorher 1406 bei den Artisten, 1407 bei den Juristen in Prag und Ostern 1409 in Erfurt eingeschrieben gewesen war. Nach 1409 muß M. den Magistergrad bei den Artisten erworben haben. Als er vom Kulmer Domkapitel bald nach dem Tod des Bischofs Arnold Stapel (31.5.1416) zum Nachfolger gewählt wurde, war er Deutschordensbruder und Dekan des Kapitels. Da es zu dieser Zeit während des Konstanzer Konzils keinen Papst gab, bestätigte der pomesan. Bischof Johannes Rymann im Auftrag des Rigaer Erzbischofs Johann v. Wallenrode und im Einverständnis mit dem Hochmeister am 16.9.1416 die Wahl, die Inthronisation erfolgte am 10.1.1417 in Kulmsee. Im folgenden Jahr wurde die Weihe durch Martin V. bestätigt.

    In den vier Jahrzehnten seiner Amtszeit stand M. stets in enger politischer Beziehung zu den Hochmeistern des Deutschen Ordens. Als der Rigaer Erzbischof Johannes Ambundii ein Provinzialkonzil plante, bat der Hochmeister wegen der Kriegsfolgen gerade im Bistum Kulm aus Kostengründen um einen Verzicht auf die preuß. Bischöfe. Er setzte sich auch nach dem Tode dieses Erzbischofs 1424 für M. als Nachfolger ein – allerdings ohne Erfolg. Das von Erzbischof Henning Scharpenberg schließlich 1428 in Riga durchgeführte Provinzialkonzil besuchten M. und seine preuß. Amtskollegen nicht, vielmehr fand 1427 für die preuß. Bistümer eine besondere Versammlung in Elbing statt. Dabei dürfte M. – als inzwischen dienstältester preuß. Bischof – die Eröffnungspredigt gehalten haben. Die hier vorgetragenen Ausführungen über die Reformbedürftigkeit der Zustände im Lande sind bald darauf in der bekannten „Ermahnung“ des Kartäusermönchs wiederverwendet worden. In den folgenden Jahren hatte er sich mit dem Problem des Hussitismus zu befassen, insbesondere weil die Dominikaner den Thorner Pfarrer und Deutschordensdiplomaten Andreas Pfaffendorf der Verbreitung hussitischer Lehren beschuldigten, doch war dies nicht zu erweisen.

    1430 sollte M. die geplante Königskrönung Witowts von Litauen vornehmen, doch wurde diese von Polen und der Kurie verhindert. Im Jahre 1438 führte M. in seiner Kathedrale eine Synode für sein Bistum durch, 1445 wurde eine Laiensynode geplant. Auch nach der Gründung des Preuß. Bundes von Städten und Ritterschaften blieb er auf der Seite des Ordens. Das führte um 1450 zu verstärkten Angriffen von Angehörigen der Kulmer Ritterschaft (Eidechsengesellschaft) auf Besitzrechte, die er – auch infolge seines hohen Alters – kaum behaupten konnte. Nach Ausbruch des Dreizehnjährigen Krieges zwischen Orden und Ständen zwangen ihn letztere zu größeren Darlehen, die Huldigung gegenüber der Krone Polen mußte er mit den anderen Bischöfen am 10.6.1454 in Elbing leisten. Ein Jahr vor seinem Tod wurde er zum Verlassen seiner Residenz Löbau genötigt, nachdem er sich schon seit längerem nicht mehr aktiv an der großen Politik hatte beteiligen können.

  • Literatur

    Scriptores rerum Prussicarum 3-5, 1866-74;
    C. P. Woelky, Der Kat. d. Bischöfe v. Culm, in: Zs. f. Gesch. u. Altertumskde. Ermlands 6, 1878, S. 406 f.;
    Acten d. Ständetage Preußens unter d. Herrschaft d. Dt. Ordens 1-4, 1878-84;
    Urkk.buch d. Bisthums Culm, 1885-87;
    O. Günther, Eine Predigt v. preuß. Provinzialkonzil 1427 u. d. „Ermahnung d. Carthäusers“, in: Zs. d. Westpreuß. Gesch.ver. 59, 1919, S. 69-111;
    B. Jähnig, Biographisches zu einigen preuß. Bischöfen u. Hochmeisterkaplänen, in: Btrr. z. Gesch. Westpreußens 11, 1989;
    Altpr. Biogr. I.

  • Autor/in

    Bernhart Jähnig
  • Empfohlene Zitierweise

    Jähnig, Bernhart, "Margenau, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 165 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137340869.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA