• Leben

    M. wirkte seit den 60er Jahren des 12. Jh. im Stift Reichersberg am Inn. Vermutlich ist er als Schüler Gerhochs von Reichersberg anzusehen, dessen kirchenpolitische und politische Vorstellungen sich in der Chronik des M. widerspiegeln; von den theologischen Auseinandersetzungen Gerhochs findet sich bei M. indessen nichts, er ist auch nicht der Verfasser der Gerhoch-Vita (1169). An die älteren Annalen Reichersbergs (Clm 1090) anknüpfend, auch unter Verwendung des verlorenen Codex, der bis 1624 in Reichersberg aufbewahrt wurde, schuf er für die Jahre 1167 bis 1195 die Reichersberger Chronik. Während sich M. zunächst auf seine verschiedenen Vorlagen stützt, bringt er ab 1171 selbständige Nachrichten. Gleichzeitig entspannt sich auch sein Verhältnis zu Kaiser Friedrich I., während vorher seine Haltung eindeutig gegen die weltliche Gewalt gerichtet war. Seine Quellen, mit deren Inhalt er seine Reichersberger Vorlagen erweitert, sind vielfältig; unter anderem können die Kirchengeschichte Bedas, die Vita Severins, die Vita Wolfgangs, die Vita Bonifaz' und die Chronik Ottos von Freising als Quellen M.s ausgemacht werden. Seine erste Chronik wurde von ihm selbst unter erneuter Erweiterung insbesondere für die ältesten Zeitabschnitte später noch einmal überarbeitet (Autograph im Grazer Landesarchiv erhalten). Sein Todesjahr ist in der älteren Fassung eingetragen, die nach 1195 weitergeführt wurde (bis 1279).

  • Werke

    Erstdruck: J. F. Böhmer, Fontes rerum Germanicarum III, 1854, S. 530-53 (nur d. J. 1084-1195); Chronica Collecta a Magno Presbitero, unter Verwendung aller Reichersberger Chroniktexte, hrsg. v. W. Wattenbach, in: MGH SS XVII, S. 476-534.

  • Literatur

    ADB 20; H. Fichtenau, Stud. zu Gerhoh v. Reichersberg, in: MIÖG 52, 1938, S. 44-56; P. Classen, Gerhoh v. Reichersberg, 1960, S. 12, 226, 305, 311 f., 406, 435; Manitius III, S. 565 f.; J. M. Moeglin, Les ancêtres du prince. Propaganda, politique et naissance d'une histoire nationale en Bavière au Moyen Age, 1985, S. 267, 272.

  • Autor

    Ludwig Holzfurtner
  • Empfohlene Zitierweise

    Holzfurtner, Ludwig, "Magnus von Reichersberg" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 671 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd100952739.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Magnus von Reichersberg, ein Priester in diesem unterhalb Obernberg am Inn gelegenen Chorherrenstift, 1195, hat, nachdem er die stürmische Zeit der Kirchenspaltung und nach dem Frieden von Venedig (1177) bessere Zeiten durchlebt, das Andenken derselben uns bewahrt durch seine Chronik. In verschiedener Gestaltung hat er die Geschichte der Vorzeit mit ziemlich großer Belesenheit zusammengestellt, anknüpfend an ein älteres bis 1167 reichendes Werk, in der einen Form auch eine Fülle von Urkunden seines Stifts vollständig aufgenommen; für uns ungleich wichtiger ist die Fortführung bis zum Jahre seines Todes, worin er vorzüglich von dem Propst Gerhoh (s. Bd. VIII S. 783) und den Schicksalen des Salzburger Sprengels berichtet, ein eifriger Anhänger Alexanders III., doch ohne Bitterkeit gegen den Kaiser, und nach dem Frieden voll Verehrung desselben. Nachdem Gewold schon 1611 nach einer jetzt vermißten Handschrift die Chronik mit den Urkunden herausgegeben hatte, ist durch die Auffindung anderer Versionen in einer Handschrift in Graz das Werk genauer bekannt geworden; Boehmer gab daraus (Fontt. t. III) das Stück von 1084 bis 1195 zuerst unter Magnus' Namen und Wattenbach (Mon. Germ. SS. XVII) eine vollständige kritische Ausgabe, mit einer Fortsetzung bis 1279.

  • Autor

    Wattenbach.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wattenbach, Wilhelm, "Magnus von Reichersberg" in: Allgemeine Deutsche Biographie 20 (1884), S. 75 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd100952739.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA