Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Burggrafen von Magdeburg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 139774920 | OGND | VIAF: 102623294
Namensvarianten
  • Maidburg (seit circa 1300)
  • Maidburg-Hardegg, Burggrafen von
  • Hardegg, Burggrafen von
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Zitierweise

Magdeburg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139774920.html [16.05.2021].

CC0

  • Leben

    Wie in anderen deutschen Bischofsstädten kommen auch in Magdeburg seit der Mitte des 10. Jh. Burggrafen (prefectus [urbis], castellanus, comes urbis, seit 1159 zunehmend burggravius) auf. Ihnen stand in erster Linie die militärische Befehlshaberschaft in der Bischofsstadt zu. Damit war aber in Magdeburg auch die Hochvogtei über das gesamte Erzstift verbunden. Deshalb umfaßte die Amtsgewalt des Burggrafen hier auch die hohe Gerichtsbarkeit und erstreckte sich auch auf die Salzsiederstadt Halle/Saale, die zweite größere Stadt des Erzbistums. Außerdem waren die Burggrafen Vögte über die Magdeburger Dompropstei, die Klöster und Stifte St. Nicolai und Unser Lieben Frauen (in Magdeburg), Berge vor Magdeburg, Gottesgnaden b. Calbe/Saale, St. Marien zum Neuen Werk und Marienkammer (vor Halle) sowie die späteren Familienklöster Marienzell b. Querfurt und Klosterrode b. Blankenheim. Infolge des Rechts der freien Vogtwahl besaßen die Erzbischöfe das Recht der Belehnung der Burggrafen, während die mehr formale Bannleihe Sache des Königs blieb.

    Die frühen Erzbischöfe haben das Burggrafenamt meist an Angehörige ihrer Familien gegeben. Als 1135 Graf Heinrich von Groitzsch, Markgraf der Niederlausitz und Burggraf von Magdeburg, starb, benutzte Erzbischof Konrad von Querfurt (1134–42) die günstige Gelegenheit und belehnte 1136 seinen Bruder Burchard I. ( 1162) mit dem Amt des Burggrafen. So gelangte diese Familie für bald 150 Jahre in den Besitz des Amtes und nannte sich nunmehr meist Burggrafen von M. Es handelte sich um eine alte Edlenfamilie, die mit Kaiser Lothar III. und anderen Herren des mitteldeutschen Hochadels verwandt war. Den Rang der jüngeren Reichsfürsten besaß sie aber anscheinend nicht, denn der Fürstentitel wurde von ihnen nicht geführt. Die Querfurter arbeiteten mit den großen Erzbischöfen ihrer Zeit (Wichmann von Seeburg [1152-92], Ludolf [1192–1205] und Albrecht II. von Käfernburg [1205-32]) gut zusammen. Wie diese waren sie treue und einsatzbereite Anhänger der Staufer, an deren Reichs- und Hoftagen sie zumeist ebenso beteiligt waren wie an deren Kreuzzügen und Italienzügen; außerdem dienten sie als kaiserl. Gesandte. Dies gilt in nahezu gleicher Weise für die Burggrafen Burchard I., Burchard II. ( 1178), Burchard III. ( 1190), Gebhard IV. ( um 1213), Burchard IV. ( 1217/18). Als Geistlicher war Konrad v. Querfurt ( 1202), Bruder von Burchard III. und Gebhard IV., kaiserl. Hofkanzler in Italien, Bischof von Hildesheim und später Bischof von Würzburg. Er spielte in der Politik Kaiser Heinrichs VI. eine bedeutende Rolle, trat nach dessen Tode auf die Seite Philipps von Schwaben, schwenkte dann aber als einziger seiner Familie in das antistaufische Lager über; 1202 fiel er einem Mordanschlag zum Opfer.

    Im beginnenden 13. Jh. spaltete sich wieder eine eigene Querfurter Linie von der der Burggrafen von M. ab. Durch Eheschließung Burchards ( 1254), Burggrafen v. Querfurt, mit der Erbtochter der älteren Grafen von Mansfeld entstand ferner mit Burchard III. ( 1253), Gf. v. Mansfeld, eine jüngere Mansfelder Linie, zu der eine weitere Linie Schraplau gehörte. Die eigentliche burggräfliche Linie geriet in der Mitte des 13. Jh. in finanzielle Schwierigkeiten, wohl weil der Reichsdienst und die Teilnahme an den Kreuzzügen und Heerfahrten sowie am Feldzug des Deutschen Ordens gegen die heidnischen Pruszen 1233 ihre finanzielle Lage überfordert hatte. Nach zahlreichen Einzelverkäufen von Gütern mußte daher das Burggrafenamt 1269 an die verwandten Herzöge von Sachsen-Wittenberg veräußert werden. Obwohl damit noch nicht der ganze Güterbesitz in Mitteldeutschland verloren war, und obwohl auch gelegentlich Versuche zum Rückerwerb des Burggrafenamtes unternommen wurden, bahnte sich eine vollständige Verlagerung des Schwerpunktes der Familie in den österr.-böhm. Grenzraum an. Hier hatte nämlich Gisela von Wiehe-Rabinswald aus dem Hause Käfernburg, Mutter Burggf. Burchards VIII. ( 1313) als Erbin ihrer kinderlosen Brüder die von diesen erheiratete Grafschaft Hardegg-Retz nahe der böhm. Grenze geerbt. Daher erscheint bereits 1287/88 ein nicht genauer einzuordnender Burggraf Burchard als capitaneus von Weitra in Niederösterreich im Dienste des dortigen Hzg. Albrecht. Dieser Burchard oder ein naher Verwandter gleichen Vornamens trat in die Dienste des Königs von Böhmen und war 1299-1312 dessen Statthalter in der Markgrafschaft Meißen und im Pleißnerland. Die sich seither Burggrafen von Maidburg, meist mit dem Zusatz Hardegg oder Retz, nennenden Mitglieder|des Hauses traten in eheliche Verbindungen mit den Herzögen von Österreich, den Herzögen von Sachsen-Wittenberg, den Grafen von Anhalt, den Piasten und Przemesliden, den Grafen von Hohenlohe und zahlreichen anderen Familien des Hochadels in ihrem nunmehrigen Lebensraum. Infolgedessen gehörten sie zu den bedeutendsten Familien in Böhmen und Österreich. So war Burchard (II. neuer Zählung, 1368) Hofmeister und später Kanzler Kaiser Karls IV. Er wirkte beim Erlaß der Goldenen Bulle von 1356 ebenso mit wie bei den Italienzügen des Herrschers. Außerdem diente er als Gesandter bei der Kurie und war 1355-57 und 1359-63 neben seiner sonstigen Tätigkeit Reichslandvogt im Elsaß. Burggraf Johann ( 1394), mit einer Tochter Hzg. Rudolfs I. von Sachsen verheiratet, war gleichfalls Hofrichter und Hofmeister. Er hat anscheinend als Unterhändler beim Abschluß einer Erbeinigung zwischen Luxemburgern und Habsburgern 1364 und beim Erwerb der Mark Brandenburg durch Karl IV. mitgewirkt. Auch den kaiserl. Schwiegersohn, Hzg. Rudolf IV. von Österreich, scheint er beraten zu haben. Anscheinend haben sich durch diese Tätigkeiten erhebliche Schulden der nunmehrigen Burggrafen von Maidburg-Hardegg angehäuft. Deshalb mußten sie gegen deren Übernahme den Herzögen von Österreich versprechen, diesen im Falle des Aussterbens ihren Besitz erblich zu hinterlassen. Der Letzte der Familie, der 1483 kinderlos verstorbene Burggraf Michael (ca. 1420–83) war 1451-54 Hofrichter Kaiser Friedrich III. Er nahm 1452 am Romzug des Herrschers und dessen Kaiserkrönung teil. Bei dessen Eheschließung mit Eleonore von Portugal wirkte er als Träger des Reichsbanners mit. – Die Hardeggschen Güter kamen später durch Verkauf an die Prueschenk, wodurch eine neue Familie der Grafen von Hardegg in Österreich entstand, die aber mit der früheren nur den Namen gemein hat.

  • Literatur

    S. Rietschel, Das Burggrafenamt u. d. hohe Gerichtsbarkeit in d. dt. Bischofsstädten, 1905;
    W. v. Brünneck, Das Burggrafentum u. d. Schultheißenamt in Magdeburg u. Halle, 1908;
    R. Schranil, Stadtvfg. n. Magdeburger Recht, Magdeburg u. Halle, 1915;
    H. Holstein, Die Burggrafen v. M. aus d. Hause d. Edlen Herren v. Querfurt, in: Gesch.bll. f. Stadt u. Land Magdeburg 6, 1871, S. 33 ff.;
    ders., Btrr. z. Geneal. d. Dynasten v. Querfurt, in: Zs. d. Harzver. f. Gesch. u. Altertumskde. 7, 1874, S. 131 ff.;
    A. Berg, Die Herren v. Querfurt, in: Archiv f. Sippenforschung 15, 1938, S. 297 ff.;
    H. Lötzke, Die Burggrafen v. M. aus d. Querfurter Hause, Diss. Greifswald 1950 (L, ungedr.;
    Ex. im Hist. Seminar d. Univ. Marburg);
    Isenburg III.

  • Autor/in

    Berent Schwineköper
  • Empfohlene Zitierweise

    Schwineköper, Berent, "Magdeburg" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 649 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139774920.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA