Lebensdaten
1700 bis 1770
Geburtsort
Frankfurt am Main
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Schriftgießereibesitzer ; Jurist
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 102902542 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Luther, Heinrich Ehrenfried
  • Luther, Heinrich E.

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der GND - familiäre Beziehungen
Personen in der GND - Bekannte und Freunde

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Luther, Heinrich Ehrenfried, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102902542.html [19.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Nikolaus (1664–1740), Advokat u. Schriftgießereibes. in F., S d. Druckers u. Schriftgießers Joh. Erasmus (1642–83) u. d. Anna Catharina Hoffmann;
    M Anna Margarete (1677–1705), T d. Gasthalters Daniel Gottfried Starck u. d. Anna Clara Hildebrand;
    1731 Anna Margarete (1711–53), T d. Handelsmannes Joh. Michael Walther u. d. Anna Clara Rauenburger;
    5 S, 9 T, u. a. Joh. Nikolaus (1732–1805), Dr. iur., Landamtmann u. Ratsherr in F., Schriftgießereibesitzer.

  • Leben

    Einzelheiten über den Bildungsgang L.s sind – außer seiner Promotion zum Dr. iur. – nicht überliefert. Bei seiner Eheschließung (1731) war er bereits in seiner Vaterstadt zur Advokatur zugelassen, die er als Hauptberuf bis zu seinem Tode ausübte. 1732 bestellte ihn der Herzog von Württemberg zu seinem Rat und Residenten in Frankfurt und verlieh ihm 1734 den Titel eines Hofrats. Als L. 1740 auf dem Erbweg die Schriftgießerei zufiel, war dieses Unternehmen, das u. a. die Druckerei Elzevier in Amsterdam belieferte, in ganz Westeuropa bekannt. Schon vor dem Tode von L.s Vater bahnten sich Geschäftsbeziehungen zu dem Drucker Christoph Sau(e)r in Germantown b. Philadelphia an. Dieser stellte mit Typen aus der L.schen Gießerei die erste deutschsprachige Zeitung in Nordamerika her. 1740 schenkte L. Sauer sechs Zentner Typen, mit denen dieser während der nächsten drei Jahre einen Nachdruck der Cansteinschen Lutherbibel herstellte. Dies war der erste Bibeldruck überhaupt in Nordamerika. Belegstücke kamen erst 1747 in L.s Hände. Inzwischen hatte ein anderer amerikanischer Drucker, Joseph Crell aus Massachusetts, Verbindung mit L. aufgenommen und kam 1750 nach Frankfurt, um von hier aus Siedler anzuwerben. L. unterstützte Crells Tätigkeit zunächst nachhaltig, doch bald geriet sein Gast mit anderen Agenten, die von der brit. Regierung besser legitimiert waren, in Auseinandersetzungen. L. verfolgte die gute Absicht, die Auswanderer vor der damals üblichen Ausbeutung durch holländ. Reeder zu bewahren; diese waren als „Seelenverkäufer“ verschrieen, weil sie die ärmeren Passagiere in den amerikan. Kolonien als Arbeitskräfte versteigerten und sich so die Bezahlung der Überfahrt sicherten. Diese Praktiken wollte L. unterbinden und verhandelte darüber mit dem Vizegouverneur in Philadelphia. Seine Vorschläge und ein von ihm aufgebautes System von Unteragenten fanden jedoch dort keine Gegenliebe. Er selbst erlitt bei seinen Bemühungen erhebliche finanzielle Einbußen. 1752 trennte sich L. von Crell, der Geschäfte auf eigene Rechnung betrieben hatte, und erreichte durch Eingaben an den Vizegouverneur, daß ihm das Handwerk gelegt wurde. Den Vorschlag amerikan. Privatleute, selbst als Werber aufzutreten, lehnte er ab. Ihm lag jedes Geschäft mit der Auswanderung fern. Enttäuscht gab er schließlich diese Tätigkeit auf. 1764 lernte L. Benjamin Franklin kennen, der 1768 sein Gast in Frankfurt war. Gemeinsame Beziehungen zur Freimaurerei ließen die beiden zu Freunden werden. – Die Schriftgießerei, die unter der Leitung L.s noch einmal aufgeblüht war, wurde nach dessen Tod von seinem ältesten Sohn Joh. Nikolaus fortgeführt, der sich jedoch 1780 von ihr trennte. 1810 wurde das traditionsreiche Unternehmen eingestellt.

  • Literatur

    A. Dietz, Frankfurter Handelsgesch. III, 1921, S. 105 ff.;
    M. Sondheim, Ges. Schrr., 1927, S. 212-14;
    G. Mori, Die Egenolff-Luthersche Schriftgießerei in Frankfurt am Main, Festgabe d. D. Stempel AG, 1929;
    H. Gerber, 100 J. Amerikan. Generalkonsulat in Frankfurt am Main 1829-1929, 1929;
    ders., in: Alt-Frankfurt 2. Jg., 1929, S. 61-66;
    J. Hesdörfer, ebd., S. 66 f.

  • Portraits

    Porträt v. H. Kramer (verschollen), in d. L mehrfach abgebildet.

  • Autor/in

    Franz Lerner
  • Empfohlene Zitierweise

    Lerner, Franz, "Luther, Heinrich Ehrenfried" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 547 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102902542.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA