Lebensdaten
1410 oder 1412 bis nach 1476
Geburtsort
Unterkirchberg Kreis Laupheim (Württemberg)
Sterbeort
Dillingen
Beruf/Funktion
katholischer Theologe ; Humanist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 104118997 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lür, Heinrich
  • Luer, Heinrich
  • Laur, Heinrich
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Zitierweise

Lur, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd104118997.html [22.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus Bauernfamilie.

  • Leben

    L. nahm 1428 mit der finanziellen Unterstützung des Benediktinerklosters Wiblingen das Studium an der Univ. Leipzig auf, wo er Magister Artium wurde; er war dort 1436/37 Rektor und 1438/39 Dekan und Vizekanzler der Artistenfakultät. Wohl Anfang der 40er Jahre ging er nach Padua, um weltliches und kirchliches Recht zu studieren; er erwarb dort den Grad des „in decretis licentiatus“ („juris pontificii licentiatus“) und wurde vermutlich am selben Ort „sacrae theologiae baccalaureus“. In Padua schloß er auch enge Freundschaft mit dem späteren Augsburger Domdekan Leonhard Gessel ( 1465). Seit 1446 war L. Pönitentiar des Trienter Bischofs Georg II. Hacke und übte bis 1454 ein Kanonikat aus. In dieser Zeit wurde er mit dem Augsburger Kardinalbischof Peter v. Schaumberg bekannt, der ihn 1451 zu seinem Sekretär berief. Aber schon 1453 übernahm er eine Pfarrstelle in Dillingen. Hier nahm L.s Leben nach seinem eigenem Verständnis seine entscheidende Wende: War er bis dahin ein Pfründenjäger und begeisterter Anhänger des frühhumanistisch-schwülstigen Lateins, so führte er jetzt das Leben eines Mönches, ohne in einem Kloster zu leben, und näherte sich stark der Tradition der mystischen Theologie, der devotio moderna. Im Auftrag des Augsburger Bischofs Johannes v. Werdenberg visitierte L. eine Reihe von Klöstern; er kritisierte deren moralischen Verfall und – in einem Brief an seinen Freund, den Augsburger Abt Melchior v. Stammheim von St. Ulrich – deren übertriebene Bautätigkeit. Er empfahl, allerdings erfolglos, das Universitätsstudium für die Mönche, wenn nötig auf Ordenshochschulen. Die Art seiner Kritik und seiner Reformvorschläge ist für das 15. Jh. typisch: L. wendet sich gegen die Verweltlichung des Klerus, vor allem der Prälaten, und die moralische Disziplinlosigkeit der Ordensleute, ohne jedoch im mindesten antikirchlich zu sein; die Erneuerung kann für ihn nur aus einer in der Innerlichkeit gründenden Demuts- und Passionsspiritualität kommen. 1475 betrieb L. die Nachfolge seines Neffen Johannes Lur auf seiner Pfarrstelle. Seit 1476 bleibt er ohne dokumentarische Erwähnung.

  • Werke

    Ungedr.: De modo audiendi confessiones et forma absolutionis necnon de infirmorum expeditione ac casibus reservatis (um 1450;
    Kapitelsbibl. Trient, Cod. Ms. 15;
    Univ.bibl. München Ms. 29);
    Exhortacio brevis facta per magistrum Henricum Lür de Kirchperg ad clericum ecclesie Augustensis (6.4.1452;
    Clm 7491, 257r-262r);
    Passio domini nostri Jesu Christi secundum ordinem quattuor evangelistarum collecta (1465;
    als Abschr. erhalten, in: Maihinger Sammelbd. II Lat. 1 fol. 82, 164r-198v). -
    Gedruckt: Epistola pro gimnasioli erectione (14.7.1473;
    aus Cod. Mellicensis 1973, K 56), hrsg. v. B. Pez, in: Thesaurus anecdotorum novissimus 5, 3, 1729, S. 404-10;
    dass, (aus Clm 4396), hrsg. v. P. Braun, in: Notitia 5, S. 160-65;
    Briefwechsel mit Hermann Schedel, hrsg. v. P. Joachimsohn, in: Bibl. d. Litterar. Ver. Stuttgart 196, 1893;
    Gedächtnisrede f. d. Augsburger Kardinalbischof Petrus v. Schauenberg (gehalten am 17.4.1469 in Dillingen), hrsg. v. M. König, in: Jb. d. hist. Ver. Dillingen 9, 1896, S. 107-26.

  • Literatur

    F. Zoepfl, H. L., in: HJb. 59, 1939, S. 143-59 (W-Verz.);
    ders., Das Bistum Augsburg u. s. Bischöfe im MA, 1955;
    H. Tüchle, KG Schwabens, 1954.

  • Autor/in

    Rolf Schönberger
  • Empfohlene Zitierweise

    Schönberger, Rolf, "Lur, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 527 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104118997.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA