Lebensdaten
1727 - 1788
Geburtsort
Hochaltingen
Sterbeort
Freising
Beruf/Funktion
Bischof von Freising
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119229625 | OGND | VIAF: 89760691
Namensvarianten
  • Welden, Ludwig Josef Freiherr von
  • Ludwig Josef von Welden
  • Welden, Ludwig Josef Freiherr von
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Ludwig Josef von Welden, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119229625.html [18.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    Aus reichsritterschaftl. Familie, deren Senior d. Erbschenkenamt d. Bistums Augsburg bekleidete u. deren Söhne seit langem in d. Domkapiteln v. Augsburg, Eichstätt, Freising u. Würzburg saßen.
    V Joh. Alexander ( 1747), auf H. u. Laupheim, Deputierter d. Reichsritterschaft in Schwaben, Kanton Kocher, eichstätt. GR u. Oberamtmann v. Wahrberg u. Herrieden, kaiserl. Rat, kurpfälz. Kämmerer, S d. Johann Franz ( 1702) u. d. Anna Franziska Speth v. Zwiefalten;
    M Maria Franziska ( 1736), T d. Joh. Willibald Gf. Schenk zu Castell u. d. Maria Johanna Karoline Freiin Ulm zu Erbach;
    Groß-Om Joh. Euchar Gf. Schenk zu Castell (1625–97), Bischof v. Eichstätt;
    Ov Joh. Ludwig Joseph (1669–1748), Domdekan in Eichstätt, Domscholaster, geistl. Ratspräs. u. Generalvikar in F., Stiftskapitular in Ellwangen; Groß-N 2. Grades Konstantin Ludwig (1771–1842), Präs. d. Oberappellationsgerichts in München (s. Schärl), Franz Ludwig (1782–1853), k. k. Gen.feldzeugmeister u. Gouverneur v. Wien (s. ADB 41; Wurzbach 54).

  • Leben

    L. erhielt nach Studien bei den Jesuiten in Eichstätt, wo sein Onkel Johann Ludwig Josef Domdekan war, und Dillingen 1744 die Tonsur und wurde 1745 Domizellar in Freising, 1750 als Zögling des Germanicums in Rom Priester, 1756 Domkapitular in Freising und als solcher Generalvikar und Präsident des Geistlichen Rats, 1761 Propst von St. Zeno in Isen und 1768 Dompropst. Nachdem der von ihm bekämpfte Clemens Wenzeslaus von Sachsen im selben Jahr Bischof von Augsburg geworden war und Freising hatte abgeben müssen, wählte das Kapitel L. unter dem Einfluß Kurbayerns schließlich am 23.1.1769 einstimmig zum Bischof, was spätere heftige Streitigkeiten zwischen Bischof und Kapitel nicht hinderte. Die Bestätigung durch Papst Klemens XIV. erfolgte im Juni, die Bischofsweihe im Dom zu Freising im September. 1772 feierte L. das 1500jährige St. Maximiliansjubiläum, wozu die Chorsüdwand des Doms neu gestaltet wurde. 1775 gründete er in Maria Dorfen ein Priesterseminar. 1776 ließ er die Reliquien der Heiligen Marinus und Anianus von Wilparting am Irschenberg in Freising auf ihre Echtheit überprüfen. 1783 wurde durch die Bemühungen von Sebastian Mutschelle und des Hofkanzlers Johann Martin v. Degen in Freising eine Normalschule eröffnet und Franz Borgias Baumhackl zum Rektor bestellt.

    Ein konservativ-frommer Geistlicher, der für Marienverehrung und Rosenkranzgebet eintrat, vollzog L., seit 1776 ohne Weihbischof (Ernst Gf. v. Herberstein war als passau. Offizial und Generalvikar für Niederösterreich nach Wien gegangen und wurde später erster Bischof von Linz), gerne die Pontifikalien selbst. Als am unmittelbarsten betroffener Diözesanbischof wehrte er sich heftig gegen die staatskirchlichen Bestrebungen Kurbayerns. Er war einer der Initiatoren des Salzburger Kongresses von 1770/71 zu gemeinsamer Abwehr der Eingriffe der Regierung Max' III. Joseph (Peter v. Osterwald!)|in die Gerechtsame des bayer. Episkopats – auf dem Kongreß vertrat ihn sein Geistlicher Ratsdirektor Erdmann Indobler. Im Nuntiaturstreit nahm L. auch Partei gegen die nunmehr im Bund mit Rom operierende Staatskirchenpolitik Kf. Karl Theodors. Dabei akzeptierte er sogar die aus den Auseinandersetzungen um die Münchener Nuntiatur resultierende, jedoch von den meisten Suffraganen abgelehnte oder doch argwöhnisch beobachtete Metropolitenpolitik des durchaus aufklärerischen, aber mit ihm befreundeten und immer wieder um Rat und Hilfe angegangenen Salzburger Erzbischofs Hieronymus Gf. Colloredo im Verein mit Friedrich Karl v. Erthal in Mainz, Max Franz in Köln und Clemens Wenzeslaus in Trier (Emser Kongreß 1786). Die Gegenvorstellungen des Speyrer Bischofs August v. Limburg-Stirum wies er „mannhaft und schlagend“ (Endres) zurück. Trotzdem mußte er nicht nur die neue Nuntiatur, sondern auch die Verwendung des bayer. Jesuitenvermögens für Karl Theodors Gründung einer bayer. Zunge des Malteserordens, die Aufhebung des Augustinerchorherrenstifts Indersdorf zur Dotierung des zum Quasi-Domkapitel aufgewerteten Münchener Liebfrauenstifts und die ohne sein Einverständnis erfolgte Weihe von dessen Vizepropst Kasimir Häffelin zum Titularbischof sowie die Verschärfung der päpstl. Dezimation des bayer. Klerus zugunsten der kurfürstl. Regierung hinnehmen. Gleichzeitig beschnitten die Reformen Kaiser Josephs II. die geistlichen und weltlichen Rechte Freisings in den Erblanden. Der Freisinger Hof am Graben in Wien war schon 1773 zwangsversteigert und von Maria Theresias Hofbuchhändler Johann Thomas v. Trattner erworben worden, und seit 1777/78 stand das hochverschuldete Bistum gewissermaßen unter Reichssequester. Nach L.s Tod, dem Jahre der Krankheit und Melancholie vorausgegangen waren, wußte Pfalzbayern mit Max Prokop Gf. v. Törring ( 1789) und Josef Konrad Frhr. v. Schroffenberg ( 1803) die Wahl willfährigerer Nachfolger durchzusetzen, um schließlich in der Säkularisation dem Freisinger Hochstift ein Ende zu machen und durch das Konkordat von 1817 die bayer. kath. Landeskirche mit München als Metropolitansitz und den kgl.-bayer. Episkopat zu verwirklichen.

  • Literatur

    Pragmat. u. Aktenmäsige Gesch. d. zu München neu errichteten Nuntiatur samt Beleuchtung d. Breve Pius VI. an d. Fürst Bischoffen zu Freysingen …, 1787;
    A. Baumgärtner, Meichelbeck's Gesch. d. Stadt Freising u. ihrer Bischöfe, 1854, S. 284-300;
    M. v. Deutinger, Zur Gesch. d. Schulwesens in d. Stadt Freising, in: Btrr. z. Gesch., Topogr. u. Statistik d. Erzbisthums München u. Freysing V, 1854, S. 209-568;
    J. Angermaier, Das Bistum Freising im Nuntiaturstreit, ebd. XIII, 1921, S. 169-207;
    M. Stiglohner, Die Errichtung d. päpstl. Nuntiatur in München u. d. Emser Congreß …, 1867;
    J. Kapfer, Die Reise d. Papstes Pius VI. nach Dtld. …, in: Mschr. d. Hist. Ver. v. Oberbayern 6, 1897, S. 90-103, 105-13, bes. 107 u. 111;
    A. Steinhuber, Gesch. d. Kollegium Germanikum Hungarikum in Rom II, 21906;
    F. Endres, Die Errichtung d. Münchener Nuntiatur u. d. Nuntiaturstreit b. z. Emser Kongreß, in: Btrr. z. bayer. KG 14, 1908, S. 197-243, 261-92 u. 15, 1909, S. 16-53;
    H. M. Stoeckle, Die kirchenrechtl. Vfg. d. Fürstbistums Freising unter d. drei letzten Fürstbischöfen 1769-1802, in: Btrr. z. altbayer. KG 14, 1929, S. 81-256;
    G. Pfeilschifter-Baumeister, Der Salzburger Kongreß u. s. Auswirkungen 1770-77 …, 1929;
    K. Habenschaden, Die Kirchenpol. Bayerns unter Kf. Karl Theodor u. ihr Verhältnis z. Emser Kongreß …, in: ZSRGK 28, 1939, S. 333-417 (L);
    E. Abele u. G. Lill, Der Dom zu Freising, 1951;
    K. Eubel, R. Ritzler u. P. Sefrin, Hierarchia Catholica Medii et Recentioris Aevi VI, 1958, S. 219;
    H. Raab, Clemens Wenzeslaus v. Sachsen u. s. Zeit (1739–1812), I, 1962 (L);
    R. Bauer, Kasimir v. Häffelin u. d. kurbayer. Landes- u. Hofbistumsbestrebungen zw. 1781 u. 1789, in: Zs. f. bayer. Landesgesch. 34, 1971, S. 733-67.

  • Portraits

    Ölgem. am Grabmal im Freisinger Dom, Abb. b. A. Alckens, Freising, Stadt- u. Dombergführer, 1961, Abb. 69;
    Kupf. v. J. M. Söckler u. J. K. Schleich.

  • Autor/in

    Peter Fuchs
  • Empfohlene Zitierweise

    Fuchs, Peter, "Ludwig Josef von Welden" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 386-387 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119229625.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA