• Leben

    A. verfaßte im vorgerückten Alter gegen Ende des 12. Jahrhunderts eine Dichtung „Tnugdalus“ (2192 Reimzeilen), in der er sich in Vers 2184 als Priester bezeichnet. Als Anreger nennt er namentlich drei Frauen, die als Klosterfrauen in Windberg bei Straubing nachzuweisen sind, sowie einen herren zu Winnebrg, bruoder kuonrad. Der Ausdruck herr weist auf einen adligen Kanoniker des Prämonstratenserstiftes Windberg, der 1200 als fr. Chuonradus de Windberg in Regensburg beurkundet und im (leider das Todesjahr nicht nennenden) Nekrolog von Windberg unter dem 14.1. als Chuonradus sac. fr. n. et can. verzeichnet ist. A. wird ebenfalls Chorherr gewesen und mit dem A.o sacerdos et canonicus noster des Windberger Nekrologs (26.5.) identisch sein; der Eintrag soll aus dem 12. Jahrhundert stammen. A.s Vorlage ist die lateinische „Visio Tnugdali“, die der Mönch Markus 1150-60 nach irischer Vorlage für das Nonnenkloster St. Paul in Regensburg verfaßte. Diese Geschichte von dem scheintoten Ritter, der unter Leitung eines Engels drei Tage lang alle Qualen der Hölle und alle Wonnen des Himmels erlebt und sich nach seinem Wiedererwachen bekehrt, ist eine Verchristlichung des altkeltischen Motivs der Jenseitsreise, das auch in einigen Arthusromanen noch anklingt. A. mildert die wilde Phantasie seiner Vorlage, kürzt oder erweitert sie, fügt auch die Patriciuslegende irischer Herkunft ein, in der ebenfalls ein Adliger die Qualen des Fegfeuers erleidet. Die Absicht, adlige Kreise|zur Buße zu mahnen, ist deutlich: auch dies spricht für die adlige Herkunft des Dichters. Charakteristisch für A.s geistiges Blickfeld ist es, daß sich nur Reminiszenzen an das Rolandslied und an Heinrich von Melk finden lassen.

  • Werke

    in: K. A. Hahn, Gedichte d. 12. u. 13. Jh.s, 1840, S. 41-66;
    A. Wagner, Visio Tnugdali, lat. u. altdt., 1882, S. 119 ff.

  • Literatur

    ADB I;
    R. Sprenger, A.s Tundalus, Diss. Halle 1875;
    Goedeke, I, 1884, S. 44;
    E. Schröder, A. v. Windberg, in: ZDA, 50.1908, S. 391 f.;
    ders., Collation u. Kritik V. A.s Tundalus, ebenda, 52, 1910, S. 190-92;
    ders., Die Überlieferung v. A.s Tundalus, ebenda, 72, 1935, S. 249-54;
    E. Peters, Qu. u. Charakter d. Paradiesesvorstellungen in d. dt. Dichtung v. 9.-12. Jh., 1915, S. 126-34;
    Ehrismann II, 1, 1927, S. 163 f.;
    L. L. Hammerich, in: Vf.-Lex. d. MA I, 1933, Sp. 24 f.

  • Autor/in

    Hellmut Rosenfeld
  • Empfohlene Zitierweise

    Rosenfeld, Hellmut, "Alber von Windberg" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 122-123 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118931954.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Alberus, ein baierischer Geistlicher des 12. Jahrhunderts, brachte auf Bitten eines Bruders Konrad von Winneberg die bald nach 1149 von einem irischen Mönche, Namens Marcus, im Nonnenkloster St. Paul zu Regensburg niedergeschriebene lateinische „Visio Tungdali“, welche erzählt, wie der irische Ritter Tungdalus drei Tage und drei Nächte lang in todesähnlicher Erstarrung liegt, während seine Seele unter Geleit eines Engels die Strafen der Verdammten in der Hölle und die Freuden der Seligen im Himmel schaut, in deutsche Reime. Das Gedicht kann nicht sehr viel später als das lateinische Original abgefaßt sein, es ist frisch und lebendig erzählt und enthält Stellen von bedeutender poetischer Schönheit.

    • Literatur

      Gedichte des 12. und 13. Jahrhunderts, herausgegeben von K. A. Hahn. Quedlinburg und Leipzig 1840. S. 41 ff. — Visio Tungdali edidit Oscar Schade. Halis 1869.

  • Autor/in

    Steinmeyer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Steinmeyer, Elias von, "Alber von Windberg" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 219 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118931954.html#adbcontent

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