Lebensdaten
1528 bis 1560
Geburtsort
Niederzell bei Schlüchtern (Hessen)
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
neulateinischer Dichter ; Humanist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118729195 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lotz, Peter
  • Lotichius, Petrus Secundus
  • Lotz, Peter
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Zitierweise

Lotichius, Petrus Secundus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118729195.html [23.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes Lotz ( 1547), Bauer in N., Pächter e. Laßgutes d. Klosters Schlüchtern, S d. Hen (Henrich), Bauer in N.;
    M Catharina ( 1554/60);
    Ov Petrus (1501–67), seit 1534 Abt d. Klosters Schlüchtern, dessen Reformator u. 1540 Gründer d humanist. Klosterschule (Gymnasium) (s. W, L);
    B Christian (1530/31-68), Rektor d. Klosterschule (Gymnasium) in Schlüchtern, 1563 Koadjutor d. Abtes Petrus Lotichius, Hrsg. d. Gesamtausg. d. „Poemata“ L.s nach d. Fassungen letzter Hand (1563) (s. W, L);
    Schw Elisabeth (1525–88, 1544 Siegfried Hettenus, 1524–88, Stadtpfarrer, später Abt zu Schlüchtern); - ledig;
    Groß-N Johannes Peter (1598–1609), Arzt, Historiker u. neulat. Dichter, Prof. d. Med. in Rinteln, Marburg u. Herborn, Leibarzt Kaiser Ferdinands III., kaiserl. Rat u. Hofhistoriograph (s. W, L).

  • Leben

    Nachdem L. seine erste Schulbildung in Schlüchtern unter der Obhut seines Onkels, des Klosterabts Petrus Lotichius, erhalten hatte, kam er 1537 auf das Gymnasium in Frankfurt a. M., wo der humanistische Gelehrte und neulat. Dichter Jacob Micyllus, dem er sich wesensverwandt fühlte und bei dem er auch wohnte, sein Lehrer wurde. Aus diesem Schülerverhältnis erwuchs eine lebenslange Freundschaft. Ostern 1544 begann L. sein Studium an der Artistenfakultät der Univ. Marburg, das er im folgenden Jahr zuerst in Leipzig bei Joachim Camerarius, danach in Wittenberg bei Philipp Melanchthon fortsetzte. Auch an diesen Orten gewann er seine beiden bedeutendsten Lehrer zu bleibenden Freunden. Seine poetische Begabung entfaltete sich in der Liebe zu einer Wittenberger Bürgerstochter, die er in seinen Gedichten Claudia nannte. Der Wittenberger Aufenthalt nahm durch den Ausbruch des Schmalkald. Krieges ein jähes Ende. L. begleitete im Nov. 1546 Melanchthon auf dessen Flucht nach Magdeburg und trat dann in das Heer des sächs. Kf. Johann Friedrich ein. Bald jedoch ergriff ihn heftiger Widerwille gegen den Kriegsdienst und die Roheit des Lagerlebens unter den Landsknechten. Er erkrankte, und ein schwermütiges Lebensgefühl, ausgelöst durch die Nachricht vom Tod seines Vaters, verstärkt durch|die Sehnsucht nach der Heimat, bemächtigte sich seiner. Diese Stimmung bildete fortan den Grundton seiner Lyrik und führte ihn zu der ihm gemäßesten dichterischen Aussageform, der klassischen lateinischen Elegie. Im Kriegsjahr 1547 entstanden die meisten Elegien seines ersten, 1551 in Paris veröffentlichten Gedichtbuches. Sie thematisierten, ohne auf die politischen und konfessionellen Ursachen des Krieges einzugehen, die ihn bedrängenden persönlichen Erfahrungen.

    Nach Kriegsende nahm L. das Studium in Wittenberg wieder auf und legte dort im Sommer 1549 die Magisterprüfung ab. Durch Vermittlung des Abt-Oheims in Schlüchtern und auf Empfehlung von Camerarius wählte der Würzburger Domherr Daniel v. Stiebar ihn zum Reisebegleiter seiner drei Neffen nach Frankreich. Im Frühjahr 1550 brachen sie von Frankfurt aus nach Paris auf. L. begann dort mit dem Studium der Medizin und der Naturwissenschaften. Ausflüge führten nach Rouen, Dieppe und an die Atlantikküste. Im folgenden Sommer wandten sie sich nach Südfrankreich, an die Loire, nach Lyon und rhoneabwärts über Avignon und Nîmes nach Montpellier, wo sie bis zum Herbst 1553 blieben; von dort aus unternahmen sie größere Fahrten, u. a. zu Schiff an der Küste entlang bis Gibraltar, zurück durch Spanien und über die Pyrenäen. L. setzte in Montpellier sein medizinisches Studium bei Guillaume Rondolet fort, der als Forscher und Universitätslehrer in hohem Ansehen stand. Unter den Naturwissenschaften widmete er sich besonders der Botanik. In Lyon ließ er 1553 seinen zweiten Gedichtband erscheinen. In dessen Mittelpunkt stehen Liebesgedichte der schmerzlichen Rückerinnerung und des Erwachens neuer Liebe. Petrarkistische und rhetorische Stilmittel verbinden sich hier in deskriptiven Episteln mit unmittelbarem Gefühlsausdruck; der Dichter trug die eigene Seelenstimmung in Naturbilder und Schilderungen der südfranzösischen Landschaft hinein. Die nicht genannte Geliebte hatte er im Hause Rondolets kennengelernt. Sie starb kurz nach der Verlobung, während L. in Avignon weilte. Erst in das dritte Buch der Elegien, dessen Druck J. Sambucus 1556 in Bologna für den erkrankten Dichter besorgte, wurde die ihr gewidmete, an Rondolet gerichtete Totenklage, das vielleicht ergreifendste Gedicht L.s, in überarbeiteter Gestalt aufgenommen.

    Bei der Rückreise durch die Schweiz besuchte L. in Baden (Aargau) den schwer erkrankten Daniel v. Stiebar, der ihm, zwei Freunden und den Neffen noch einen Studienaufenthalt in Italien ermöglichte, den sie im Herbst 1554 antraten. In Padua promovierte L. zum Dr. med. Vor der Pest flohen die Reisenden von dort nach Bologna. Auf dem Apennin begegnete L. im Sommer 1555 einem Hirtenmädchen, das sich seinen Werbungen jedoch durch den Eintritt ins Kloster entzog. Auch diese Liebe fand Eingang in seine Dichtung. Wie das zweite Buch der Elegien ein autobiographisches lyrisches Reisebuch aus Südfrankreich genannt werden kann, so das dritte ein italienisches. In Bologna wurde L. von einer schweren, lange anhaltenden Fieberkrankheit befallen, die seine Biographen wohl zu Unrecht auf Vergiftung durch ein verwechseltes Elixier zurückgeführt haben. Vermutlich handelte es sich um Malaria, die er sich schon in Montpellier zugezogen hatte. Die Fieberanfälle wiederholten sich in den folgenden Jahren immer häufiger, schwächten seine Widerstandskräfte und führten schließlich seinen frühen Tod herbei. L. mußte den Plan, Rom zu sehen, aufgeben und kehrte über Venedig, den Garda- und Comersee im Herbst 1556 nach Schlüchtern zurück. Wenig später erhielt er einen Ruf an die Univ. Heidelberg als Professor der Medizin und Botanik. Er trat sein Amt Ostern 1557 an und errang schnell einen ungewöhnlichen Lehrerfolg. In Heidelberg traf er wieder mit Micyllus zusammen, der dort klassische Philologie lehrte. Auch gelang es ihm, Melanchthon bei dem Wormser Religionsgespräch im Auftrag des Kf. Otto Heinrich zu einem Besuch in Heidelberg zu veranlassen, der einer Überarbeitung des Entwurfs für eine neue Universitätsverfassung galt. Seine letzten Lebensjahre waren von Krankheit und Todesahnung begleitet. Eine Berufung nach Marburg lehnte er ab. Die Gedichte der Heidelberger Zeit, vornehmlich Epithalamien (Hochzeitsgedichte) und Epicedien (Totenklagen) u. a. auf Micyllus und Melanchthon, erschienen erst postum in den Sammlungen der „Poemata“ 1561 und 1563.

    Neben den umfangreichen Elegien schrieb L. auch kleinere Gedichte („Carmina“), vorwiegend idyllischen oder „empfindsam“ epigrammatischen Charakters, in Distichen und Hendecasyllaben, sowie Eclogen. Die untrennbare Einheit von persönlichem Schicksal und dichterischer Produktivität kennzeichnet sein gesamtes Werk, das, abgesehen von einem Prosabericht über die Ermordung des Würzburger Bischofs Melchior v. Zobel, ausschließlich der lyrischen Gattung angehört. Trotz ihres individuellen Gehalts erhob L.s Poesie jedoch keinen Anspruch auf subjektive Originalität, vielmehr setzte er|sich in seiner gesamten Diktion, bis hin zu wörtlichen Übernahmen, die imitatio der röm. Elegiker Tibull, Properz, Ovid („Tristien“, „Epistolae ex Ponto“) und Catulls zum Ziel. Auch den ital. Neulateinern zeigte er sich verpflichtet. L. bewies in dem adäquaten und sparsamen Gebrauch des Vorgeformten hohe künstlerische Sensibilität. Ihn leitete das Bestreben, den eigenen Erfahrungen und Seelenstimmungen durch objektivierende Formgebung Allgemeingültigkeit zu verleihen. Schon den Zeitgenossen galt er als der hervorragendste neulat. Dichter Deutschlands. Geschichtliche Berühmtheit erlangte die um 1551 in Frankreich unter dem Eindruck der Nachrichten von der Belagerung Magdeburgs durch Moritz von Sachsen entstandene Elegie „De obsidione urbis Magdeburgensis“. Das 17. Jh. glaubte in ihrer Traumvision und Traumdeutung eine seherische Vorwegnahme des Schicksals zu erkennen, das der Stadt im Mai 1631 bei ihrer Eroberung durch die Kaiserlichen unter Tilly widerfuhr. In Flugblättern und Einzeldrucken wurden deutsche Übersetzungen dieser Elegie verbreitet, darunter die Martin Opitz zugeschriebene „Poetische Propheceyung Petri Lotichii Secundi“ in Alexandrinern. Auch im 18. und 19. Jh. geriet L. niemals in völlige Vergessenheit. Herder übertrug L.s Grabschrift für Ulrich v. Hutten und stellte sie an das Ende seines Hutten-Aufsatzes. 1754 erschien in Amsterdam eine umfassende, von Petrus Burmannus veranstaltete Gesamtausgabe, deren Ersetzung durch eine moderne historisch-kritische Edition sich jetzt in Vorbereitung befindet.

  • Werke

    Poemata P. L. S. Solitariensis, o. J. (1563) (sog. Vulgata);
    J. Gruter, Delitiae Poetarum Germanorum huius superiorisque aevi illustrium, 1612, T. 3, S. 1297-1489;
    Poemata Omnia, quotquot reperiri potuerunt, editis auctiora et longe emendatiora… recensuit, Notis et Praefatione instruxit Petrus Burmannus Secundus, I/II, 1754 [sog. Burmanniana];
    Poemata quae exstant omnia, selectis Petri Burmanni, Secundi Hoogstratani et Ch. Fr. Quellii notis illustrata, rec… C. T. Kretzschmar, 1773;
    Poemata omnia, hrsg. v. F. T. Friedemann, 1840. -
    Ausw.: Dt. [lat.] Lyriker d. 16. Jh., ausgew. u. hrsg. v. G. Ellinger, 1893;
    Gedichte d. Humanisten P. L. S., ausgew. v. C. Heiler, 1926 (P);
    K. A. O'Rourke-Fraiman, P. L. S., Elegiarum liber primus, ed. with an Introduction, Translation and Commentary, Diss. Columbia University/New York 1973. -
    Überss.: Des P. L. S. Elegieen, aus d. Lat. übers. v. E. G. Köstlin, hrsg. v. F. Blume, 1826;
    A. Ebrard, 1883 (s. L);
    A. Englert, in: Unsere Heimat (s. L), 20, 1928;
    Lat. Gedichte dt. Humanisten, ausgew., übers. u. erl. v. H. C. Schnur, 1966, S. 252-79 (lat./dt.);
    Dt. Lit. d. 16. Jh., hrsg. V. A. Elschenbroich, 1981, S. 264-87, 1136-42 (lat./dt.). -
    Zu Ov Petrus: Opuscula P. L. Abbatis, ed. J. P. Lotichius, 1640;
    - zu B Christian: Poemata, ed. J. P. Lotichius, 1641;
    - zu Groß-N Johannes Peter: Imperatorum Romanorum a C. Julio Caesare usque ad Ferdinandum II. vita, 1623;
    Holofernes sive universa historia sacra Holofernis et Judithae, Accessit ejusdem Authoris Studiosus Miles sive Dialogus, elegiaco carmine proponens, quamobrem h. t. Studiosi relictis Musis militare cogantur, 1625;
    Bibl. poetica, T. 1-4, 1625-28 (P in T. 3);
    Petronii Satyricon, 1629;
    Gynaicologia i. e. de nobilitate et perfectione sexus feminei, 1630, dt. v. J. Tack, Ausführl. Diskurs v. Perfection u. Fürtrefflichkeit d. löbl. Frauenzimmers, 1645;
    Super poetis latinis nov-antiquis censura, 1645;
    Rerum germanicorum sub Matthia, Ferdinandis II. et III. impp. ab anno 1617-43, 2 Bde., 1646/50 (P: Stich v. S. Furck n. Gem. v. D. Heinsius, 1635, Abb. in: Heimpel, Stammbuch);
    Theatri europaei 5. T. (1643–47), 1647.

  • Literatur

    ADB 19;
    O. Müller, Der Professor v. Heidelberg, Ein dt. Dichterleben a. d. 16. Jh., 1870, 21881 (Roman, P);
    A. Ebrard, Peter Lotich d. J., Sein Leben u. e. Ausw. s. Gedichte, metrisch ins Dt. übertragen, 1883;
    A. Schroeter, Btrr. z. Gesch. d. neulat. Poesie Dtld.s u. Hollands, 1909, S. 36-128;
    G. Ellinger, Gesch. d. neulat. Lit. Dtld.s im 16. Jh., Bd. 2: Die neulat. Lyrik Dtld.s in d. 1. Hälfte d. 16. Jh., 1929, S. 334 ff.;
    ders., Zu P. L. S., in: Zs. f. dt. Philol. 63, 1938, S. 251 ff.;
    A. Heimpel, Stammbuch d. Lotichier aus Schlüchtern, 1902, Nachtrag 1911 (auch f. Fam.);
    ders., Zum Gedächtnis d. Humanisten P. L. S., in: Hanau. Mgz. 7, 1928, Nr. 11 (L.-Gedächtnis-Nr.), S. 81 ff.;
    ders., Qu. u. Verzz. z. Leben u. z. d. Werken v. P. L. S., in: Unsere Heimat, Mitt. d. Heimatbundes f. Heimatschutz u. Heimatpflege im Kr. Schlüchtern 20-24, 1928-32;
    ders., Das Neueste v. d. L.-Forschung, ebd.;
    ders., Die letzten Lebensj. d. P. L. S., in: ebd.;
    B. Coppel, Marginalien z. dichter. Berührungspunkten zw. P. L. S. u. C. V. Catullus, in: Proceedings of the First International Congress of Neo-Latin Studies Louvain, 1973, S. 159-70;
    ders., Ber. üb. Vorarbeiten z. e. neuen L.-Edition, in: Daphnis 7, 1978, S. 55-106 (auch f. B Christian);
    J. Dünninger, in: Fränk. Lb. V, 1973, S. 135-48 (L, P);
    W. Ludwig, P. L. S. and the Roman Elegists, Prolegomena to a Study of Neo-Latin Elegy, in: R. R. Bolgar (ed.), Classical Influences on European Culture A. D. 1500-1700, 1976, S. 171-90;
    P. L. Schmidt, „unde utriusque poetae elegans artificium admirari licebit“, Zur Ovid-Rezeption des P. L. S., in: Der altsprachl. Unterricht 23, 1980, H. 6, S. 54-71;
    E. Schäfer, Zw. dt. Volkslied u. röm. Elegie, Imitatio u. Selbstfindung in L.s „De puella infelici“, in: Gedichte u. Interpretationen, I: Renaissance u. Barock, hrsg. v. V. Meid, 1982, S. 94-110;
    St. Zon, P. L. S.: Neo-Latin Poet, 1983;
    W. Kühlmann, Das Za. d. Humanismus u. d. Ref., in: Gesch. d. dt. Lyrik v. MA bis z. Gegenwart, hrsg. v. W. Hinderer, 1983, S. 59 f.;
    Goedeke II;
    RL 1II, § 7; 2
    II, S. 629 f. - Zu Ov Petrus:
    J. Rullmann, in: Zs. d. Ver. f. hess. Gesch. u. Landeskde. NF 3, 4, 6 u. 7, …;
    A. Kaspar, Reform u. Reformation in Schlüchtern unter Abt P. L. (1534-67), in: Würzburger Diözesangesch.bll. 26, 1964;
    - zu Groß-N Johannes Peter:
    ADB 19;
    A. Heimpel, Stammbuch VI. (s. o.);
    B. Coppel, Bericht (s. o.), S. 55 ff.;
    |Frankfurter Bll. f. Fam.gesch. 1, 1908, S. 81 f. (W);
    Goedeke II, S. 88, 119.

  • Portraits

    Kupf. v. M. Merian d. Ä., 1626, n. Gem. v. 1549 (Frankfurt/M., Staedelsches Kunstinst.), Abb. in: Fränk. Lb. V, 1973;
    Kupf. v. J. Houbraken nach d. Merian-Stich, 1754, Abb. in: Poemata Omnia I, 1754.

  • Autor/in

    Adalbert Elschenbroich
  • Empfohlene Zitierweise

    Elschenbroich, Adalbert, "Lotichius, Petrus Secundus" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 238-241 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118729195.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lotichius: Petrus Secundus L., Humanist, als lateinischer Elegiendichter berühmt, geb. den 2. November 1528 in Niederzell bei Schlüchtern, 1560 in Heidelberg, ein Sohn des Johann Lotich, eines Bruders des oben genannten Abtes. Mit seinem Bruder Christian, der ebenfalls eine dichterische Ader hatte und frühe als Diacon in Schlüchtern starb, von ihrem Oheim in|dessen Klosterschule vorgebildet, hörten sie noch ein Semester den berühmten Philologen Jac. Micyllus in Frankfurt und bezogen dann Ostern 1544 die Universität. Peter ging nach Marburg, wo er Medicin studirte, nebenbei aber aufs eifrigste die classischen Sprachen und die Poesie trieb. Schon in seinem ersten Studienjahre machte er sich durch die Veröffentlichung zweier Gedichte bekannt. Von hier zog er nach Leipzig und Wittenberg. Hierauf machte er als Soldat den schmalkaldischen Krieg mit. Nach der Schlacht von Mühlberg suchte er sich in Erfurt, dann in Wittenberg zu erholen, wo er 1550 die Magisterwürde sich erwarb. Hierauf brachte er längere Zeit bei seinem Oheim zu. Viele seiner Gedichte entstanden damals in dem Kloster zu Schlüchtern. Auf die Länge aber war es seinem Geiste hier zu enge. Es trieb ihn in die Ferne, nach Frankreich und Italien, den Ländern, wohin damals der Strom der meisten wissensdurstigen Jünglinge ging. Als Führer einiger vornehmen jungen Leute machte er sich eines Tages von Würzburg dorthin auf. In Palma promovirte er als Dr. med. In Bologna wurde ihm aus Versehen ein vergifteter Trank beigebracht, welcher den Grund zu seinem frühzeitigen Ableben legte. Nach Deutschland kehrte er 1557 zurück. Ein Ruf des Kurfürsten Otto Heinrich von der Pfalz zog ihn als Professor der Medicin nach Heidelberg. Nur kurze Zeit ward ihm hier noch zu wirken beschieden, denn bereits am 1. November 1560 starb er. — Peter Lotichius Secundus ist von seinem Zeitalter als Dichter hoch geehrt worden. Man hat ihn den Smaragd und Phönix der deutschen Dichter genannt und ihn theilweise neben Tasso gestellt. Seine Muse besingt in geschicktester Nachahmung Ovid's und Vergil's die Liebe und die classischen Erinnerungen seines vordem heißgeliebten Italiens, aber auch die Gottheit preist sie in wahrhaft christlichem Geiste und verherrlicht die wichtigsten Thatsachen der heiligen Geschichte, wie die Geburt Jesu Christi u. A. Lotich's Gedichte sind oft gedruckt worden. Die erste Ausgabe derselben hat er selbst während seines Aufenthaltes in Paris 1551 unter der Aufschrift besorgt: „Elegiarum liber et carminum libellus“. Eine Gesammtausgabe seiner Werke erschien 1586 von seinem Freunde Johannes Hagen, mit einer ausführlichen Beschreibung des wunderbaren Lebensganges des Dichters edirt. Als die beste Ausgabe ist die von Petrus Burmannus Secundus 1754 zu Amsterdam in zwei Quartbänden erschienene, auf welche sich die von Kretzschmar, Dresden 1773, stützt, zu bezeichnen. Im J. 1826 erschien die Verdeutschung der Elegien aus dem Nachlasse von E. G. Köstlin.

    • Literatur

      Die angezogene Biographie von Hagen. Die Biographie des Dichters von Bernstein in der Zeitschrift für die Provinz Hanau, 1839, S. 181 ff. Zu vgl. ist auch der vortreffliche Roman Otto Müller's: Der Professor von Heidelberg, Stuttg. 1870.

  • Autor/in

    Cuno.
  • Empfohlene Zitierweise

    Cuno, "Lotichius, Petrus Secundus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 19 (1884), S. 270-271 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118729195.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA