Lebensdaten
1777 bis 1839
Geburtsort
Wannamois (Estland)
Sterbeort
Kaipen (Livland)
Beruf/Funktion
Forstwirt ; livländischer Patriot ; Schriftsteller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117190101 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Löwis of Menar, Andreas von

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Zitierweise

Löwis of Menar, Andreas von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117190101.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Reinhold Friedrich (1731–94), auf Nurmis (Livland), russ. Gen.-Major, S d. Heinrich Johann, auf Panten, Nurmis u. Seyershof, u. d. Anna Jakobina v. Taube;
    M Dorothea Elisabeth (1744–99), T d. Alexander Clapier de Colongues (1715–67), auf Samm u. Oerthen (Estland), russ. Major, u. d. Anna Helene Freiin v. Wrangell;
    B Friedrich (s. Einl.), Peter (s. Einl.);
    1835 Elisabeth verw. Agramakov (1787–1870), T d. Ernst Frommhold v. Krüdener u. d. Christiane Judith v. Martini; kinderlos.

  • Leben

    L. erhielt seinen ersten häuslichen Unterricht auf dem livländ. Gut Nurmis und dem estländ. Gut Wannamois. Das Landleben, die Verbundenheit mit der Natur, ein gebildetes Elternhaus sowie die Disziplin des Militärs wurden bestimmend für das Leben des vielseitig begabten Mannes. Als 16jähriger begann er seine militärische Ausbildung in St. Petersburg. 1794 wurde er Wachtmeister bei der Garde zu Pferde, einem der exklusivsten russ. Kavallerieregimenter. Die anschließende Schulung im Adligen Chevalier-Korps war keineswegs nur militärisch ausgerichtet, sondern schloß die kameralistische Verwaltungslehre, die Naturwissenschaften, sowie die Kartographie mit ein. L. erwarb hier die Grundkenntnisse für seine forstliche Laufbahn, aber ebenso seine Fähigkeiten als Zeichner, Kupferstecher und Radierer, die er später oft beweisen sollte. 1797 reichte L. seinen Abschied ein und zog sich auf die elterlichen Güter zurück. Hier vollendete er seine Ausbildung und widmete sich intensiv dem Studium der Naturwissenschaften, unterstützt und gefördert durch Gustav v. Bergmann.

    1801 begann L. als 24jähriger ein Studium generale in Jena, das er 1803 in Heidelberg fortsetzte. 1806-08 besuchte er das Forstinstitut in Schwetzingen. Der Raubbau an den Wäldern führte am Ende des 18. Jh. zu einer Erneuerung wald- und forstwirtschaftlicher Erkenntnisse und Bemühungen; auch im Baltikum war die Devastierung des Waldes in größtem Maße fortgeschritten. Als L. 1808 nach Livland zurückkehrte, widmete er sich u. a. Fragen des Waldbaus, die im Baltikum noch eng verknüpft mit der Landwirtschaft waren. In der 1792 von der livländ. Ritterschaft gegründeten Livländ. Ökonomischen und Gemeinnützigen Sozietät, dem Vorläufer einer Landwirtschaftskammer, war L. seit 1811 als sog. beständiger Sekretär tätig. Im Rahmen seiner Tätigkeit gab er in der Druckerei der Sozietät (der einzigen in Dorpat) das Neue Ökonomische Repertorium für Livland (1812–25) heraus und seit 1826 die Jahrbücher für Landwirtschaft, jene Zeitschrift, die als Vorläufer der bekannten Balt. Wochenschrift zu bezeichnen ist.

    Bei seinen Bemühungen, die Landwirtschaft in Livland zu fördern, arbeitete L. eng mit der Ökonom. Sozietät und mit der Univ. Dorpat zusammen. Angesichts der Klima- und Bodenverhältnisse in Livland war die Frage der Regulierung des Wasserhaushaltes von ausschlaggebender Bedeutung. L. veranlaßte die Sozietät zur Erforschung der orographischen und hydrographischen Verhältnisse des Landes. Diese beauftragte den Professor der Agronomie Wilhelm Struwe, die nötigen agronomisch-trigonometrischen Messungen vorzunehmen. Diese Arbeiten wurden mit Mitteln der Sozietät 1816-19 ausgeführt. Struwes Höhenmessungen schlugen sich in der kartographischen Aufnahme des Landes durch den von der Ritterschaft angestellten Landmesser Rücker nieder. Die neue Karte Livlands, von der Ökonomischen Sozietät herausgegeben, erschien 1839. 1833-35 beschäftigte sich die Sozietät mit Unterstützung der Univ. Dorpat mit Bohrungen auf Salz in Livland, insbesondere auf dem Gut Allasch, jedoch ohne Erfolg.

    L.s Tätigkeit beeinflußte die Ökonomische Sozietät sowohl in praktischer Hinsicht als auch durch seine zahlreichen Veröffentlichungen. Er war nicht nur einer der Pioniere der Forstwirtschaft, sondern auch einer der großen Agrarreformer des baltischen Landes. Er förderte den Beginn der Tierzucht, vornehmlich die Schafzucht, und den Anbau neuer Futterpflanzen. L. war Mitbegründer der ersten großen landwirtschaftlichen Versicherungsgesellschaften im Baltikum. Vor allem aber widmete er sich der Anpflanzung von Wald sowie der Forstwirtschaft in Livland nach preuß. Vorbild.

  • Werke

    Zahlr. Abhh. üb. hist. Fragen, üb. Forst- u. Landwirtsch., u. a. Anleitung z. Forstwirtsch. in Livland, 1814;
    Über Vieh- u. Pferdezucht, 1816;
    Ueber d. Verbreitung d. Eiche in Liv- u. Estland, 1824;
    Ueber d. Stiftung u. bisherige Tätigkeit d. Livländ. Gemeinnützigen u. Ökonom. Sozietät, 1831. -
    Hrsg.: Neues Oekonom. Rep. f. Liefland, 1812-25;
    Jbb. d. Landwirtsch., 1826-37;
    Liefländ. Jbb. d. Landwirtsch., 1838-39. -
    Zahlr. Zeichnungen, Radierungen u. Kupferstiche;
    Stiche mit Landschaftsmotiven, Radierungen, Ansichten v. livländ. Ruinen in Kokenhusen, Marienburg, Ringen, Ronneburg, Wenden.

  • Literatur

    ADB 19;
    K. L. Blum, Ein Bild aus d. Ostseeprovinzen od. A. v. L. of M., 1846;
    Briefwechsel A. v. L. u. Nikolaus Fuss, in: SB d. Gel. Estn. Ges. zu Dorpat (bzw. Tartu), 1861-1938, S. 94-120;
    W. Neumann, Lex. balt. Künstler, 1908, S. 104;
    ThB 23;
    P. Campe, Lex. Liv- u. Kurländ. Baumeister, Bauhandwerker u. Baugestalter v. 1400-1850, Bd. 1, 1951, S. 400;
    H. D. v. Engelhardt u. H. Neuschäffer, Die Livländ. u. Gemeinnützige Ökonom. Sozietät (1782–1939), Ein Btr. z. Agrargesch. d. Ostseeraumes, 1983;
    Dt.balt. biogr. Lex. 1710-1960, 1970.

  • Portraits

    Ölgem. (Foto Marburg).

  • Autor/in

    Hubertus Neuschäffer
  • Empfohlene Zitierweise

    Neuschäffer, Hubertus, "Löwis of Menar, Andreas von" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 110 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117190101.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Löwis: Andreas v. L. of Menar, geb. am 27. December 1777 zu Wannamois in Estland, am 16. September 1839, ist einer der besonnensten und unermüdlichsten Vorkämpfer der wirthschaftlichen Entwickelung Livlands, einer der vielseitigst angelegten und harmonisch ausgebildeten Köpfe der Provinz gewesen. In der bescheidenen Stellung eines Secretärs der livländischen gemeinnützigen und ökonomischen Societät hat er vom Ende des Jahres 1811 bis an seinen Tod verharrt. Allen Unternehmungen der Societät, der Herausgabe des „Neuen ökonomischen Repertoriums für Livland“, der Untersuchung des Zustandes der Bauerwohnungen und der Frage nach den Mitteln ihrer Verbesserung, der Veredelung der Vieh- und Pferderacen, aussichtlich deren er sich für eine Veredelung in sich selbst durch Auswahl der besten Zuchtthiere beiderlei Geschlechts aussprach, der Hebung der Schafzucht, dem Anbau von Futterkräutern, der Begründung der Hagelversicherung — hat L. die Förderung angedeihen lassen, welche den Secretären solcher Institute vorzugsweise obzuliegen pflegt. Hauptsächlich aber einem der verdienstvollsten und großartigsten Werke der Gesellschaft, der Herstellung der großen Rücker'schen Karte von Livland in sechs Blättern, hat er während des langen Zeitraums, den die Arbeit erforderte, von 1816 bis 1839 immer gleichen Antheil und unsägliche Mühe gewidmet. Dabei war es ihm eine Freude durch seinen Beruf auf die stetige Verfolgung seiner Forschungen, auf seinen eigensten Wissensbereich, die Forstwissenschaft, hingewiesen zu sein und durch die Ergebnisse seiner Studien die ersten schweren Schritte zur Anbahnung einer geregelten Forstwissenschaft in Livland thun zu können. Seine „Anleitung zur Forstwirthschaft für Livland“ 1814 lenkte den Blick der livländischen Waldbesitzer zuerst auf den wirklichen Zustand ihrer Waldungen und gab ihnen ein Buch in die Hand, unter dessen Weisung ein jeder seinen Wald ohne weitere besondere Kenntnisse bewirthschaften konnte. Eine Reihe von Einzelaussätzen führte das begonnene Werk der Belehrung weiter und zeigt in ihrem Verlauf, zu welch' höheren Aufgaben die livländische Forstwissenschaft während Löwis' Wirksamkeit emporgestiegen war. Sein Wissen steigerte sich mit der ununterbrochenen täglichen Arbeit und wahrhaft wissenschaftlicher Sinn tritt uns in seinen vielleicht bekanntesten Schriften entgegen: „Ueber die Verbreitung der Eichen in Livland-Estland „ und „Ueber Entstehung, Zweck und endlichen Untergang des Ritterschlosses in Livland“. — Die Lebens- und Charakterskizze des Mannes findet man in dem 1846 erschienenen Buche von Blum, „Ein Bild aus den Ostseeprovinzen oder Andreas von Löwis of Menar“. Man sieht hier, wie hoch L. als Mensch, wie bedeutend als Gelehrter, wie liebenswürdig als Künstler er dagestanden hat.

    • Literatur

      Ueber die Litteratur vgl. Winkelmann, Bibl., wo auch eine vollständige Auszählung seiner Schriften zu finden ist. Dazu den Nekrolog im Dorpater Stadtblatt 1877 Nr. 229.

  • Autor/in

    Fr. Bienemann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bienemann, Friedrich, "Löwis of Menar, Andreas von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 19 (1884), S. 318-319 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117190101.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA