Lebensdaten
1854 bis 1944
Geburtsort
Szegedin (Ungarn)
Sterbeort
Budapest
Beruf/Funktion
Rabbiner
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 117162639 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lef, ʿImanuʾel
  • Loew, Immanuel

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Zitierweise

Löw, Immanuel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd117162639.html [10.12.2016].

CC0

Löw, Immanuel

* 20.1.1854 Szegedin (Ungarn), 19.7.1944 Budapest

  • Genealogie

    V Leopold (s. 2); M N. N.; 1882 Bella Brenning.

  • Leben

    L. studierte an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin und an der Univ. Leipzig. 1879 wurde er hier bei dem Orientalisten Heinr. Fleischer mit einer Dissertation über „Aramäische Pflanzennamen“ (1881 erweiterte Fassung) zum Dr. phil. promoviert. Im Jahr zuvor hatte ihn seine Heimatstadt zum Rabbiner gewählt. Er führte die liberale Tradition seines Vaters fort und machte sich wie dieser als Kanzelredner einen Namen. Mit großem persönlichem Einsatz betrieb L. den Bau einer neuen Synagoge (1903–05), die als die prächtigste in Ungarn gilt; sie wurde von dem Architekten L. Baumhorn nach genauen Angaben L.s zur Architektur und Ausschmückung errichtet. Seit April 1920 wurde L. wegen seiner Kontakte zur Räteregierung über 13 Monate lang in Untersuchungshaft gehalten. 1927 zog er als Vertreter der liberalen Juden in das ungar. Oberhaus ein. Angesichts des anwachsenden Antisemitismus wurde er Mitglied der Zionistischen Weltorganisation und Vizepräsident der ungar. Pro-Palästina-Liga, ohne den Gedanken an Auswanderung – wohl wegen seiner angesehenen Position und seines hohen Alters – ernstlich in Erwägung zu ziehen. Nach der Besetzung Ungarns am 19.3.1944 durch die Deutschen wurde L. deportiert, starb aber, noch ehe man ihn in ein Konzentrationslager hatte bringen können.

    L. galt international als einer der besten Kenner der in Bibel, Talmud und der rabbinischen Literatur vorkommenden Realien. Er publizierte in zahlreichen Zeitschriften und war Mitarbeiter der 10. und 11. Auflage des Hebräischen Wörterbuchs von W. Genesius (1886, 1890), K. Brockelmanns Lexicon Syriacum (1895) und der lexikanischen Werke von Sam. Krauss (Griech. und lat. Lehnwörter im Talmud, Midrash und Targum, 1899; Talmudische Archäologie, 3 Bde., 1910–12; Ergänzungs- u. Berichtigungsband zu Kohuts „Aruch“, 1936). Sein Hauptwerk stellt indes „Die Flora der Juden“ (4 Bde., 1924–34) dar, eine ungemein materialreiche Zusammenstellung der botanischen Kenntnisse der Juden, ihrer Nachbarn und der späteren Herren Palästinas. Während sich die „Aramäischen Pflanzennamen“ noch auf das Sprachliche beschränken, rückt hier das Kulturhistorische in den Vordergrund. L. zeigt, wie stark die Beziehungen der Juden zur Pflanzenwelt mit religiösen Anschauungen und Bräuchen verwoben waren und welche Stellung die Natur in der jüd. Literatur einnimmt. Er erklärt die Pflanzennamen etymologisch und geht der Bedeutung und dem Gebrauch der jeweiligen Pflanzen durch alle Epochen und alle Bereiche nach (Anbau, Handel, Küche, Folklore, Dichtung, Kunst, Symbolik, Ritus, Aberglaube, Alchimie, Medizin, Philosophie etc.). – „Fauna und Mineralien der Juden“ (1969) erschien postum; ein umfangreicheres Buchmanuskript über die Mineralien der Juden, an dem L. bis zu seiner Deportation gearbeitet hatte, ist verschollen. Bahnbrechend sind auch L.s. Forschungen zur jüd. Folklore (Studien zur jüd. Folklore, hrsg. v. A. Scheiber, 1975). Er beschenkte das Wiener Jüd. Museum mit wertvollen illustrierten Handschriften zu diesem Bereich und stand mit dem Volkskundler und Szegediner Pfarrer Lajos Kálmány in regem Kontakt.

  • Literatur

    Festschr. I. L., 1934 (W, P); A. Scheiber (Hrsg.), Semitic Studies in Memory of I. L., 1947 (W-Verz. mit 557 Nummern); Enc. Jud. X, 1934; Enc. Jud. XI, 1971 (P); ÖBL.

  • Autor

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Löw, Immanuel" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 71 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd117162639.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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