Lebensdaten
1835 bis 1901
Geburtsort
Quedlinburg
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Tabakkaufmann
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 137852835 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Loeser, Bernhard

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Zitierweise

Loeser, Bernhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137852835.html [15.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Louis (1803–1869), Kaufm., S d. Abraham;
    M Sophie Behrend-Brannenthal (1803–1874);
    Berlin Cäcilie (1845–1923), T d. Albert Sommerguth (1813–94) aus Neuhaldensleben u. d. Henriette Weinzweig (1821–88) aus Eisleben, Hauptgesellschafterin d. L. & Wolff oHG, ab Nov. 1920 GmbH.;
    2 S, 1 T, u. a. Lucia (1870–1937), seit 1923 Hauptgesellschafterin d. L. & Wolff GmbH (s. Rhdb., P);
    Alfred Sommerguth, 1859-v. 1929, Reg.- u. Baurat, 1902-22 geschäftsführender Gesellschafter d. Fa. Loeser & Wolff).

  • Leben

    Ehe er 1855-58 im 10. Husaren-Rgt. in Aschersleben diente, arbeitete L. in der Landwirtschaft. Seit 1859 in Berlin, war er gemeinsam mit seinem späteren Teilhaber Karl Wolff (1835–1902) Angestellter eines Kolonialwarengeschäftes. Beide gründeten am 1.7.1865 im sog. Ochsenkopf am Alexanderplatz ein Tabakwaren-Einzelhandelsgeschäft als oHG. Auf L.s Initiative wurde ein neues Vertriebskonzept eingeführt. Der außergewöhnliche Erfolg des jungen Kaufmanns beruhte vor allem darauf, dafl er sich durch den Aufbau einer Kette von Tabak-Filialgeschäften in Berlin (1880: 25; 1890: 36; 1900: 65; 1910: 102) einen beachtlichen Standortvorteil gegenüber seinen Mitbewerbern verschaffte: er bevorzugte Eckläden, die gut sichtbar waren und die Kundschaft von mindestens zwei Straßen anzogen, eine damals neue Konzeption. „Loeser & Wolff an der Ecke“ wurde ein volkstümlicher Berliner Begriff. Zum Typus des aus dem Handel kommenden Unternehmers der Gründerzeit wurde L. 1874 durch den Erwerb einer kleinen Zigarrenfabrik in Elbing. Diese Entscheidung zur Eigenproduktion war von großer Tragweite; das anfänglich nur mit ca. 30 Arbeitern tätige Werk entwickelte sich binnen weniger Jahrzehnte zur größten zentralisierten Zigarrenfabrik Deutschlands. 1904 betrug die Jahresproduktion der Loeser & Wolff oHG rd. 110 Mill. Zigarren. Bei Ausbruch des 1. Weltkriegs 1914 wurden in Berlin und Elbing sowie in den Werken Braunsberg, Marienburg und Preuß.-Stargard rd. 5000 Arbeitnehmer beschäftigt. Obwohl bei Zigarren die Marke als Unterscheidungsmerkmal problematisch ist, weil das Produkt – anders als bei Zigaretten – kaum in immer gleicher Beschaffenheit produziert werden kann, führte L. 1888 die Eigenmarke „Rara Avis“ ein. Da zu jener Zeit die Absatzstrategie des Markenartikels in dieser Branche noch unbekannt war, dürfte „Rara Avis“ die erste deutsche Markenzigarre gewesen sein. 1899 nahm L. als dritten Teilhaber seinen Schwager J. Hirsch auf. – L. begeisterte sich früh für die Musik Richard Wagners. Als Mitbegründer und Vorstandsmitglied des Berliner Richard-Wagner-Vereins verhalf er dem Komponisten in der Reichshauptstadt zur Anerkennung. Wagner stand L. persönlich nahe und widmete ihm eine Partitur des Tannhäuser.

    Bei der Arisierung 1937 wurde die Firmierung in „Walter E. Beyer, Zigarrenfabriken GmbH“ geändert. Der Ausgang des 2. Weltkriegs führte zum Zusammenbruch, da alle Produktionskapazitäten jenseits der Oder-Neiße-Linie lagen. Die seit 1952 wieder bestehende „Loeser & Wolff GmbH“ verlor durch die Teilung Berlins 1961 einen großen Teil ihrer Kundschaft und stellte 1962 einen Vergleichsantrag. Übriggeblieben ist die Lucia-Loeser-Stiftung, die bis 1983 ein Tabakfachgeschäft in der Westberliner Tauentzienstraße unterhielt.

  • Literatur

    LIZ Nr. 28 v. 7.10.1897;
    J. Eckstein u. J. J. Landau (Hrsg.), Dt. Industrie - Dt. Kultur, 1900 (P);
    Dt. Tabak-Ztg. Nr. 19 v. 9.5.1901;
    J. Eckstein (Hrsg.), Hist.-biogr. Bll., Industrie. Handel u. Gewerbe. Die Provinz Westpreußen. Lieferung V, 1907/11;
    50 J. L. & Wolff Berlin 1.7.1865-1.7.1915, 1915 (P);
    Berlins Aufstieg z. Weltstadt, hrsg. v. Ver. Berliner Kaufleute u. Industrieller, 1929.

  • Portraits

    Welt-Spiegel Nr. 37 v. 9.5.1901;
    Die Woche Nr. 19 v. 11.5.1901.

  • Autor/in

    Hans-Henning Zabel
  • Empfohlene Zitierweise

    Zabel, Hans-Henning, "Loeser, Bernhard" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 65 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137852835.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA