Lebensdaten
1804 bis 1854
Geburtsort
Breslau
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Maschinenbauer ; Großindustrieller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118661981 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Borsig, Johann Friedrich August
  • Borsig, Johann Karl Friedrich August
  • Borsig, August
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Zitierweise

Borsig, August, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118661981.html [21.06.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Georg aus Nieder-Pontwitz (Kreis Oels), Kürassier, später Zimmerpolier in Breslau, stammte aus schlesischer Handwerker- und Bauernfamilie, die ursprünglich Burzig hieß;
    M Susanna Cath. Werner;
    Luise (1809–87, katholisch), T des Küsters Praschl an St. Hedwig in Berlin;
    S Albert (1829–78, Welna 1861 Anna, T des Fabrikbesitzers Guticke in Stettin), steigerte die Rentabilität der Lokomotivenfabrik durch Errichtung der Berg- und Hüttenwerke in Borsigwalde (Oberschlesien) 1859-62 und Verlegung des Walzwerkes von Moabit dorthin 1868;
    E Arnold ( 1897 bei einem Grubenbrand in Borsigwalde), Ernst von Borsig (seit 1909, 1869-1933), Vorsitzender der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, des Gesamtverbandes der deutschen Metallindustrie, der Deutschen Lokomotivbauvereinigung, des Präsidiums des Reichsverbandes der Deutschen Industrie und des Reichswirtschaftsrats, Großgrundbesitzer, Conrad von Borsig (* 1873, 13.2.1945 von den Russen erschossen), Dr. Ing. e.h. der TH Aachen (1923), seit 1894 kaufmännischer Leiter der Firma, Vorsitzender des Arbeitgeberverbands der Deutschen Berufsgenossenschaften und des Deutsch-Argentinischen Zentralverbandes, Mitglied des Zentralausschusses der Reichsbank.

  • Leben

    B. erlernte das Zimmerhandwerk, besuchte daneben die Kunst- und Bauhandwerkschule in Breslau und dann das von Beuth begründete Königliche Gewerbeinstitut in Berlin. Nach anderthalbjährigem Studium trat er zur praktischen Ausbildung in die damals berühmte Maschinenbauanstalt und Eisengießerei F. A. Egells ein, eine der Pflanzstätten des sich in jener Zeit entfaltenden preußischen Maschinenbaues. Im Anschluß an seine Ausbildungszeit, in der er schon Proben ungewöhnlichen Könnens gezeigt hatte, war er dort 1827-36 als „Faktor“ tätig und erlangte auf dem Gebiete des Dampfmaschinenbaues und des allgemeinen Maschinenbaues bereits damals den Ruf eines erstklassigen Fachmannes.

    1837 gründete B. die Eisengießerei und Maschinenbau-Anstalt am Oranienburger Tor in der Chausseestraße in Berlin-N, die zum Ausgangspunkt seiner großindustriellen Tätigkeit wurde. Durch den großen Aufschwung der Runkelrüben-Zucker-Fabrikation ergab sich für ihn zunächst ein großes Arbeitsgebiet im Dampfmaschinenbau und im allgemeinen Maschinenbau. Angeregt durch den Inlandsbedarf von Lokomotiven für das aufblühende Eisenbahnwesen dehnte er dann die Fabrikation auf die Herstellung von Lokomotiven|aus. Am 24.7.1841 wurde die erste B.-Lokomotive an die Berlin-Anhalter Eisenbahn geliefert. Trotz der machtvollen englischen Konkurrenz gelang es B., sein Unternehmen neben dem vielseitigen Erzeugnisprogramm des allgemeinen Maschinenbaues zur damals größten Lokomotiv-Fabrik des Kontinents zu entwickeln. 1853 hatte er einen solchen Ruf erlangt, daß er gegen härteste englische Konkurrenz Lokomotiven ins Ausland liefern konnte. Der große Aufschwung - am 25.3.1854 war bereits die 500. Lokomotive geliefert worden - hatte dazu geführt, daß die Werkanlagen beträchtlich erweitert werden mußten. Auch auf dem Gebiete des Werkzeugmaschinenbaues, der Fabrikorganisation und in der Werkstoffverbesserung hat B. Bedeutendes geleistet. Zu dem ursprünglichen Werk war 1847 das Eisenwerk in Moabit gekommen, das ein Puddelwerk, ein Stabeisen- und Blechwalzwerk, sowie einen Schmiedebetrieb mit Dampfhämmern umfaßte, dann 1850 noch die aus der Preußischen Seehandlungs-Sozietät hervorgegangene Maschinenbauanstalt in der Kirchstraße in Berlin-Moabit. Um diese Berliner Werke mit ihrem großen Bedarf an Kohlen und Roheisen auf eigene Füße zu stellen, kam er kurz vor seinem Tode 1854 zu dem Entschluß, in Biskupitz in Oberschlesien einen großen Grubenkomplex in Erbpacht zu erwerben. Das wurde die Grundlage der großen Kohlen-Rohstoff- und Halbzeugbasis der weit ausgedehnten Werkanlagen im B.werk in Oberschlesien.

    Nach einer von 1878 bis 1894 dauernden Verwaltung durch ein Nachlaßkuratorium, das aber nicht in der Lage war, kraftvoll den geschäftlichen Erfordernissen zu begegnen, übernahmen die Enkel unter schwierigen Bedingungen die Leitung, und es gelang ihnen, den Werken allmählich wieder zu einer Blüte zu verhelfen. 1898 wurden die Berliner Werke nach Tegel verlegt, deren Inhaber bis 1935 Ernst und Conrad v. B. waren. Infolge des 1931 einsetzenden allgemeinen wirtschaftlichen Rückganges auch im Lokomotiv- und Maschinenbau wurde die Maschinenfabrik A. B., Berlin-Tegel, 1935 von der Firma Rheinmetall übernommen. - Das B.sche Unternehmen, dem mehrere Generationen von führenden Maschinenbauern ihre praktische Ausbildung verdanken, hat in allen Zweigen des Maschinenbaues und speziell des Lokomotivbaues einen Weltruf erlangt und zum Ansehen der deutschen Technik Bedeutendes beigetragen.

  • Literatur

    ADB III, VII;
    M. Krause, Festschr. z. Feier d. 5000sten Lokomotive, Tegel, 21.6.1902;
    H. Schöler, in: Schles. Lb. II, 1926 (L, P);
    K. Meyer-Frommhold, Verkehrspioniere, Die Lebensarbeit F. Lists u. A. B.s, 1933;
    Dt. Maschinenbau 1837 bis 1937 im Spiegel d. Werkes B., Hrsg. v. d. Rheinmetall-Borsig AG, 1937;
    F. Pachtner, A.B., Zeit, Leben u. Werk eines dt. Industriebegründers, 1943 (P). - Zu Albert B.: ADB VII, S. 795;zu Ernst u. Conrad v. B.:
    Wenzel;
    Rhdb. I, (P);zu Ernst v. B.:
    Der Arbeitgeber, Jg. 23, 1933, Nr. 3.

  • Portraits

    Gem. v. F. Krüger, 1855, Abb. in: Gr. Deutsche im Bild, 1936, S. 388; Marmorrelief v. A. v. Hildebrand (Dt. Mus. München).

  • Autor/in

    Friedrich Schildberger
  • Empfohlene Zitierweise

    Schildberger, Friedrich, "Borsig, August" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 476-477 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118661981.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Borsig: Johann Karl Friedrich August B., einer der bedeutendsten deutschen Fabrikunternehmer, geb. 23. Juni 1804 zu Breslau, 6. Juli 1854 in Berlin. Er hatte das Zimmermannshandwerk zu seinem Berufe gewählt, besuchte die Baugewerbschule in Breslau, von 1825 an das königliche Gewerbinstitut in Berlin, bildete sich dann praktisch in der Maschinenfabrik von F. A. Egells zu Berlin und übernahm hierauf die Leitung der mit dieser Anstalt verbundenen neuen Berliner Eisengießerei, welche er bis 1836 besorgte. Als um diese Zeit der Bau von Eisenbahnen auch für Deutschland eine Lebensfrage geworden war, fand B. sich veranlaßt, selbst eine Maschinenbauanstalt in Berlin zu begründen, welche 1837 mit ungefähr 50 Arbeitern eröffnet wurde und einen so bedeutenden Aufschwung nahm, daß sie im J. 1847 bereits 1200 Arbeiter beschäftigte. Die Anstalt wendete sich vornehmlich dem Bau von Locomotiven zu, deren bis zum 25. März 1854 überhaupt 500 aus derselben hervorgingen, davon bis Mitte 1851 schon 330, im J. 1847 allein 67, d. h. mehr als zu jener Zeit je eine der größten Werkstätten Englands in Jahresfrist geliefert hatte. Der in Folge so umfassender Arbeiten eingetretene starke Verbrauch von Schmiedeeisen, das nur aus den größten und besten Eisenwerken Englands bezogen werden konnte, bestimmte B. zur Anlage eines eigenen Eisenwerkes, welches zu Moabit bei Berlin 1847 begonnen und 1850 in Betrieb gesetzt wurde. Im Herbst 1850 ging die in Moabit belegene früher der Seehandlungs-Societät gehörige Maschinenbauanstalt und Eisengießerei durch Kauf an B. über; zu Anfang des J. 1854 erwarb letzterer auf gleiche Weise Steinkohlenfelder bei Biscupitz in Oberschlesien, in deren unmittelbarer Nähe er ein Hochofenwerk anzulegen beabsichtigte. Der Tod hinderte ihn an der Verwirklichung dieses Gedankens, dessen Ausführung (1858—60) seinem Sohne und Geschäftsnachfolger August Julius Albert B. ebenso überlassen blieb, wie eine beträchtliche Erweiterung der früher begründeten Betriebszweige und die Verlegung des Eisenwalzwerks von Moabit nach Schlesien. Der Sohn konnte schon 1858 die Beendigung der 1000. Locomotive feiern. Der Geh. Commercienrath Albert  Borsig starb am 10. April 1878. Wenn auch seinem Vater an gedankenreicher Erfindungskraft und an Technik nicht gleich, hat er doch dessen Werk in ausgezeichneter Weise fortgesetzt und erweitert. Das große Vermögen hat sich unter seiner umsichtigen Verwaltung verdoppelt. Er war zugleich ein feiner Kenner und freigebiger Förderer der Kunst, wofür unter Anderem sein nach Lucae's Entwürfen gebautes prächtiges Haus am Wilhelmsplatz in Berlin und die berühmten Gärten und Gewächshäuser der Villa Borsig in Moabit Zeugniß ablegen.

    • Literatur

      Mittheilungen des Gewerbvereins für Hannover, 1872. Vgl. auch Otto, Buch ber. Kaufleute I. 881 ff.

  • Autor/in

    Karmarsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Karmarsch, Karl, "Borsig, August" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 179-180 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118661981.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA