Lebensdaten
1484 bis 1537
Geburtsort
Lodron (?)
Sterbeort
Esseg/Drau (Slawonien)
Beruf/Funktion
Landsknechtführer ; österreichischer General
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137848129 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lodron, Nikolaus Graf von (auch)
  • Lodron, Ludwig Graf von
  • Lodron, Nikolaus Graf von (auch)
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Zitierweise

Lodron, Ludwig Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137848129.html [21.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Paris, Gubernator v. Bergamo;
    M N. N., T d. Conte Brambato in Bergamo;
    Schw Anna ( 1519 Georg v. Frundsberg, 1528, Landsknechtführer, s. NDB V);
    Vt Joh. Baptist (s. Einl.);
    - Trient (in Anwesenheit v. Kg. Ferdinand I. u. Kgn. Anna) 1536 Ursula v. Cles, Verwandte d. Kardinals Bernhard v. Cles ( 1539), Bischof v. Trient;
    1 S.

  • Leben

    Wie zeitweilig auch sein Vater stand L. unter Maximilian I. in kaiserl. Kriegsdiensten. Gegen Ende der langjährigen Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und dem Hause Habsburg um Italien an der Wende vom 15. zum 16. Jh. kämpfte er 1515 im kaiserl. Heer gegen die Republik Venedig und verhinderte u. a. die Aufgabe der belagerten Stadt Brescia durch die Heranführung zusammengezogener Hilfstruppen. Bei der Fortsetzung dieser Kämpfe zwischen Karl V. und Franz I. diente L. unter den Landsknechtführern Georg v. Frundsberg, Karl v. Bourbon, dem Connétable von Frankreich und mächtigsten Vasallen der franz. Krone (nach dessen Übergang 1523 von Franz I. zum Kaiser), und Konrad v. Boyneburg. – Im ersten Krieg Karls V. gegen den franz. König (1521–26) war L. 1524 als kaiserl. Feldobrist an der erfolglosen Belagerung Marseilles ebenso beteiligt wie am Sieg bei Pavia 1525, wo er sich neben seinem Vetter Johann Baptist Gf. v. Lodron mehrfach auszeichnete. Noch im selben Jahr war er mit seinen Landsknechten an der Niederwerfung der Bauernaufstände in seiner tiroler Heimat beteiligt und verhalf dem Bischof Bernhard v. Cles zur Rückkehr in seine Trienter Residenz.

    Zu Beginn des zweiten Krieges Karls V. gegen Franz I. (1526–29) fand sich L. neben anderen Hauptleuten in Trient ein, von wo aus er mit seinen Landsknechten am Italienzug teilnahm, der zum Sacco di Roma (Mai 1527) führte. Noch vor Rom starb sein ebenfalls beteiligter Vetter Anton Graf von Lodron als kaiserlicher „Feldmarschalk“. Von seinem Schwager Georg v. Frundsberg und Karl v. Bourbon wurde L. wiederholt mit Sonderaufträgen betraut (Finanzverhandlungen mit dem Herzog von Ferrara). Am 5.6.1527 gehörte L. in Rom zu den Unterzeichnern eines Vertrages zwischen Papst Clemens VII. und dem kaiserl. Heer. Nach dem neuen Oberbefehlshaber Philibert von Oranien und den Befehlshabern der ital., deutschen (Konrad v. Boyneburg für den in Ferrara erkrankten Frundsberg) und span. Truppen unterschrieb L. an fünfter Stelle, was seine hohe Stellung unter den kaiserl. Landsknechten unterstreicht. Den Auftrag, fünf vom Papst als Pfand abgetretene Städte (u. a. Modena, Parma, Piacenza) zu übernehmen, konnte L. allerdings aufgrund lokaler Widerstände nicht ausführen. Im weiteren Verlauf des Krieges in Oberitalien geriet er bei der Verteidigung Boscos in franz. Gefangenschaft, aus der er erst nach dem sog. Damenfrieden von Cambrai (3.8.1529) entlassen wurde. Gleich danach beteiligte er sich an der monatelangen Belagerung von Florenz. – An den Kämpfen gegen die Türken nahm L. erstmals im Sept. 1532 als „Obrister“ über die Hilfstruppen Kg. Ferdinands I. teil, als es darum ging, eine neuerliche Belagerung Wiens zu verhindern. Unter dem Oberbefehl Hans Katzianers beteiligte er sich 1537 an der Abwehr türk. Einfälle in Kroatien und Slawonien, folgte aber nicht dessen Rückzugsbefehl. In einem Gefecht gegen den zahlenmäßig weit überlegenen Gegner wurde L. schwer verwundet, geriet in türk. Gefangenschaft und fand den Tod durch Enthauptung.

    L. war Zeuge jener epochalen Wende von der mittelalterlichen zur frühneuzeitlichen Kriegsverfassung, die im militärtechnischen Sinne am deutlichsten wird an der von Kaiser Maximilian I. geförderten Herausbildung der in Massen auftretenden Infanterie als dominierender Waffengattung gegenüber dem einzelkämpferischen Reitertum. In der schwersten Bedrängnis durch die Türken bei Gorian und Valpo in der Nähe Essegs entkräftete L. Anfang Okt. 1537 den Vorwurf aus den eigenen Reihen, zu Pferde schneller fliehen zu können, damit, daß er absaß und sich an die Spitze seiner Fußtruppen setzte. In Liedern und Gedichten wurden seine Tapferkeit und sein Tod besungen.

  • Literatur

    ADB 19;
    Moriggl, Leben u. Heldentod d. Gf. L. v. L., k. k. Feldhauptm., Zugleich e. Bild aus d. Kriegszeiten d. 1. Hälfte d. 16. Jh., 1863;
    F. J. J. v. Reilly, Skizzirte Biogrr. d. berühmtesten Feldherren Oesterreichs v. Maximilian I. bis auf Franz II., 1813, S. 54;
    Archiv f. Geogr., Hist., Staats- u. Kriegskunst 4, Nr. 139 u. 140, 1813, S. 599;
    ebd., 8, Nr. 79, 80 u. 81, 1817, S. 321 f.;
    G. Gerhartl, Die Niederlage d. Türken am Steinfeld 1532, 1974;
    Zedler 18, Sp. 147 f.;
    E. H. Kneschke, Neues allg. Dt. Adels-Lex. V, 1863;
    Wurzbach 15.

  • Autor/in

    Helmut Neuhaus
  • Empfohlene Zitierweise

    Neuhaus, Helmut, "Lodron, Ludwig Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 12-13 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137848129.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lodron: Ludwig, auch Nikolaus Graf L., kaiserlicher General, aus altem tridentinischen Adelsgeschlechte, unbekannt wann und wo geboren, fiel. Mitte October 1537 bei Essegg im Kampfe gegen die Türken. Herzhafter Streit für des Kaisers Recht kennzeichnet seinen Lebenslauf; gelehrt ward ihm solch Ritterbrauch so auch das Kriegshandwerk vom ruhmbedeckten Georg von Frundsberg, seinem Schwager. Unter dessen Leitung zog er 1513 gegen die Venetianer, 1522—1523 nach Mailand und Genua, 1524 führte er eine Abtheilung Hakenschützen bei Marseille, 1525 stand er mit seinen Landsknechten in der heißen Schlacht bei Pavia. Im letzteren Kampfe tritt L. schon als angesehener Führer hervor, denn der Schlachtbericht an den Kaiser besagt: „Graf Lodron hat Ihnen wohl gedient, wie auch alle deutschen Anführer.“ Noch im Laufe dieses Jahres ward L. zur Bewältigung der Bauernunruhen in Welschtirol berufen; er warb rasch einiges Kriegsvolk, jagte vereint mit Castelalt die Bauern bei Cognola und Cadine in die Etsch und war bei der vollständigen Unterdrückung derselben am Nonsberge betheiligt. Bald hierauf befand sich L. unter den muthvollen, kühnen Feldhauptleuten, welche 1527 auf dem Zuge nach Rom die störrigen Landsknechte zur Zucht zwangen, mit selben Rom erstürmten und durch ihre Namensunterschrift den mit dem Papste geschlossenen Vertrag bekräftigten. Kaum in die Heimath zurückgekehrt, war L. 1529 schon wieder bereit, Wien gegen die anrückenden Türken beizustehen, zu diesem Behufe sammelte er in Tirol das erforderliche Geld, warb Mannschaften, konnte aber nicht rechtzeitig zu Hülfe kommen. Dagegen fand er sich 1532 bei erneutem Vorbrechen der Moslims sogleich in Wien ein, befehligte an einer der Donaubrücken und hat nächst Leobersdorf an der Triesting bei Niederwerfung einer türkischen Heeresabtheilung hervorragend mitgewirkt. Hoffnungsvoll hatte sich in all diesen Kriegen, Unternehmungen und Fährlichkeiten Lodron's Zukunft gestaltet; von seiner reichen Erfahrung, erprobten Treue sowie seinem kriegerischen Sinne ließ sich noch Großes erwarten, doch das nächste Erscheinen auf dem Kampfplatze brachte bedauerlicher Weise auch schon seine letzte That. Diese wahrt ihm aber das Anrecht auf das unauslöschbare Gedenken Jedermanns, der Hochsinn, Opferbereitwilligkeit und Selbstentsagung zu schätzen und zu würdigen versteht. L. war es nämlich, welcher 1537 allein von all' den ersten Feldhauptleuten, die unter Katzianer die|Türken aus den festen Schlössern Slavoniens vertreiben sollten, schmähliches Entweichen verachtete, allein ausdauerte und der rathlos übrig gebliebenen Mannschaft Führer wurde. „Lasset Gott walten, vertrauet Euerem Muth und leistet standhafte Gegenwehr“, so rief er im Lager von Essegg den ausharrenden Tirolern, Böhmen, Oesterreichern und Kärntnern zu. Ergeben horchte diesen Worten die kleine Schaar, nur ein deutscher Kriegsmann meinte: „Du hast leicht reden, Lodron! Du sitzest zu Pferde. Mit sechs Füßen kannst Du schneller entfliehen, als wir mit zweien“. Diesen für den Gehorsam der Anderen gefährlichen Söldner hat L. mit seinem Schwerte durchbohrt, worauf er, seine Pferde den Kranken und Verwundeten zuweisend, an die Spitze der Mannschaft trat mit der Zusicherung: „Brüder, ich fechte mit Euch zu Fuß“. Nun führte er aber das schwache Häuflein rasch aus dem Lager und stürzte sich todesmuthig in den ungleichen, hoffnungslosen Kampf. Nicht lange hat dieser gewährt; der Uebermacht der Türken fiel bald Alles zum Opfer, so auch L. Schwer verwundet wurde er in das Türkenlager gebracht, wo er, angeblich um nicht unnöthig zu leiden, getödtet wurde; sein Kopf soll als Siegeszeichen nach Konstantinopel geschickt worden sein.

    • Literatur

      Wurzbach, Biograph. Lexikon d. Kaiserth. Oesterr. etc. 15. Bd. Wien 1866. Reilly, Skizzirte Biograph. d. berühmtest. Feldh. Oesterr. Wien 1813. Reißner, Historia Herrn Georgen etc. Frundsberg etc., Frankfurt a. M. 1572. Raumer, Historisches Taschenbuch. Neue Folge. 5. Jahrg., Leipzig 1844. Egger. Geschichte Tirols. 2. Bd. Innsbruck 1876.

  • Autor/in

    Schz.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schz., "Lodron, Ludwig Graf von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 19 (1884), S. 79-80 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137848129.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA