Lebensdaten
wohl um 1342 bis 1413
Beruf/Funktion
Landgraf von Hessen
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137946635 | OGND | VIAF: 86108767
Namensvarianten
  • Hermann
  • Hermann von Hessen
  • Hermann II. der Gelehrte
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Zitierweise

Hermann II., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137946635.html [29.11.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus dem Haus Brabant (s. NDB II);
    V Landgf. („Junker“) Ludwig, Herr zu Grebenstein (†1345);
    M Elisabeth, T d. Gf. Simon II. v. Sponheim, Wwe d. Gf. Rudolf I. v. Hohenberg;
    Ov Landgf. Heinrich II. v. Hessen ( 1376, s. NDB VIII), Otto ( 1361), EB v. Magdeburg;
    B Otto ( 1357), Domherr in Magdeburg u. Trier;
    - 1) zw. 30.1./11.2.1377 Johanna ( 1.1.1383), T d. Gf. Johann I. v. Nassau-Weilburg ( 1371), 2) 15.10.1383 Margaretha ( 1406), T d. Burggf. Friedrich V. v. Nürnberg ( 1398, s. NDB V); 1. Ehe kinderlos, 4 S, 4 T aus 2), u. a. Landgf. Ludwig I. v. H. (1402-58).

  • Leben

    Nach dem unerwarteten Tod seines Sohnes Otto ( 1366) ernannte Landgraf Heinrich II. 1367 seinen Neffen H. zum Nachfolger und Mitregenten. Ohne Aussicht auf die Nachfolge in der Landgrafschaft, waren H. und sein Bruder Otto in den geistlichen Stand getreten. H., Propst zu Nörten und angeblich auch Domherr zu Magdeburg und Trier, hatte jedoch nur die niederen Weihen empfangen und konnte daher ohne Schwierigkeit in die Welt zurückkehren. Schnell wurde der Mitregent zum eigentlichen Leiter der hessischen Politik. Nachdem die Landgrafen den Aufstand des „Bundes der Sterner“ mit Hilfe der hessischen Städte niedergeworfen hatten, mit denen sich Herzog Otto d. Quade von Braunschweig verbündet hatte, um seine Erbansprüche durchzusetzen, konnte H. 1376 dem Oheim unangefochten nachfolgen. Gegen seine hohen Steuerforderungen, zu denen er sich infolge der hohen Kriegsunkosten gezwungen sah, empörten sich die niederhessischen Städte; sie schlossen 1378 mit Burgmannen und einzelnen Rittern einen 20j. Schutzvertrag, stürmten die Burg der Hauptstadt Kassel und verglichen sich mit H. erst unter Vermittlung des mit Hessen erbverbrüderten Markgraf Balthasar von Thüringen. H. unterstützte daher in der Folgezeit die nach der innerstädtischen Herrschaft strebenden Zünfte gegen die mit dem Adel sympathisierenden städtischen Geschlechter. Auch in den Kämpfen mit der Rittergesellschaft „Von der alten Minne“, mit deren Hilfe Graf Johann von Nassau-Dillenburg territoriale Ansprüche durchzusetzen suchte, mit Graf Johann von Solms und der mit ihm verbündeten Reichsstadt Wetzlar sowie mit dem Abt von Fulda wußte sich H. zu behaupten.

    Für H. war es ein großer Gewinn, daß der hessische Erbfeind, das Kurfürstentum Mainz, in den ersten Jahren seiner Regierung durch eine Doppelwahl und das päpstliche Schisma weitgehend ausgeschaltet war. H. hatte 1376 Markgraf Ludwig von Meißen aus dem erbverbrüderten Haus Wettin fallengelassen und Adolf von Nassau als Erzbischof anerkannt. Als es Adolf gelungen war, sich allgemein durchzusetzen, nahm er den traditionellen Kampf des Erzbistums gegen das Haus Brabant um die Territorialbildung in Hessen wieder auf. Planmäßig brachte der junge Erzbischof eine große Koalition gegen H. zusammen, der unter anderem der Erzbischof von Köln, die Bischöfe von Münster und Osnabrück, Herzog Otto von Braunschweig-Göttingen, Markgraf Balthasar von Thüringen, den sich H. durch eigene Schuld zum Feinde gemacht hatte, der Graf von der Mark, die Rittergesellschaft der „Falkner“ und andere beitraten. Zwar belagerten die Verbündeten vergeblich Kassel, zwangen aber 1385 H. zu dem verlustreichen und demütigenden Vertrag von Immenhausen. Auch ein zweiter Krieg, den Adolf und Balthasar gegen H. mit dem Ziele, sein Land aufzuteilen, führten und in dessen Verlauf Kassel wieder vergeblich belagert wurde, endete mit einem für H. nachteiligen Friedensschluß (1387). H. machte inzwischen alle Anstrengungen, die Abwehrkräfte seines Landes zu verstärken und seine politische und militärische Lage zu verbessern: Er suchte sich mit dem Adel und den Städten auszusöhnen, befestigte Burgen und Städte und knüpfte mit auswärtigen Fürsten, besonders mit Kurfürst Ruprecht von der Pfalz, Verbindungen an. König Wenzel verband er sich dadurch, daß er der Krone Böhmen Homberg als Lehen auftrug (1388). Er griff sogar zu dem ungewöhnlichen und unzeitgemäßen Mittel, dem von EB Adolf I. nicht anerkannten römischen Papst Urban VI. eine große Zahl hessischer Städte und Burgen aufzulassen und von ihm gegen Zahlung eines Lehnszinses als echte Lehen entgegenzunehmen (1388); die Maßnahme blieb ohne Folgen. Auch ein dritter Versuch des Markgraf Balthasar, Kassel zu erobern, scheiterte (1388); gegen die Kasseler Ratsleute, die mit Balthasar gemeinsame Sache gemacht hatten, ging H. mit schweren Strafen vor. Erst der Tod seines Feindes Adolf (1390) beendete vorübergehend die Kämpfe. Der neue Erzbischof Konrad II. von Weinsberg räumte die besetzten hessischen Städte. Doch brachen unter|seinem Nachfolger Johann II., einem Bruder Adolfs, die alten Gegensätze wieder aus. Sie fanden 1405 ihr Ende durch einen Frieden, der H. die verlorenen Städte und Burgen zurückgab. Zu neuer Fehde mit Johann von Mainz führte ein von König Ruprecht, H. und anderen Fürsten geschlossener Bund zur Anerkennung des römischen Papstes Gregor XII., während der Erzbischof sich für den Gegenpapst Alexander V. entschied. Von großen Folgen für die kirchliche und politische Entwicklung Hessens hätte die Übertragung der geistlichen Gerichtsbarkeit durch Gregor XII. an den Dekan des von H.s Vorgänger Heinrich II. begründeten Martinsstiftes in Kassel werden können; doch sah sich H.s Nachfolger Ludwig I. am Ende des großen Schismas genötigt, sie an Mainz zurückzugeben. – H. war tatkräftig, aber auch unstet. Nicht wenige Auseinandersetzungen mit äußeren und inneren Gegnern in seiner von Kämpfen erfüllten Regierungszeit hat er unbesonnen selber verursacht. In der Bedrängnis aber erwies er sich als standhafter, zielbewußter und gewandter Politiker, als tapferer militärischer Führer. Erfolgreich schritt er auf dem Wege seines Oheims fort, die Landeshoheit auch gegen den Widerstand des Adels und der Städte weiter auszubauen. Trotz der langen Abwehrkämpfe gelangen ihm sogar einige territoriale Neuerwerbungen. Der Beiname „der Gelehrte“ ist erst seit dem 18. Jahrhundert belegt, aber vielleicht doch schon älter.

  • Literatur

    ADB XII;
    W. Friedensburg, Landgf. H. II. d. Gel. v. H. u. EB Adolf I. v. Mainz, in: Zs. f. hess. Gesch. u. Landeskde. 21, 1885;
    F. Küch, Btr. z. Gesch. d. Landgf. H. II. v. H., ebd. 27, 1892, 29, 1894, 40, 1907, 49, 1916;
    C. Knetsch, Das Haus Brabant, 1918-31;
    E. Schröder, Landgf. H. d. Gel., in: Hessenland 41, 1930;
    G. Tellenbach, Zur Pol. Landgf. H.s d. Gel. v. H., in: Qu. u. Forschungen aus italien. Archiven u. Bibl. 22, 1930-31;
    K. E. Demandt, Gesch. d. Landes Hessen, 1959;
    ders., Schrifttum v. Hessen I, 1965.

  • Autor/in

    Walter Heinemeyer
  • Empfohlene Zitierweise

    Heinemeyer, Walter, "Hermann II." in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 633-634 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137946635.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hermann II., als Regent I., gewöhnlich der Gelehrte genannt, Landgraf von Hessen, wurde um das J. 1342 geboren. Sein Vater war Ludwig, der zweite Sohn des Landgrafen Otto, seine Mutter Elisabeth, geborene Gräfin von Sponheim und Wittwe des schwäbischen Grafen Rudolf von Hohenberg. Da er keine Aussicht hatte, je zur Regierung in Hessen zu gelangen, so wurde er gleich seinem älteren, früh verstorbenen Bruder Otto für den geistlichen Stand bestimmt und erhielt deshalb eine gelehrte Bildung. Nachdem jedoch Otto, der einzige Sohn des regierenden Landgrafen Heinrich II., kinderlos gestorben war (10. Decbr. 1366), trat H. in den weltlichen Stand zurück, vermählte sich am 6. März 1368 mit Johanna, Tochter des Grafen Johann von Nassau-Merenberg, und wurde von seinem Oheim, dem alten Landgrafen Heinrich, zum Mitregenten und Nachfolger gewählt. Seit 1370 erscheint er neben Heinrich in den Urkunden und tritt immer mehr in den Vordergrund der Ereignisse. Sechs Jahre reich an Kämpfen, hatte H. seinem Oheime zur Seite gestanden, als dieser ins Grab sank (Juni 1376). Mit Hülfe der durch den Abschluß einer Erbeinung (1373) gewonnenen Markgrafen von Meißen, war es den beiden Landgrafen gelungen, sich im Kriege mit der mächtigen Rittergefellschaft vom Stern, an deren Spitze Graf Gottfried von Ziegenhain und der fehdelustige, als Tochtersohn Landgraf Heinrichs II. auf Hessen Ansprüche erhebende Herzog Otto von Braunschweig-Göttingen standen, zu behaupten. Aber das Land hatte schwer gelitten und die aufstrebenden hessischen Städte waren mit drückenden Abgaben belastet worden. So kam es, daß bald nach dem Regierungsantritt Hermanns zu Cassel eine Empörung wider ihn ausbrach. Die Aufständischen, besonders über einige seiner Räthe erbittert, brachten das Casseler Schloß in ihre Gewalt, und es bedurfte der Vermittelung des Markgrafen Balthasar von Meißen, um einen Ausgleich herbeizuführen (1378). Ein neuer Ritterbund, vom Horne genannt, welcher sich in dieser Zeit bildete, war nicht, wie die Sternergesellschaft, gegen Hessen gerichtet. H. verband sich vielmehr mit den Hörnergesellen zu gegenseitigem Schutz (Januar 1379) und konnte sich daher mit größerer Kraft gegen Erzbischof Adolf von Mainz wenden, da die selten ruhenden Streitigkeiten zwischen diesem Stifte und Hessen damals wieder schärfer hervortraten. Im Mai 1380 schloß er mit dem Kurfürsten Ruprecht von der Pfalz ein Bündnitz gegen den Erzbischof. Streifzüge, die er in diesem Jahre gegen Densberg, Mardorf und Mellnau unternahm, galten Dienern und Anhängern Adolfs. Inzwischen wurden die nördlichen Theile Hessens, namentlich die Gegend von|Frankenberg, durch den westfälischen Ritterbund vom Falken schwer geschädigt, und vermuthlich waren es Mitglieder dieses Bundes, in deren Gefangenschaft H. damals (1380) vorübergehend gerieth. Die freundlichen Beziehungen zu den Markgrafen von Meißen, welche in der Errichtung der thüringisch-hessischen Erbverbrüderung und in der gemeinsamen Bekämpfung der Sterner Ausdruck gefunden hatten, scheinen später erkaltet zu sein. Dagegen näherte sich H. seinem früheren Feinde Herzog Otto von Braunschweig-Göttingen. Am 2. October 1381 schlossen beide damals noch kinderlose Fürsten einen Vertrag, wonach für den Fall seines Todes ohne Leibeserben der Herzog dem Landgrafen das Herzogthum Göttingen, der Landgraf dem Herzog Niederhessen in der Weise verschrieb, daß der Ueberlebende das ihm zufallende Gebiet des Anderen erst nach Zahlung Von 300 000 Mark Silbers den Erben ausliefern solle. Diese Uebereinkunft enthielt seitens des Landgrafen eine schwere Verletzung der mit den Markgrafen von Meißen errichteten Erbeinung und mußte ihm, wenn sie zu deren Kenntniß gelangte, ihre Feindschaft zuziehen. Aber auch mit Otto dauerte das gute Einvernehmen nicht lange. Am 1. Januar 1383 starb nämlich die Landgräfin Johanna, worauf H. sich am 20. August zu Meiningen mit Margaretha, Tochter des Burggrafen Friedrich V. von Nürnberg, verlobte. Am 15. October fand zu Culmbach die Vermählung statt. Diese Verbindung minderte die Aussichten, welche dem Herzog Otto jenes Abkommen mit H. eröffnet hatte. Seine Verstimmung benutzte Erzbischof Adolf von Mainz, der namentlich wegen streitiger Gefälle des Stiftes Fritzlar und wegen der geistlichen Gerichte in Hessen mit H. zerfallen war. Zu Treyfa schloß er mit dem Herzog ein Bündniß für den Fall eines Krieges mit dem Landgrafen (30. Juni 1384). Vergeblich suchte dieser bei einer Zusammenkunft mit Otto zu Hohenrode (14. Juni 1384), denselben von feindlichen Schritten abzubringen. Er sah bald, daß der Friede nicht zu erhalten war, und warb sich Bundesgenossen an den Herzogen Albrecht von Sachsen und Ernst von Braunschweig. Der Krieg mit Otto begann bald darauf. Am 13. Decbr. 1384 verbrannten ihm die Hessen Grone und am 5. Mai 1385 Schneen. Inzwischen war es dem Erzbischof Adolf gelungen, auch den Markgrafen Balthasar von Meißen für seine kriegerischen Pläne gegen Hessen zu gewinnen (22. Febr. 1385). Begleitet von Erzbischof Friedrich von Köln, den Bischöfen von Münster, Paderborn und Osnabrück und dem Grafen Engelbert von der Mark rückte Adolf, nachdem er noch am 21. Juni zu Eltville den Grafen Heinrich von Henneberg zum Helfer geworben hatte, in Hessen ein. Vor Cassel vereinigte er sich mit Herzog Otto und mit dem Markgrafen Balthasar, der in raschem Zuge Eschwege, Sontra und Berneburg erobert hatte. Vergeblich belagerten die Verbündeten die Stadt Cassel. Dagegen wurde Immenhausen von ihnen erobert und verbrannt (19. Juli). H., der Uebermacht seiner Feinde, die das schutzlose Land weithin verwüsteten, erliegend, mußte rasch Frieden schließen. Bereits am 22. Juli gelobte er dem Erzbischof, die Geistlichkeit in Hessen in keiner Weise zu bedrücken und die geistlichen Gerichte nicht zu hindern, versprach ihm 20 000 Gulden Kriegskosten zu zahlen und verpfändete ihm dafür Grebenstein, Immenhausen und Wolfhagen. Mit Herzog Otto vereinbarte er, daß die mit demselben getroffene Erbeinung vom 2. October 1381 in Kraft bleiben solle. Dazu erhielt Otto die Burg Altenstein und das Zugeständniß, daß ihm gestattet sein solle, dem Erzbischof Adolf, falls dieser die Fehde gegen Hessen wieder aufnehme, Beistand zu leisten. Markgraf Balthasar dagegen, welcher eine Anzahl Casseler Bürger auf seine Seite gebracht hatte, trat, offenbar wegen der Aufrechthaltung jenes seine Erbrechte auf Hessen schädigenden Vertrages mit Otto, dem Frieden nicht bei, sondern setzte den Kampf fort. Bald erneuerten auch Adolf und Otto den Krieg gegen den Landgrafen. Am|28. März 1387 errichteten sie zu Eschwege mit Balthasar abermals einen Bund Wider H., so lange derselbe lebe, und einigten sich bereits über die Vertheilung seines Landes. Indessen begannen die Feindseligkeiten nicht sofort. H. suchte im Bewußtsein seiner gefahrvollen Lage den Markgrafen zu versöhnen. Bei einer Zusammenkunft zu Forchheim (1. Juli 1387) wühlten beide zur Schlichtung ihrer Streitigkeiten Schiedsrichter. Diese bestimmten, die hessisch-thüringische Erbeinung von 1373 solle giltig und die dagegen gerichteten Abmachungen mit Herzog Otto nichtig sein. H. solle die wegen Einverständnisses mit Balthasar vertriebenen Casseler Bürger bis auf 20 wieder aufnehmen und seine Städte dem Markgrafen die in der Erbverbrüderung vorgeschriebene Huldigung leisten lassen, worauf Balthasar die im Vorigen Feldzuge eroberten Orte Eschwege, Sontra und Verneburg zurückgeben solle. Letzteres war der Markgraf wol nicht geneigt zu thun; auch war er im Grunde schon durch den Vertrag vom 28. März gebunden. So mußten denn nochmals die Waffen entscheiden, und diese Entscheidung konnte bei der Uebermacht der Feinde nur gegen H. ausfallen. Nachdem der Erzbischof am 18. August dem Landgrafen Fehde angesagt hatte, drangen die drei Bundesgenossen zum zweiten Male in Hessen ein und eroberten in rascher Folge Rothenburg, Melsungen und Niedenstein. Aber Cassel vermochten sie auch diesmal nicht zu gewinnen. Bereits am 10. September wurde ein einjähriger Waffenstillstand geschlossen, der — später um ein weiteres Jahr verlängert — die eingenommenen Städte in den Händen der Eroberer ließ. Völlige Ruhe trat aber trotzdem noch nicht ein. Doch hat eine dritte Belagerung Cassels, die man in den October 1388 setzt, wol nicht stattgefunden. Nach dem Tode Erzbischof Adolfs ( im Februar 1390) bildete sich unter dessen friedliebenderem Nachfolger Konrad von Weinsberg ein besseres Verhältniß zwischen Mainz und Hessen. Konrad gab sogar die eroberten Städte Rothenburg, Melsungen und Niedenstein dem Landgrafen zurück (1394). Auch zu Herzog Otto und zu Markgraf Balthasar knüpfte H. wieder freundliche Beziehungen an. Im Juni 1390 verlobte er seine (bald darauf verstorbene) älteste Tochter Elisabeth mit Otto's gleichnamigem Sohne, trat im folgenden Jahre der von dem Herzog gegründeten, hauptsächlich zum Schutze des Landfriedens bestimmten Rittergesellschaft von der Sichel bei und unternahm später gemeinsam mit Otto und dem Bischof Ruprecht von Paderborn einen Zug gegen die räuberischen Herren von Padberg. Mit Markgraf Balthasar erneuerte er im Juli 1392 die Erbeinung und Verlobte seine Tochter Margarethe mit Balthasars Sohn Friedrich Doch kam die Vermählung wegen allzu naher Verwandtschaft nicht zu Stande. Ueber die Casseler Bürger, welche im Kriege Einverständniß mit dem Markgrafen unterhalten hatten, ließ er ein strenges Gericht ergehen. Neun derselben wurden hingerichtet und ihre Güter eingezogen (1391). Mächtige Landfriedensbündnisse, denen H. sich anschloß, sicherten die Ruhe in Hessen, die nur durch einen siegreichen Zug des Landgrafen gegen die Buchonische Ritterschaft (Mai 1396) unterbrochen wurde. Aber bald kamen wieder unruhige Zeiten. Die Ermordung Herzog Friedrichs von Braunschweig bei Fritzlar durch mainzische Dienstmannen (5. Juni 1400) und die zweideutige Haltung Erzbischof Johanns von Mainz gegenüber dem Verlangen auf Bestrafung der Thäter hatte bei den Freunden des Getödteten, darunter auch H., große Erbitterung erregt. Am 12. April 1402 verbanden sich zu Nordhausen Braunschweig, Thüringen und Hessen gegen Johann. Der Landgraf, in der Hoffnung, durch einen glücklichen Feldzug den Erzbischof aus dessen von Markgraf Balthasar von Meißen erlauschter Hälfte der Städte Eschwege und Sontra zu drängen, befestigte den Heiligenberg und belagerte Naumburg und Geismar. Vergeblich beredete König Ruprecht am 27. Septbr. 1402 zu Hersfeld die Gegner zu einer vorläufigen Waffenruhe.|Der Schiedsspruch, welchen er am 3. Febr. 1403 erließ, befriedigte die Streitenden nicht. Bereits am 20. Juli sandte H. dem Erzbischof abermals einen Fehdebrief, und am 17. October erneuerte er mit Braunschweig und Thüringen das Bündniß gegen Mainz. Erst am 19. März 1405 kam der Friede zu Stande. Erzbischof Johann verzichtete auf seine Hälfte an Eschwege und Sontra und gab dem Landgrafen die im Krieg gewonnenen Theile der Schlösser Zapfenburg und Allerburg zurück, wogegen dieser ihm das eroberte Gieboldehausen wieder überlieferte. Zu einem neuen Kriege mit Mainz gab der Streit zwischen Gregor XII. und Alexander V. um den päpstlichen Stuhl Anlaß. Im März 1410 vereinigten sich zu Marburg König Ruprecht und seine Söhne, die Pfalzgrafen Ludwig und Otto, mit den Herzögen Heinrich von Braunschweig-Lüneburg und Erich von Braunschweig-Grubenhagen und mit Landgraf H., an der Sache Gregors XII. festzuhalten und den Erzbischof Johann von Mainz als Anhänger des Gegenpapstes zu befehden. Der bereits im Mai erfolgende Tod des Königs hinderte nicht den Ausbruch des Kampfes zwischen Mainz und Hessen, in welchem der im Dienste des Erzstiftes stehende Graf von Waldeck das hessische Städtchen Kirchhain völlig niederbrannte. Am 29. Juni 1412 erfolgte ein Vorläufiger Friedensschluß, der die Streitpunkte der Entscheidung König Sigismunds unterwarf. Ein Jahr darauf, am 10. Juni 1413, starb H. Mit seiner zweiten Gemahlin Margaretha hatte er vier Söhne, Friedrich, Hermann, Heinrich und Ludwig, und vier Töchter, Anna, Elisabeth, Margaretha und Agnes. Von diesen allen überlebten ihn nur die beiden letztgenannten und Ludwig, sein Nachfolger. Unter Hermanns Regierung sah Hessen schwere Zeiten, und die blutigen Kriege, die über das Land hereinbrachen, waren zum Theil nicht ohne sein Verschulden entstanden. Nur die rastlose Thatkraft dieses Fürsten und sein unbeugsamer Muth, verbunden mit großer Klugheit und Gewandtheit ließen ihn alle Gefahren ohne dauernde Schädigung seines Hauses überwinden.

    • Literatur

      Mehrfach zu berichtigende Darstellung der Geschichte Hermanns bei Rommel, Geschichte von Hessen, II. S. 201—260. Wichtige Urkunden bei Sudendorf, Urkundenbuch zur Geschichte der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg, VI—IX. Ueber die Kriege in Hessen 1385—87 Excurs bei Lindner, Geschichte des Deutschen Reiches unter König Wenzel I., S. 420—23. Ueber den Todestag Hermanns Landau in der Zeitschrift für Hefsische Gesch. und Landeskunde. II. S. 222.

  • Autor/in

    Arthur , Wyß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wyß, Arthur, "Hermann II." in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 125-128 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137946635.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA