Lebensdaten
1838 bis 1906
Geburtsort
Berleburg (Westfalen)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Verleger ; Kunstsammler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119324261 | OGND | VIAF: 28064721
Namensvarianten
  • Lipperheide, Franz (bis 1892)
  • Lipperheide, Franz Freiherr von
  • Lipperheide, Franz (bis 1892)
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Zitierweise

Lipperheide, Franz Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119324261.html [30.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Theodor Hermann L. (* 1807), Justizamtsaktuar, S d. Joseph in Soest u. d. Margaretha Topp;
    M Louise (* 1814), T d. Gutsbes. Löser in Fahnen b. Soest;
    1) Berlin 1865 Frieda Gestefeld (1840–96), 2) Gießen 1898 Elisabeth verw. Eckstein (1867–1932), T d. Dr. med. Ferdinand Rouge, Kreisarzt in Hungen u. Lich, u. d. Ottilie Lisette Julie Kießling;
    N d. Ehefrau Hermann Eidmann ( 1949), Forstzoologe (s. NDB IV).

  • Leben

    L. machte zunächst in Hamm, dann bei F. Volckmar in Leipzig eine Buchhändlerlehre durch, kam 1862 nach Berlin und fand eine Anstellung im Verlag von Louis Schäfer, dem Herausgeber der damals in Berlin führenden Modenzeitschrift „Bazar“. Zusammen mit seiner ebenfalls in diesem Verlag tätigen Frau beschloß er, sich selbständig zu machen; noch im selben Jahr edierten sie ihre eigene Zeitschrift „Die Modenwelt, Illustrirte Zeitung für Toilette und Handarbeiten“ (erste Nr. 1.10.1865). Das vierzehntägig erscheinende Blatt erreichte schnell hohe Auflagen, und bereits nach wenigen Jahren konnte man es unter verschiedenen Titeln in zwölf Sprachen in fast allen europäischen Ländern sowie in Nord- und Südamerika beziehen. 1874 kam die „Illustrirte Frauen-Zeitung“ als „Ausgabe der Modenwelt mit Unterhaltungsteil“ hinzu, die ebenfalls florierte und seit 1912 unter dem Titel „Die Dame“ bis 1943 fortbestand. Weitere Werke, die in engem Zusammenhang mit der Thematik der Modenwelt standen, wie die „Blätter für Kostümkunde“ (1874-75), „Die Neue Folge“ (1876-91), herausgegeben von A. v. Heyden unter Mitarbeit von L. Burger, C. E. Doepler, F. Meyerheim, F. Skarbina und anderen, sowie „Muster altdeutscher Leinenstickerei“ (1878-93), herausgegeben von J. Lessing, oder die von Frieda Lipperheide gesammelten und bearbeiteten „Muster altital. Leinenstickerei“ (1881-83, 21883-92), publizierte L.s Verlag. Die Redaktion der Zeitschriften führte seine Frau mit Geschick und Umsicht bis zu ihrem Tode. Sie traf mit ihren praktischen Modeberichten und den Vorlagen für die häusliche Handarbeit den Geschmack ihrer Leser. Fast 400 Angestellte arbeiteten für das L.sche Unternehmen.

    Der glänzende Erfolg seiner Verlagstätigkeit brachte L. in die Lage, ein Sammler und Mäzen großen Stils zu werden. Sein Hauptanliegen galt zunächst dem Aufbau einer Bibliothek, die eine intensive Kostümforschung ermöglichte. Seit etwa 1870 erwarb er systematisch Quellenschriften und Sekundärliteratur über Mode und Volkstracht, über Amts-, Berufs- und Ordenstrachten, über Waffen und Uniformen, über Masken, Tanz und Theater, über Festlichkeiten, Sport und Spiel, Streit- und Spottschriften. Dazu kamen Werke über Weben und Wirken, über Schneidern, Sticken, Stricken und andere Handarbeiten, Modenzeitschriften und illustrierte Zeitungen sowie Almanache, 1899 schenkte L. diese heute noch bedeutendste Fachbibliothek dem preuß. Staat. Ein großer Saal im Erdgeschoß des Erweiterungsbaus in der Prinz-Albrecht-Straße bildete mit den Gemälden, Miniaturen und den neuentworfenen schönen birkenen Bücherschränken seit 1905 ein stimmungsvolles Ganzes. Heute ist die Bibliothek eine Abteilung der Kunstbibliothek Berlin mit Museum für Architektur, Modebild und Grafik-Design. Unter den 5 500 Büchern befinden sich zahlreiche bibliophile Kostbarkeiten. – Ergänzt wird der Bücherbestand durch eine große Anzahl von Einzelblättern (etwa 2700 Handzeichnungen, 23 700 Blatt Holzschnitte, Radierungen, Lithographien, 2 500 Photographien), inhaltlich den oben genannten Themen zugeordnet, sowie durch 686 Gemälde und 200 Bildnisminiaturen. Die Gemälde befinden sich heute in der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen Berlin (Ost).

    Dem Berliner Kupferstichkabinett erwies sich L. als großzügiger Mäzen. Er ermöglichte den Ankauf von 28 Rembrandt-Radierungen und sechs altital. Kupferstichen von großer Seltenheit aus der Sammlung des Herzogs von Buccleuch, die 1887 in London versteigert wurde. Auch das Berliner Antiquarium wurde mit einer wertvollen Zuwendung bedacht; 1905 ging die etwa 100 Stück umfassende Sammlung antiker Helme in den Besitz des preuß. Staates über. Die Helme sind heute im Antikenmuseum aufbewahrt. Eine umfassende Publikation über diese Sammlung kam nicht mehr zustande. Von den geplanten sechs Bänden existieren lediglich Andrucke des 3. und 4. Bandes. Auch L.s „Spruchwörterbuch“ kam erst postum 1907 heraus.

  • Werke

    Weiteres W Lieder zu Schutz u. Trutz, Gaben dt. Dichter, 1870.

  • Literatur

    Kat. d. Frhrl. v. L.schen Kostümbibl., 2 Bde., 1896–1905, neubearb. v. E. Nienholdt u. G. Wagner-Neumann, 1965;
    H. v. Zobeltitz, Ill. Frauen-Ztg. 33, 1906, H. 18 (P);
    J. Lessing, in: Dt. Rdsch. 32, 1906, H. 12, S. 5-7;
    P. Jessen, Die Frhrl. v. L.sche Kostümbibl. in d. Bibl. d. Kunstgewerbe-Mus., Amtl. Berr. aus d. Kgl. Kunstslgg. 29, 1908, Nr. 4, Sp. 95-101;
    A. W. Kiesling, Die|Stammbücher d. Bibl. d. Kgl. Kunstgewerbe-Mus. in Berlin, in: Vj.schr. f. Wappen-, Siegel- u. Fam.kde. 39, 1911, S. 160-211;
    ders., Die Porträt-Slg. in d. Frhrl. v. L.schen Kostümbibl. d. Kgl. Kunstgewerbe-Mus. in Berlin, ebd. 40, 1912, H. 12, S. 25-128, H. 2, S. 19-105;
    E. Nienholdt, La Bibl. du Costume „Lipperheide“ à Berlin, in: Actes du I. Congrès internat. d'hist. du costume. Venise 31.8.-7.9.1952, S. 177-83;
    G. Wagner, Der Sammler L., in: Jb. d. Stiftung Preuß. Kulturbes. III, 1964-65, S. 140-47.

  • Portraits

    Gem. v. F. Defregger, 1905 (Kunstbibl. Berlin mit Mus. f. Architektur, Modebild u. Grafik-Design), Abb. in: Ill. Frauen-Ztg., 1906, H. 18.

  • Autor/in

    Gretel Wagner
  • Empfohlene Zitierweise

    Wagner, Gretel, "Lipperheide, Franz Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 655 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119324261.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA