• Genealogie

    V Georg von Böhm-Ermolli (seit 1885, 1814-93), Major, S des Häuslers und Kirchendieners Georg Böhm in Kunewald bei Neutitschein und der Judith Kuntscher;
    M Maria Jos. (1825–93), T des Giuseppe Ermolli aus Mailand und der Regina De Vecchi.

  • Leben

    Nach Erziehung in der Kadettenanstalt St. Pölten und Absolvierung der Theresianischen Militärakademie wurde B. 1875 Leutnant beim Dragonerregiment 4. 1880-96 gehörte er dem Generalstab an, durchlief die Laufbahn eines höheren Kavallerieoffiziers im Truppendienst und wurde 1911 als General der Kavallerie Kommandant des I. Korps. Bei Kriegsbeginn 1914 übernahm B. die Führung der anfangs gegen Serbien aufmarschierenden 2. Armee, die aber bereits im August nach dem nördlichen Kriegsschauplatz verschoben wurde, so daß sie an der Sommeroffensive gegen Serbien nur beschränkt teilnehmen konnte. Bereits am 25.8.1914 übernahm B. in Ostgalizien das Kommando über seine in Versammlung begriffenen Verbände, mit denen er in die Kämpfe südlich und südwestlich von Lemberg eingriff, ohne freilich am Ausgang des Sommerfeldzuges etwas ändern zu können. Wohl aber hat er dadurch die geordnete Rückführung des Gesamtheeres ermöglicht. Nach dem Rückzug auf Krakau wurde die 2. Armee in einer geschlossenen Transportbewegung (8.-23.11.1914) in den Raum Rosenberg-Kreuzburg verlegt, wo sie gemeinsam mit deutschen Verbänden an der Verteidigung Preußisch-Schlesiens mitwirkte. Mitte Februar 1915 übernahm B. mit dem 2. Armeekommando einen zwischen der 3. Armee und der deutschen Südarmee eingeschobenen Abschnitt der Karpathenfront, den er in schweren und wechselvollen Kämpfen behauptete. Nach dem Durchbruch bei Gorlice schloß er sich mit seiner Armee dem allgemeinen Angriff an, zog am 22.6.1915 in das eroberte Lemberg ein und drang schließlich bis an den Sereth vor. Vom 19.9.1915 bis zum 15.6.|1916 führte er eine aus der 1. und 2. Armee bestehende Heeresgruppe (7.5.1916 Generaloberst). In den Abwehrschlachten des Sommers 1916 an der Ostfront gab er mit seiner Armee nur verhältnismäßig geringen Raum preis. Hingegen konnte die von ihm wiederum seit dem 5.10.1916 befehligte Heeresgruppe (2. Armee und Südarmee, später auch 3. Armee) im Sommer 1917, nach Abwehr der Kerenski-Offensive, im Gegenangriff Ostgalizien und Czernowitz zurückerobern. Im Juli dieses Jahres erhielt B. das Kommandeurkreuz des Militär-Maria-Theresien-Ordens. - Die Mitwirkung der 2. Armee an der Besetzung der Ukraine im März 1918 war die letzte operative Aufgabe des am 31.1.1918 zum Feldmarschall ernannten Heerführers. Infolge Rangschwierigkeiten mit den Verbündeten wurde der durch seine ruhige und sichere Führung stets vom Erfolg begleitete Marschall durch kaiserliches Handschreiben am 16.5.1918 von seinem Posten abberufen, aber nach der mißglückten Junischlacht in Italien eine Zeitlang als neuer Chef des Generalstabs in Aussicht genommen. Nach Kriegsende zog sich der bis in das hohe Alter rüstige Feldherr in seine schlesische Heimat zurück. - Für B.s Charakter ist bezeichnend, daß über seine Persönlichkeit relativ wenig bekannt ist. Still und bescheiden trat er ganz hinter sein Werk zurück, das allerdings für seine Leistung als Feldherr Zeugnis genug ist.

  • Werke

    Der Nachlaß im Reichsarchiv Troppau wurde 1945 auf d. Verlagerungstransport geplündert u. d. Rest (u. a. d. Ms. seiner Erinnerungen) Anfang Juli 1945 d. Landesarchiv Troppau zurückgestellt.

  • Literatur

    Unsere Heerführer, hrsg. v. A. Veltzé, 1917, = Donaulandbücherei II, S. 65 ff. (P);
    Österr. Wehrztg., 1926, Nr. 8, 1936, Nr. 7;
    Österr.-Ungarns letzter Krieg 1914–18, hrsg. v. Kriegsarchiv Wien, 1930–38;
    C. v. Bardolff [Gen.stabschef B.s], Soldat im alten Österr., 1938;
    O. Hofmann-G. Hubka. Der Militär-Maria Theresien-Orden, 21944, S. 27 f. (P);
    Enc. Italiana, Mailand-Rom 1929 ff.

  • Portraits

    Phot., Ölgem. v. J. Q. Adams u. v. H. Hanatschek sowie Bronzebüste v. M. Ligeti (Heeresgeschichtl. Mus. Wien);
    Phot. (Kriegsarchiv Wien).

  • Autor/in

    Johann Christoph Allmayer-Beck
  • Empfohlene Zitierweise

    Allmayer-Beck, Johann Christoph, "Böhm-Ermolli, Eduard Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 386 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116220791.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA