Lebensdaten
1883 bis 1956
Geburtsort
Celle
Sterbeort
Düsseldorf
Beruf/Funktion
Politiker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118727206 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lehr, Robert

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Zitierweise

Lehr, Robert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118727206.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Oskar (1847–1923), preuß. Gen.-Major, Hofmarschall d. Ghzgn. v. Luxemburg, S d. Georg (1807–89), nass. Archivar u. Hofrat, u. d. Louise Vigelius;
    M Clara (1847–1923), T d. Fabr. Carl Heinr. Stück (1812–80) in Kassel u. d. Amalie Hölke gen. v. Sturmfeder;
    Ov Karl (1842–1929), Oberbgm. v. Duisburg;
    Schw Carla (1877–1958), Kunstmalerin;
    - Düsseldorf 1909 Aenne (1880–1968), T d. Fabr. Hermann Steinbach in Oberbrügge (Westfalen); kinderlos.

  • Leben

    L. trat nach dem Abitur am Realgymnasium Koblenz und dem Studium der Rechtswissenschaften (Marburg, Berlin und Bonn), das er mit der Promotion zum Dr. iur. (Heidelberg 1908) und der großen juristischen Staatsprüfung (1912) abschloß, in den preuß. Verwaltungsdienst ein. In Düsseldorf leitete er das Polizei- (1914–18) und das Finanzdezernat (1919–24); 1924 wurde der parteilose L. zum Oberbürgermeister gewählt. Leitlinie seiner Tätigkeit war, Düsseldorfs Position als Rheinmetropole gegenüber der Rivalin Köln zu stärken. Durch die Ansiedlung von Industrieunternehmen, den Ausbau des Flughafens und städtebauliche Projekte leitete L. eine Phase des wirtschaftlichen Aufstiegs ein. Seine Verdienste für Wirtschaft und Sozialwesen fanden öffentliche Anerkennung durch die GESOLEI (Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübung, Düsseldorf 1926). In der Frage der kommunalen Neuordnung setzte L. die Düsseldorfer Ansprüche auf Eingemeindungen und Gebietszuwachs wenigstens teilweise durch, allerdings unter Verzicht auf seine parteipolitische Neutralität. Anfang 1929 wurde er Mitglied der DNVP, in der er dem gemäßigten Flügel um Graf Westarp angehörte.

    Nach der Machtergreifung Hitlers wurde L. im April 1933 verhaftet und wegen angeblicher Beamtenbestechung angeklagt; nach fünfmonatiger Haft amnestiert, lebte er bis Kriegsende als Privatmann in Düsseldorf. Er gehörte seit 1935 dem interkonfessionellen Widerstandskreis um K. Arnold und W. Hensel an. 1945 wurde er zunächst als Bürgermeister in Oberbrügge (Westfalen) eingesetzt, im Nov. 1945 zum Oberpräsidenten der Nordrheinprovinz berufen. L., Mitbegründer der CDU Düsseldorf, hatte in der Nachkriegszeit zahlreiche Ämter inne, u. a. war er Vorstandsmitglied der CDU-Rheinland, Präsident des ernannten Landtags von Nordrhein-Westfalen (1946–47), Landtagsabgeordneter (1947–50), Mitglied des Parlamentarischen Rates, Mitglied des Bundestages (1949–53). L., ein prot. Konservativer aus großbürgerlichem Milieu, geprägt durch Disziplin, Pflichtbewußtsein und rechtsstaatliches Denken, befürwortete einen Staat auf christlicher Grundlage, eine Orientierung am Gemeinwohl vor allen Parteiinteressen, die Stärkung des Föderalismus und die Erziehung zum mündigen Bürger. 1950 berief ihn Adenauer als Nachfolger von G. Heinemann zum Bundesminister des Innern; somit war L. in der Aufbauphase der Bundesrepublik Deutschland für Polizei und Verfassungsschutz, Sport und Kultur zuständig. Besonders setzte er sich, bedingt durch die Erfahrung des Scheiterns der Weimarer Republik, für den Schutz der Demokratie nach innen und außen (Aufbau des Bundesgrenzschutzes) ein, ferner für die Wiederherstellung des Beamtenrechts und die Förderung der Jugend. Während seiner gesamten politischen Laufbahn verstand er sich vor allem als Verwaltungsexperte, weniger als Parteipolitiker. Neben seinen politischen Ämtern hatte L. zahlreiche Aufsichtsratsmandate und Ehrenämter inne, er war u. a. Präsident der von ihm gegründeten Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Vorsitzender des Marburger Universitätsbundes, Ehrenbürger der Universitäten Bonn und Düsseldorf.

  • Literatur

    W. Henkels, Zeitgenossen, 50 Bonner Skizzen, 1953, S. 125-27;
    W. Först, R. L. als Oberbgm., Ein Kap. dt. Kommunalpol., 1962;
    ders., in: Aus|dreißig J., Rhein.-Westfäl. Politiker-Porträts, 1979, S. 66-83;
    ders., in: Rhein. Lb. III, 1968, S. 249-69 (L, P);
    W. Hensel, in: Christl. Demokraten d. ersten Stunde, 1966, S. 211-39 (P);
    B. Kaff, in: Die Gründung d. Union, Traditionen, Entstehung u. Repräsentanten, hrsg. v. G. Buchstab u. K. Gotto, 1980, S. 191-207 (P);
    Hdb. d. Landtages Nordrhein-Westfalen, 1949;
    Amtl. Hdb. d. Dt. Bundestages, 1. Wahlperiode, 1949. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Bundesarchiv Koblenz u. Stadtarchiv Düsseldorf.

  • Portraits

    Ölgem. v. K. Schwesig, Bronzebüste v. B. Breker, beide ca. 1925 (Stadtmus. Düsseldorf).

  • Autor/in

    Brigitte Kaff
  • Empfohlene Zitierweise

    Kaff, Brigitte, "Lehr, Robert" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 112-113 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118727206.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA