Lebensdaten
1754 bis 1825
Geburtsort
Kassel
Sterbeort
Kassel
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118714309 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jussow, Heinrich Christoph
  • Jussow, Heinrich C.
  • Jussow, Heinrich Christof

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Zitierweise

Jussow, Heinrich Christoph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118714309.html [17.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Friedrich (1701–79), Architekt, Oberbauinsp. in K. (s. ThB), S d. Pfarrers Joh. Ernst in Niedernjesa b. Göttingen u. d. Rosina Margarethe Hüpeden;
    M Katharina Elisabeth (1715–79), T d. Amtsvorstands Friedrich Henrich Stoffregen in Bredenbeck/Deister;
    Tante-m Henr. Margarethe ( Joh. Heinr. Laves, Amtsschultheiß zu Hann.-Münden); - ledig;
    N Gg. Ludw. Frdr. Laves ( 1864), Oberhofbaudir. in Hannover.

  • Leben

    Erst im Alter von fast 24 Jahren wandte sich J. 1778 der Architektur zu. Vorangegangen waren vor allem mathematische Studien seit 1771 am Collegium Carolinum seiner Vaterstadt im Wechsel mit juristischen an den Universitäten Marburg und Göttingen. Nach anfänglich untergeordneter Tätigkeit beim landgräfl. Baudepartement wurde er auch Architekturlehrer an der Kasseler Akademie. Grundlegend für J.s baukünstlerische Entwicklung waren die Beschäftigung mit architekturtheoretischen Schriften des Barocks sowie das Bauschaffen seines Vorgesetzten Simon Louis Du Ry. Mit einem Stipendium des Landgf. Friedrich II. von Hessen reiste J. 1783 zunächst nach Frankreich, wo er in Paris zwei Jahre die Akademie besuchte und dabei unter dem Einfluß des Hofarchitekten Charles de Wailly stand, der bereits künstlerische Beziehungen zum hess. Hof unterhielt. Dann folgte ein Italienaufenthalt, bei dem er sich vor allem in Rom, Neapel und auf Sizilien dem Antikenstudium gewidmet hat. Auf Wunsch des seit 1785 regierenden Landgf. Wilhelm IX., Sohn einer engl. Mutter, schloß J. eine Englandreise bis etwa 1788 zur Erwerbung von Kenntnissen der Cottage-Architektur an. Nach dem Tode von S. L. Du Ry (1799) erhielt J. dessen Stelle und übernahm auch Du Rys Posten als Direktor der Architekturabteilung an der Akademie. Während der franz. Herrschaft unter Kg. Jérôme blieb er als „Direktor der Krongebäude und Generalinspekteur der Brücken, Chausseen und öffentlichen Gebäude“ im Amt und nahm danach unter den hess. Kurfürsten seine alte Stellung wieder ein, so daß er als Oberhofbaudirektor seine Laufbahn beenden konnte.

    J.s Architektur, die zunächst vom engl. Palladianismus Du Rys geprägt war, gewann beim Weiterbau des von seinem Vorgänger begonnenen Schlosses Wilhelmshöhe (seit 1790) eine geläuterte monumentale Ausprägung unter Verzicht auf überflüssige Bauzier. Fast gleichzeitig begann er mit der Planung der Löwenburg in dem von ihm im engl. Stil zum größten Naturpark Deutschlands gestalteten Wilhelmshöher Park. Der seit 1793 als neogotische Ruine ausgeführte Bau läßt den Eigenwert der einzelnen Bauteile stark hervortreten, so daß dadurch das Gesamtgefüge gegenüber einer damals bevorzugten malerisch-romantischen Baugesinnung fast chaotisch wirkt. J.s unabhängige künstlerische Haltung, die sich wie bei den Wilhelmshöher Parkbauten nicht in der eintönigen Nachahmung bestimmter Stilformen erschöpft hat, zeigt sich auch in seiner selbständigen Deutung des Chinesischen beim Gartenhaus zu Altenhaßlau bei Gelnhausen (1808).

    Neben seinen nur teilweise verwirklichten städtebaulichen Planungen für Kassel verdient aber J.s Entwurf für die 1820 grundgelegte Chattenburg, die durch das frühe Ableben ihres Bauherrn, Kf. Wilhelm I. 1821, bis zum Abbruch 1870 als Torso bestand, Beachtung. Diese großzügige Residenzplanung mit zwei Binnenhöfen und zwei, eine Quadriga flankierenden Rundtempeln auf der Dachzone läßt ein schöpferisches Nachleben der franz. Revolutionsarchitektur verspüren: Schmucklose, kolossale Säulen sind in straffen Reihungen Fassadenbestandteil der kubisch geformten Gebäudeteile, die insgesamt einen zu höchster Monumentalität gesteigerten Baukörper am Fuldahochufer von Kassel ergeben hätten. J. wollte mit der Chattenburg eine neue Architekturauffassung in der hess. Baukunst einleiten, die seine Nachfolger und Schüler Daniel Engelhard, Johann Conrad Bromeis (1788–1854) und Julius Eugen Ruhl (1796–1871, beide s. ThB) sowie G. F. L. Laves im Königreich Hannover bei ihren Bauten nur im traditionellen Klassizismus weitergeführt haben.

  • Literatur

    NND III, 1825;
    H. Kramm, in: Lb. aus Kurhessen u. Waldeck II, 1940, S. 219-35 (ausführl. L, P);
    H. Vogel, H. Ch. J., Ausstellungskat., Kassel 1958 (W, P);
    P. Heidelbach, Kassel, Neudr. 1959, S. 74, 206, 288 f. u. ö.;
    G. Hoeltje, Gg. Frdr. Ludw. Laves, 1964, S. 5, 8 f., 14 ff. u. ö.;
    G. Dehio, Hdb. d. dt. Kunstdenkmäler, NF, Hessen, 1966, S. 13, 242, 453 u. ö.; Amtl. Führer:
    Die Löwenburg, 1965;
    Park Wilhelmshöhe, 3. Aufl. o. J. (n. 1966);
    Schloß Wilhelmshöhe, 21968;
    ThB;
    W. v. Both u. H. Vogel, Landgf. Friedrich II, 1973, S. 204;
    Wasmuths Lex. d. Baukunst III, 1931. |

  • Quellen

    Qu.: Zeichner. Nachlaß u. Holzmodell d. Chattenburg mit Umgebung in Kassel, Staatl. Kunstslgg.

  • Autor/in

    Hans Reuther
  • Empfohlene Zitierweise

    Reuther, Hans, "Jussow, Heinrich Christoph" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 702 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118714309.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA