Lebensdaten
1848 – 1903
Geburtsort
Bilin (Bílina, Böhmen)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Photograph ; Zeichenlehrer
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 119532654 | OGND | VIAF: 3283026
Namensvarianten
  • Watzek, Johann Joseph (eigentlich)
  • Watzek, Hans
  • Watzek, Johann Joseph (eigentlich)
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Zitierweise

Watzek, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119532654.html [20.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Wenzel Johann (1814–58), Kauf- u. Handelsmann in B., S d. Joseph, Maierhofpächter in (Groß-)Priesen (Böhmen), u. d. Franziska Bauer, aus Leinitz b. Milleschau (Milešov, Böhmen);
    M Maria, T d. Joseph Bauer, Müllermeister in Leinitz, u. d. Katharina Buck, aus Leitmeritz, Bürger-T;
    B Josef (Josephus) (1851–1918), Patentinh. in B., Wilhelm (1856–1914), k. k. Official im Artillerie-Zeugs-Depot in Komorn/ Donau, Schw Maria (1852–1918, N. N. Proskowetz, Forstbeamter in Janegg b. Dux, Böhmen);
    – ledig.

  • Biographie

    W. besuchte die Kommunal-Oberrealschule in Leitmeritz. 1866 trat er in die Leipziger Kunstakademie ein und wechselte ein Jahr später an die Akademie der Bildenden Künste in München. Ab 1869 war er als selbständiger Maler tätig. 1872 absolvierte er einen Zeichenlehrkurs an der k. k. Kunstgewerbeschule in Wien, wurde Lehrer in Komotau (Chomutov, Böhmen) und zog 1875 endgültig nach Wien, wo er seine Tätigkeit als Zeichenlehrer bis zu seinem Tod ausübte. 1890 begann W. zu photographieren und trat im Mai 1891 dem „Club der Amateur-Photographen“ (später „Camera-Club“) in Wien bei. Er schloß Bekanntschaft mit dem Naturwissenschaftler, Graphiker und Kunstphotographen Hugo Henneberg (1863–1918), unternahm erste Versuche mit der Lochkamera und entwickelte das sog. Monokel – ein einfaches achromatisches Brillenglas, das als Linse in eine objektivlose Kamera eingesetzt wurde. 1894 lernte W. den Photographen Heinrich Kühn (1866–1944) kennen und begann einen regen Briefwechsel mit diesem. Im Jahr darauf startete er erste Versuche mit der Technik des Gummidrucks, einer auf einem photographischen Negativ basierenden Edeldrucktechnik, 1896 Versuche mit dem Kombinationsgummidruck. Im Dez. 1896 entwickelte er den Dreifarbigen Gummidruck. Mit Henneberg und Kühn reiste er u. a. an den Bodensee, nach Bayern und nach Hamburg. 1897 bekräftigten sie ihre Verbundenheit durch die Gründung des „Trifoliums“, einer Gruppe innerhalb des Camera-Clubs. Ab diesem Zeitpunkt signierten die drei Amateurphotographen ihre Arbeiten und Briefe meist mit dem stilisierten Symbol eines dreiblättrigen Kleeblatts. In der Folge beteiligte sich W. an nationalen wie internationalen Fotoausstellungen, darunter an Ausstellungen in der Sezession München (1898), der Wiener Secession (1902) und dem Hagenbund (1902).

    W. gilt neben Kühn und Henneberg als bedeutendster Vertreter der Wiener Kunstphotographie um 1900 und als einer der Begründer des internationalen Piktorialismus. Durch die Tätigkeit als bildender Künstler geschult, verband er seinen ästhetischen Anspruch mit einem starken Interesse an technischen Aspekten der Photographie. Sein Anliegen war es, die Photographie zu einem künstlerischen Medium aufzuwerten und der Malerei gleichzustellen. W. wandte sich von der konventionellen, dokumentarisch genauen Landschaftsphotographie ab und wählte intime Naturausschnitte, die er in malerischer Unschärfe wiedergab und als „Stimmungsskizzen“ bezeichnete. Um atmosphärische Phänomene wiederzugeben, entwickelte er das Monokel und bevorzugte anfangs den Platindruck. Auch im Stilleben und im Porträt setzte W. die Unschärfe als formales Mittel ein. Die bis dahin in der Atelierphotographie erwünschte exakte Ähnlichkeit gab er zugunsten einer individuellen Auffassung des Modells auf.

    W., Henneberg und Kühn lieferten durch die gemeinsame Entwicklung technischer Modifikationen des Gummidrucks wesentliche Impulse für eine neue photographische Ästhetik. Den Gummidruck charakterisiert eine weiche Auflösung der Gegenstandskonturen und eine erhöhte Reduktion der Details, die Naturformen verschwimmen zu großen tonalen Massen. Durch die Weiterentwicklung dieser Technik wie auch durch die freie Wahl von Bildgröße und Farbgebung konnten die Kunstphotographen ihre künstlerischen Vorstellungen noch weiter befördern; W. selbst schrieb dem Gummidruck eine der Handzeichnung vergleichbare Optik zu. Das Trifolium popularisierte den Gummidruck sowohl|unter den Vereinskollegen wie auch in der internationalen kunstphotographischen Szene.

  • Auszeichnungen

    |Mitgl. d. Ver. Österr. Zeichenlehrer (1876), d. Linked Ring (1893) u. d. Ges. z. Förderung d. Amateur-Photographie Hamburg (1896).

  • Werke

    |u. a. in Berlin, Kunstbibl. d. Staatl. Museen zu Berlin Preuß. Kulturbes.;
    Dresden, Kupf.-Kab., Staatl. Kunstslgg. Dresden;
    Essen, Mus. Folkwang;
    Hamburg, Mus. f. Kunst u. Gewerbe;
    Köln, Mus. Ludwig;
    Wien, Albertina;
    Schrr.: Ueber photogr. Aufnahmen mit d. Monokel, in: Photogr. Rdsch., 1892, Nr. 4, 6. Jg., S. 113–16;
    Zur Technik d. künstler. Photogr., in: Wiener Photogr. Bll., 1894, Nr. 1, 1. Jg., S. 2–5;
    Über d. Künstlerische in d. Photogr., ebd. Nr. 8, S. 161–63;
    Aus d. Praxis d. Gummidruckes, ebd. 1896, Nr. 7, 3. Jg., S. 133–37;
    Farbiger Gummidruck, ebd. 1897, Nr. 2, 4. Jg., S. 33–34;
    Der Gummidruck: I. Die Technik, in: Die Photogr. Kunst im Jahre 1902, Jb., S. 82–86;
    Die Technik d. Gummidrucks, in: F. Matthies-Masuren (Hg.), Gummidrucke v. Hugo Henneberg Wien, Heinrich Kühn Innsbruck u. H. W. Wien, o. J. [1902], S. 4–6.

  • Literatur

    |H. W. – Wien, in: Photogr. Cbl., Nr. 1, 3. Jg., 1899, S. 2–7;
    F. Matthies-Masuren (Hg.), Gummidrucke (…) (s. W);
    ders., H. W., in: Photogr. Rdsch., 1903, 17. Jg., S. 161–64;
    E. J. Steichen, H. W. – obituary, in: Camera Work, Nr. 4, 1. Jg., 1903, S. 54;
    A. Horsley Hinton, Pictorial Photography in Austria and Germany, in: Art in Photography, The Studio, Sondernr., 1905, S. G1-G8;
    H. Kühn, Erinnerungen an H. W., in: Photogr. Rdsch. u. Mitt., 1923, Nr. 6, 60. Jg., S. 85–90;
    H. Speer, Die Wiener Schule, Hugo Henneberg – Heinrich Kühn – H. W., in: Kunstphotogr. um 1900, Ausst.kat. Mus. Folkwang Essen 1964, S. 19–21;
    I. M. Kimeswenger, Der Kunstfotograf H. W. (1848–1903), Dipl.arb., Wien 1994;
    J. Krichbaum, Lex. d. Fotografen, 1981.

  • Porträts

    |L. David, Porträts H. W., 1892 (Albertina Wien);
    H. W., Selbstporträt als Bergsteiger an d. Felswand, 1895, Abb. in: Heinrich Kühn, Die vollkommene Fotogr., hg. v. M. Faber u. A. Mahler, Ausst.kat. Albertina Wien 2010, S. 31;
    H. Kühn, H. W., um 1897, Abzug v. A. Defner nach e. Negativ v. H. Kühn, 1930er J., Postkarte, Abb. ebd., S. 231.

  • Autor/in

    Astrid Mahler
  • Zitierweise

    Mahler, Astrid, "Watzek, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 455-456 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119532654.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA