Lebensdaten
1902 bis 1979
Geburtsort
München-Gladbach
Sterbeort
Bad Salzhausen (Oberhessen)
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Rundfunkjournalist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118888072 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Laven, Paul

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Zitierweise

Laven, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118888072.html [19.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann, Volksschullehrer: M Anna Marin Agnes Klara Bosch;
    Frankfurt/M. 1933 Elinor, T d. Rechtsrats Richard v. Obstfelder in Mainz;
    2 K.

  • Leben

    Während seines Studiums in Bonn und Freiburg i. Br. begann L. mit journalistischen Versuchen. Die freie Mitarbeit als Berichterstatter konzentrierte sich bald auf die „Frankfurter Zeitung“ und die im gleichen Verlag erscheinende Wochenzeitschrift „Das Illustrierte Blatt“. Mit besonderem Interesse beobachtete er zu jener Zeit die Entstehung eines neuen Mediums: Im Dez. 1923 wurde in Frankfurt die „Südwestdeutsche Rundfunkdienst AG/SWR“ gegründet, die am 31.3.1924 ihren Programmbetrieb aufnahm. Im April 1925 begann L. seine rundfunkpublizistische Arbeit beim SWR in Frankfurt. 1926 wurde er in Freiburg mit einer Arbeit über den kath. Theologen und Kirchenpolitiker Ignaz Heinrich Frhr. v. Wessenberg zum Dr. phil. promoviert. L. bekam 1926 eine feste Anstellung beim SWR als Leiter der neu eingerichteten Abteilung Zeitgeschehen. Wie Alfred Braun bei der Berliner oder Bernhard Ernst bei der Kölner Rundfunkgesellschaft, bestimmte er hier im kommenden Jahrzehnt die Entwicklung rundfunkeigener Formen der Berichterstattung beispielgebend mit. L. hatte sich, was die Gegenstände und Themen seiner Berichte betraf, an die „Richtlinien für den Nachrichten- und Vortragsdienst der Sendegesellschaften“ des Reichsministers des Innern vom 2.12.1926 zu halten, wonach das gesamte aktuelle Material, die „politischen Nachrichten“, von einer zentralen Nachrichtenagentur des Rundfunks, der „Dradag“ (Drahtloser Dienst AG) in Berlin geliefert wurde. L. und seinen Kollegen in den anderen örtlichen Rundfunkgesellschaften blieben deshalb nur die Beschaffung, Bearbeitung und Verbreitung von „unpolitischen Nachrichten“; dazu zählten nach den Richtlinien besonders die Sport-, Wetter- und Wirtschaftsnachrichten und die Lokalmeldungen. Anfangs fügten sich solche Nachrichten und Berichte in das übrige Wortprogramm ein, dessen Herstellung durch die damals übliche Bezeichnung „Vortragsdienst“ charakterisiert ist. L. sprach seine Beiträge im Studio meist selbst. Eine Arbeitsteilung zwischen Autor und Sprecher war noch nicht üblich. Dieser Umstand bot dem rednerisch begabten L. die Möglichkeit des Stegreifsprechens in der – zunächst nachträglichen – freien Darstellung auch solcher Ereignisse und Situationen, die im Studio selbst zur unmittelbaren Übertragung („live“) inszeniert wurden. L. veranstaltete beispielsweise seit 1926 über mehrere Jahre täglich – außer sonntags – ein Programm mit Morgengymnastik. Im übrigen widmete er sich einem breiten Spektrum von Ereignissen in Frankfurt und im weiteren Sendegebiet des SWR. Dabei wurden gelegentlich, wie heute in den Magazin-Programmen des Hörfunks, Berichte vom Ort des Geschehens telephonisch in ein laufendes Programm eingespielt. Schließlich nahmen die Reporter ihr Mikrophon mit zum Ort des Ereignisses; das geschah fast gleichzeitig bei mehreren Rundfunkgesellschaften nach 1924 und markierte den Beginn der Außenübertragung. Das Mikrophon fing zunächst nur die Tonkulisse des Geschehens selbst ein; Reden, Stimmen, Geräusche, Musik, allenfalls kurz erläutert von einem anwesenden Redakteur. Der Schritt von der bloßen Erläuterung zur unmittelbaren Darstellung eines Geschehensablaufs war der Schritt zu einer medienspezifischen Ausdrucksform, zur Rundfunkreportage. Mit seinem Bericht über den Endkampf der Boote bei einer Main-|Regatta am 28.6.1925 für den SWR Frankfurt wurde L. einer der ersten Rundfunkreporter. Ermutigt und bestätigt durch die Reaktion der Hörerschaft, der Fachpresse und der Kollegen, entwickelte L. den Stegreifbericht zu einer thematisch außerordentlich vielseitigen Darbietungsform. Alltägliches und Außergewöhnliches, besonders aus der Arbeits- und Berufswelt („Sozialberichterstattung“), wurde in seinen Berichten zum Hörerlebnis. Durch Vielfalt und Niveau der Reportagen wurde L. rasch über das Sendegebiet des SWR hinaus bekannt. In Rundfunkzeitschriften (Sendung, 1930–32; Europa-Stunde, 1930 u. 1932) veröffentlichte er Beiträge über Gestaltungsfragen des Rundfunkberichts, besonders über Sportberichterstattung. Reportagen von Fußballspielen, Autorennen auf dem Nürburgring und auf der Avus und endlich der Olympiade 1936 in Berlin stellten Höhepunkte seiner Arbeit als Sportreporter dar. Im Juni 1936 wurde L. von Frankfurt zum Reichssender Leipzig versetzt als Leiter des Zeitfunks und schließlich im Mai 1939 mit der Bezeichnung „Chefsprecher“ in die Reichssendeleitung Berlin.

    Wenige Monate später, nach dem Ausbruch des 2. Weltkriegs, wurde L. als Kriegsberichter dienstverpflichtet. Auf einer Dienstreise erlitt er am 27.10.1939 einen schweren Autounfall, der eine Berufsausübung über viele Jahre unmöglich machte. Er mußte sich auf seinen Bauernhof bei Bad Salzhausen zurückziehen und begann wieder für die Presse zu arbeiten; er schrieb Sport- und Reiseberichte, Essays und Erzählungen, vor allem Tiergeschichten. Seine berufspraktischen Erfahrungen stellte er 1941 in dem Buch „Der Weg zum Rundfunkwerk“ zusammen. Nach dem Krieg gelang es L. nicht mehr, bei den neuen Runfunkanstalten Fuß zu fassen; der „Hess. Rundfunk“, die Nachfolgeorganisation des SWR in Frankfurt, lehnte 1950 seine Wiedereinstellung ab. Nur gelegentlich noch war seine Stimme zu hören, bisweilen in Programmen des „Südwestfunk“ Baden-Baden, und auch im „Zweiten Deutschen Fernsehen“ war er nur einige Male als Gast neben einer neuen Reportergeneration zu sehen. L. schrieb einige erfolgreiche Sportbücher und sportpolitische Beiträge für die Presse.

  • Werke

    Weitere W u. a. Mikrophon im Tanz d. Welt, in: Im Banne d. Mikrophons, hrsg. v. A. Mühr, 1931, S. 133-56 (P);
    Hörbericht - Hörbild - Funkschau, in: Schulfunk 6, 1932, H. 24, S. 642 f.;
    Darst.formen d. Zeitfunks, in: Rufer u. Hörer 2, 1932/33, H. 10, S. 448-53;
    Stegreifdarst. u. Spannung d. Augenblicks, ebd. 4, 1934, H. 5, S. 204-06;
    Fair Play, Meister d. Sports im Kampf, 31968;
    Fußball-Melodie, Erlebtes u. Erlauschtes, 1953;
    Bunte erregende Welt, 1965;
    Aus d. Erinnerungsbrevier e. Rundfunkpioniers, in: Lit. u. Rundfunk 1923–33, hrsg. v. G. Hay, 1975, S. 5-39;
    Tonträger mit Berr. v. L., in: Tonaufnahmen z. dt. Rundfunkgesch. 1924–45, 1972.

  • Literatur

    A. Diller, Die erste Sportübertragung im dt. Rundfunk, in: Publizistik 17, 1972, H. 3-4, S. 320-25;
    ders., Rundfunkpol. im Dritten Reich, 1980;
    W. B. Lerg, Rundfunkpol. in d. Weimarer Republik, 1980;
    W. Bierbach, P. L. (1902-79), in: Studienkreis Rundfunk u. Gesch. -
    Mitt. 5, 1979, Nr. 4, S. 173 f.

  • Autor/in

    Winfried B. Lerg
  • Empfohlene Zitierweise

    Lerg, Winfried B., "Laven, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 751 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118888072.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA