Lebensdaten
1869 – 1934
Geburtsort
Sternberg
Sterbeort
Deutsch Liebau Bezirk Mährisch Schönberg
Beruf/Funktion
Textilindustrieller ; Unternehmer
Konfession
katholische Familie
Normdaten
GND: 136290930 | OGND | VIAF: 80660830
Namensvarianten
  • Langer, Adolf Richard
  • Langer, Adolf
  • Langer, Adolf Richard
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Zitierweise

Langer, Adolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136290930.html [29.09.2022].

CC0

  • Genealogie

    V Karl Borromäus Anton (1833–99), Textilindustrieller in S., S d. Textilfabr. Karl (s. Gen.siehe Genealogie 1) u. d. Theresia Kittel;
    M Anna (1839–1900), T d. Webmeisters Josef Felkel in S. u. d. Eleonora Hermuth;
    Ur-Gvv Norbert (s. 1);
    Vt (S d. Adolf, s. Gen.siehe Genealogie 1) Otto (1866–1921), Gesellschafter u. Leiter d. Wiener Niederlassung, Hermann (1878–1934), Chemiker, Gesellschafter d. Fa. Norbert Langer & Söhne;
    - 1) Wien 1905 ( 1921) Olga Anna Margaretha (1886–1966), T d. Webwarenfabr. Josef Fürst in Wien u. d. Emma Tomaschek, 2) Dt. Liebau ca. 1922 Hermine (1882–1963), T d. Prokuristen Karl Kwitschala u. d. Anna Schön; kinderlos; Adoptiv-Söhne (1939) d. Ehefrau Hermine Harald Langer-Hansel (* 1909, Groß-N L.s), Dr. iur., Sektionschef im Ministerium f. Handel, Gewerbe u. Industrie in Wien, Erich (* 1910, S v. L.s Vt Hermann), KR, seit 1937 pers. haftender Gesellschafter, seit 1939 Komplementär d. Fa. Norbert Langer & Söhne; Groß-N(Söhne d. Erich) Norbert (* 1949), Geschäftsführer d. Firma in Wien, Erich (* 1950), Betriebsleiter d. Weberei in Graz.

  • Biographie

    L. trat 1888 in das Familienunternehmen ein, dessen Sitz 1898 von Sternberg nach Deutsch Liebau verlegt wurde, und leitete es nach dem Tode des Vaters (1899) gemeinsam mit seinem Onkel Adolf. Dessen Sohn Hermann, als Chemiker ausgebildet, widmete sich vor allem dem Ausbau der Färberei- und Ausrüstungsbetriebe und wurde 1909 ebenfalls Gesellschafter. L. führte 1897 als erster in Europa für Tischzeuge das 1885 von dem Franzosen Jules Verdol erfundene System mit endlosen Papierkarten an Jacquard-Maschinen ein, das höchste Feinheit und Variation der Musterung ermöglichte. Eine Rationalisierung der Herstellung von Damasttischwäsche mit Gebildmusterung erzielte er durch Entwicklung und Bau von Maschinen in eigenen Werkstätten. 1905 erweiterte er die Weberei mit modernen Jacquard-Maschinen für die Herstellung gemusterter und broschierter Stoffe, die großflächige Ornamente mit mehr als 2 000 Fäden erzeugen konnten. L.s Verbindungen zu namhaften Pariser Modeschöpfern erbrachten neue Ideen für die Musterungen. Für die Entwürfe und die Ausarbeitung der Muster wurden zwei akademische Maler beschäftigt, mehr als 20 Musterzeichner arbeiteten an den Webpatronen für die Jacquard-Kartenschlägerei, 40 Malerinnen trugen selbstentwickelte Farbtöne schwierigster Indanthrenfarbmischungen auf die vorgewebten Motive der 60 Meter langen Stoffbahnen auf. Die Hochwertigkeit ihrer Erzeugnisse sicherte der Firma Weltgeltung. Firmenzeichen war (und ist bis heute) ein dreiblättriges Kleeblatt mit den Buchstaben N L S. Niederlassungen bestanden in den meisten Ländern der Welt. Hauptabnehmer war 1920-38 Frankie Frish in New York, Belieferer von Warenhäusern in den USA. Die Weberei in Deutsch Liebau zählte 700 Webstühle bei mehr als 1 000 Beschäftigten, das Werk in Oskau 200 Beschäftigte. Nieder Drewitsch wurde verkauft, jedoch in Böhmen Baumwollwebereien in Wildenschwert Bez. Landskron (1919) und Rostok Bez. Starkenbach (1924, 500 Beschäftigte) hinzuerworben. Eine Beteiligung (1933–45) an der Spinnerei Ignaz Seidel & Co. in Zautke Bez. Hohenstadt (Mähren) sicherte den Garnbedarf, feineres Leinengarn kam aus Irland. Bei einem Jahresbedarf von 2 600 Tonnen Garn wurden 8 Mill. laufende Meter bzw. 11 Mill. Quadratmeter Ware erzeugt. Aus Leinengarn, Baumwollgarn und Kunstseide (Reyon) wurden hergestellt: Tischgedecke, Tischtücher, Servietten, Hoteltischwäsche, Meterware u. a. für Gartentischdecken, Brautausstattungen. In Deutsch Liebau erfolgte die Konfektionierung (Säumerei, Stickerei, Kantenfestonierung) sowie die Auslieferung. Spezialität war die Einwebung von Buchstaben und Wappen, Kennzeichen und Sinnbildern. Im Hauptwerk Deutsch Liebau arbeiteten Webautomaten mit selbsttätigem Spulenwechsel, die Endausrüstung der Fertigwaren besorgten modernste Kalander, Bügel- und Mangelmaschinen. Das Unternehmen verfügte auch über eine Kartonagenfabrik mit Druckerei und ein Sägewerk, das jährlich 2 500 Kubikmeter Schnittholz sowie Verpackungskisten lieferte. Die firmeneigenen Erbgerichtsgüter in Moskelle Bez. Littau und Deutsch Liebau umfaßten 124 Hektar. Das Unternehmen war das größte der Branche in Österreich-Ungarn, dann in der Tschechoslowakei und schließlich eines der bedeutendsten im Deutschen Reich.

    L., der 1929 einen Unterstützungsverein für die Betriebsangehörigen gründete, war Kommerzialrat, Vorsitzender der Kreisgruppe Mähr. Schönberg im Hauptverband der Deutschen Industrie der Tschechoslowakei sowie Bürgermeister und Ehrenbürger von Deutsch Liebau. Nach seinem Tode und dem Tode des Vetters Hermann, der 1934 kurze Zeit Seniorchef war, wurde L.s Witwe zu ⅔ und Hermanns Witwe zu ⅓ Gesellschafter des Unternehmens, das 1939 in eine KG umgewandelt wurde. Der Adoptivsohn Erich, von L.s Witwe, führte seit 1948 die Firma unter demselben Namen in Wien und Graz weiter, wo sie jetzt von seinen Söhnen geleitet wird. Sie ist die bedeutendste Gebildweberei Österreichs für Sinnbilder und Wappen.

  • Literatur

    Industrie-Compaß, Prag, 1925, S. 1530;
    ebd. 1932, S. 1637;
    Tagesbote, Brünn, Jg. 84, 1934, Nr. 425 v. 14.9.1934 (Morgenbl.), S. 6;
    Dt. Ztg. Bohemia, Prag, v. 15.9.1934, S. 3;
    Dt. -Mähr. Heimat, Brünn, Jg. 21, 1935, S. 59;
    W. Leiter, Die Leinen-, Baumwoll- u. Kunstseidenfabrik d. Fa. Norbert Langer & Söhne, in: H. Leiter, Dt. Liebau, 1935, S. 226-28 (P);
    Unsere Heimat, Frankstadt Bez. Mähr. Schönberg, 24. Jg., 1936, S. 23-25 (P);
    Mein Heimatbote, Mähr. Schönberg, 1954, Folge 4, S. 41;
    Biogr. Lex. z. Gesch. d. böhm. Länder II, 1981, S. 378;
    Nordmähr. Rdsch., Mähr. Neustadt, v. 4.3.1929, 22.9., 22.12.1934.

  • Autor/in

    Erhard Marschner
  • Zitierweise

    Marschner, Erhard, "Langer, Adolf" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 589-590 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136290930.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA