Lebensdaten
1849 bis 1893
Beruf/Funktion
Meteorologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116693215 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lang, Carl
  • Lang, Karl

Orte

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Zitierweise

Lang, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116693215.html [16.11.2018].

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  • Genealogie

    V Carl Eduard Heinrich Max (* 1809), Großhändler, Oberst d. Landwehr-Rgts. in R., S d. Georg Jakob, thurn u. taxisscher Hof-, Justiz- u. Domänenrat, u. d. Magdalena Götze;
    M Elise Magdalena Wilhelmine (* 1817), T d. Großhändlers Joh. Jacob Porzelius in R. u. d. Anna Börer.

  • Leben

    L. begann nach dem Abitur 1868 ein Studium der Mathematik und Physik an der Univ. München. 1870 wurde er noch vor Abschluß des Studiums aufgrund des kriegsbedingten Lehrermangels Assistent und 1871 Lehramtsverweser an der Gewerbeschule in Weiden (Oberpfalz). 1872 setzte er seine Studien am Polytechnikum München fort, ging 1874 als Assistent an das Physikalische Institut der TH München und wurde 1877 in Erlangen promoviert; seine Habilitation in Physik erfolgte 1878 an der TH München (umhabilitiert Univ. München 1883). In seinen ersten Publikationen berichtete er über die physikalischen Eigenschaften von Baustoffen und die Wärmeeigenschaften verschiedener Böden.

    Als W. v. Bezold im Okt. 1878 mit der Einrichtung einer Bayer. Meteorologischen Zentralstation beauftragt wurde, wählte er L. zu seinem Adjunkten. Beide bereiteten unverzüglich die Aufnahme des einheitlichen Beobachtungsdienstes an den bayer. meteorologischen Stationen vor. In den folgenden Jahren hat sich L. besonders um die regelmäßige Veröffentlichung der Meßergebnisse von Bayreuth, Augsburg und Reichenhall im Meteorologischen Jahrbuch bemüht. – Das andere wichtige Arbeitsgebiet von L. war die tägliche Wettervorhersage, die von 1879 an gegeben und seit 1881 durch tägliche Wetterberichte, Wetterkarten und Monatsberichte ergänzt wurde. Die Bearbeitung langer Beobachtungsreihen von Bayreuth, Augsburg und Reichenhall brachte Zusammenhänge zwischen der Witterung in Bayern und den Schwankungen der Gletscher im Alpengebiet zu Tage. Mit einer Arbeit über das Klima von München habilitierte sich L. auch an der Univ. München. Als 1885 Bezold zum Direktor des Preuß. Meteorologischen Instituts nach Berlin berufen wurde, ernannte man L. zu seinem Nachfolger in München, wo er bis zu seinem Tode wirkte (L.s Nachfolger wurde 1893 F. Erk).

    Die in München zusammengefaßte Bearbeitung der Gewitter- und Hagelmeldungen aus ganz Süddeutschland erbrachte vor allem für die Land- und Forstwirtschaft wichtige Hinweise. Die Gewässerkunde konnte anhand der für ganz Bayern bearbeiteten Niederschlagsberichte wertvolle Schlüsse für die Fragen von Niederschlag und Grundwasser ziehen. Die frühzeitige Zusammenarbeit mit der Praxis der wissenschaftlichen Luftschifffahrt, z. B. beim Aufstieg des Ballons „Herder“ 1889, schuf die Grundlagen für die aerologische Tätigkeit der späteren „Bayerischen Landeswetterwarte“. Eine besondere Studie L.s über Witterung und Influenza-Epidemien führte ihn auf die früheren Arbeiten Pettenkofers und Seidels über hygienische Fragen zurück.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Leopoldina (1888).

  • Werke

    u. a. Über d. Einwirkung d. Permeabilität v. Baumaterialien in trockenem u. feuchtem Zustande auf d. natürl. Ventilation, Diss. Erlangen 1878;
    Über d. Wärmekapazität d. Bodenkonstituanten, in: Wollnys Forschungen a. d. Geb. d. Agrikulturphysik 1, 1878;
    Erll. z. Wetterkarte u. Wetterber. d. bayer. Centralstation u. Anleitung z. prakt. Verwertung, in: Zs. d. landwirtsch. Ver. Bayerns, 1881;
    Klima b. München nach 67j. Beobachtungen, 1883 (Habil.schr.);
    Luftfeuchtigkeit u. Nachtfrost, in: Meteorolog. Zs. 3, 1886, S. 123 f.;
    Lokale od. allg. Wettervoraussage?, ebd., S. 422 f.;
    Witterung u. Influenza, ebd. 9, 1892, S. 40 f.;
    Die Bestrebungen Bayerns auf meteorolog. Gebiet im 18. Jh., in: SB d. Bayer. Ak. d. Wiss., Math.naturwiss. Kl., 1890, S. 11-34;
    Die Vorausbestimmung d. Nachtfrostes, in: Wetter 4, 1887, S. 83 f.;
    Der Schnee, e. Zerstörer v. Kunstwerken in Städten, ebd., S. 150 f.;
    Schwankungen d. Niederschlagsmengen u. Grundwasserstände in München 1857–86, in: Meteorolog. Jb. Bayern 9, 1888;
    Säkulare Schwankungen d. Blitz- u. Hagelgefahr in Bayern, ebd. 12, 1890. -
    Hrsg.: Beobachtungen d. meteorolog. Stationen in Bayern unter Berücks. d. Gewittererscheinungen im Kgr. Württemberg, Ghzgt. Baden u. i. den Hohenzollern'schen Landen, 1879-93 (seit 1892 mit Übertitel Dt. Meteorolog. Jb.;
    bis 1885 mit W. v. Bezold, später mit P. Erk).

  • Literatur

    P. Erk, in: Meteorolog. Zs. 10, 1893, S. 377 f.;
    Bayer. Meteorolog. Jb. 1893, S. A 87-A 93 (W-Verz.);
    Leopoldina 30, 1894, S. 80;
    K. Keil, Hdwb. d. Meteorol., 1950;
    CSP;
    Pogg. III, IV.

  • Autor/in

    Karl Keil
  • Empfohlene Zitierweise

    Keil, Karl, "Lang, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 541 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116693215.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA