Lebensdaten
1654 bis 1725
Geburtsort
Aibling (Oberbayern)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Jesuit
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 12289961X | OGND | VIAF: 35349945
Namensvarianten
  • Lang, Franz
  • Lang, Franciscus

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Zitierweise

Lang, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd12289961X.html [23.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Jakob, Gastwirt, Gemeindevorsteher;
    M Katharina Lang.

  • Leben

    L. besuchte seit 1664 das Jesuitengymnasium in München, wo er mit 13 Jahren erstmals im Schultheater mitspielte. 1671 trat er in den Jesuitenorden ein und absolvierte das zweijährige Noviziat in Landsberg. 1674-77 studierte er in Ingolstadt Philosophie und wurde Magister der Grammatik. 1678/79 führte er sein erstes Stück, ein Weihnachtsspiel, auf. 1679 unterrichtete L. am Kolleg in Augsburg Humaniora und kehrte im folgenden Jahr nach Ingolstadt zurück, um dort 4 Jahre lang Theologie zu studieren. Nach der Priesterweihe 1684 wurde er Professor für Rhetorik und Poesie, Dramendichter und Spielleiter in Eichstätt, wo eine besonders angesehene und traditionsreiche Jesuitenbühne bestand. 1686 schloß er in Altötting seine bühnenpraktische Ausbildung ab und vertrat kurzzeitig eine Professur für Rhetorik in Burghausen. 1687 begann sein langes Wirken in München. Als Professor für Rhetorik inszenierte er in Zusammenarbeit mit Franz Schusmann (1641–91) am Gymnasium 1688 sein erstes Herbstdrama „Sancta Felicitas Martyr“. 1694 wurde er Präfekt des Gymnasiums. 1695/96 führte er als Präfekt und Professor für Kontroverse in Dillingen das Herbstdrama „Via mirabilis divinae Providentiae“, eines seiner Hauptwerke, auf. Seit 1696 wirkte L. nur noch in München: zunächst als Dozent für Kontroverse am Lyzeum, danach wieder als Gymnasialpräfekt, seit 1705 als Präfekt der Michaelskirche und seit 1719 als Vorstand der Bibliothek. Besonderen Einfluß übte er als Präses der Münchner Großen Marianischen Kongregation (1694–1706) aus.

    L. ist der wichtigste Vertreter der Spätphase des süddeutschen Jesuitentheaters. Nachdem dieses durch die unterhaltsamere ital. Bühne beeinflußt und schließlich am Münchner Hof verdrängt war, versuchte L., dem Niveauverfall durch Rückkehr zu den religiösen und erzieherischen Ausgangszielen entgegenzuwirken. Die Schaulust ordnete er wieder der Vermittlung christlicher Tugenden unter. Altes und Neues Testament, antike und christliche Mythologie sowie Historie waren der Stoff, mit dem er den Triumph des christlichen Glaubens über die heidnische Götterwelt und das Böse darstellte. L.s Werk erstreckt sich auf die gesamte Breite jesuitischer Spielpraxis.

    Die 1717 in drei Bänden gedruckten Considerationes (Theatrum solitudinis asceticae, Theatrum affectuum humanorum, Theatrum doloris et amoris) dienten den Sodalen als Konzentrationshilfen im Oratorium und bestehen aus Monologen, Gesprächen, Pantomimen, Gebet, emblematischen Darstellungen, Arien, Duetten und Instrumentalmusik. Szenische Übungen (Exercitationes scholasticae) rezitierte man im Klassenzimmer; öffentlich aufgeführt wurden von der Poetik- oder Rhetorikklasse einfache Dialoge (Declamationes) zur Feier von Festtagen, Promulgationsstücke anläßlich der jährlichen Wahl des Präfekten, die eigentlichen Jesuitendramen (ludi autumnales) zur herbstlichen Preisverteilung in der Aula. Aufsehen erregte das Drama „Erkembaldus“, in dem der König seinen Sohn tötet, weil sich dieser an einem Mädchen vergriffen hat. L., der damit den höfischen Lebensstil und die Auffassung von der unbeschränkten Freiheit des Fürsten angreift, wurde deshalb offiziell kritisiert. Alle Stücke L.s folgen der Auffassung des Ordensgründers Ignatius v. Loyola, daß jeder Mensch durch geistige Anstrengung mittels meditativer Anschauung zum Auserwählten werden könne. Die Bedeutung der Werke L.s liegt weniger in ihrer Originalität als in ihrer umfassenden Rezeption jesuitischer Traditionen.

    Wie angesehen L. seiner universellen Bildung wegen war, zeigen die mehr als 200 Briefe, mit denen er Anfragen von Fürsten, Beamten und Klerikern in ganz Bayern in öffentlicher Form und mit fiktiven Empfängern beantwortete. 1725, nach seinem Tod, wurden diese Gedanken zu Theologie, Politik und Theater als „Epistolae familiäres ad amicos et notos scriptae“ gedruckt, 1747 und 1766 erneut aufgelegt.

    Die Forschung der 1970er Jahre hat L. vor allem wegen seiner Bedeutung für die Untersuchung literarischer Massenwirkung im Barock wiederentdeckt. Als Vorstand der Münchner Bibliothek sammelte er einen großen Teil der Periochen (Programmzettel der Stücke) der oberdeutschen Ordensprovinz (insgesamt 795) und ermöglicht uns damit einen „Einblick in die Gesamtleistung des bayer. Jesuitendramas“ (Szarota). Seine Beobachtungen und Erfahrungen als Autor und Spielleiter, seine Postulate und Theorien zum Drama faßte L. in der ebenfalls postum gedruckten „Dissertatio de actione scenica“ (1727) zusammen. L.s wichtigster Grundsatz ist die dem gesprochenen Wort dienende Funktion von Gestik, Mimik und Bühnenaktion. Gegen künstlich und pathetisch vorgetragene Rhetorik fordert er die natürliche Sprech- und Bewegungsweise, die es freilich erst durch Einübung eines Repertoires konventioneller Gebärden zu begründen gelte. An der Praxis orientiert, beruft sich L. zwar auf Aristoteles, Cicero, Quintilian sowie auf die frühen Jesuitendramatiker, setzt sich aber über traditionelle Dramenregeln hinweg und nennt als Gewährsmann dafür Bidermann. Nach L.s Auffassung muß man sich nicht an die Autorität der antiken Tragödien halten. Ein glückliches Ende, niedere Personen, Verstoß gegen die Einheiten der Zeit und des Ortes seien durchaus mit der Tragödienform vereinbar, wenn es die theatralische Wirkung erfordere. Nicht systematisch, sondern assoziativ argumentierend geht L. über die damals bekannten Redeanweisungen weit hinaus und versucht eine zusammenfassende Darstellung der dramatischen Theorie, der Bewegung des Spielers auf der Bühne, der technischen Produktion sowie der Funktion des Theaterleiters. Dieses erste Lehrbuch der Schauspielkunst im deutschen Bereich bietet zugleich reiches Material für das Verständnis neulateinischer, aber auch deutscher Dramen seiner Zeit.

  • Werke

    Weitere W Abh. üb. d. Schauspielkunst (Dissertatio de actione scenica), übers. u. hrsg. v. A. Rudin, 1975 (W).

  • Literatur

    W. Kindig, F. L., Ein Jesuitendramatiker, Diss. Graz 1965 (ungedr., W-Verz.);
    R. G. Engle, F. L. and the Jesuit Stage, Diss. Univ. of Illinois 1968;
    E. M. Szarota, Das Jesuitendrama im dt. Sprachgebiet, Eine Periochen-Edition, Texte u. Kommentar, 1979 ff.;
    B. Bauer, Theorie u. Praxis d. jesuit. Rhetorik u. Poetik, Diss. München 1981;
    Kosch, Kath. Dtld.

  • Autor/in

    Adalbert Wichert
  • Empfohlene Zitierweise

    Wichert, Adalbert, "Lang, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 531 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12289961X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA