Lebensdaten
1871 bis 1950
Geburtsort
Grünau Bezirk Böhmisch Leipa
Sterbeort
Immenstadt (Allgäu)
Beruf/Funktion
Strumpfindustrieller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 13621388X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kunert, Julius
  • Cunert, Julius

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Zitierweise

Kunert, Julius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13621388X.html [20.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Gustav (1840- ca. 1900), Blaufärber in Warnsdorf (Nordböhmen), S d. Kattundruckers Anton aus Neu Reichstadt Bez. Böhm. Leipa;
    M Magdalena Hölzel (1838–1918) aus Josefsdorf Bez. Böhm. Leipa;
    Warnsdorf 1895 Maria (1873–1950), T d. Dachdeckermeisters Anton Worm in Warnsdorf u. d. Rosalia Franziska Reinisch;
    2 S, 3 T, u. a. Heinrich (* 1899), Strumpfindustrieller in Warnsdorf (bis 1945), dann Textilindustrieller in Rankweil Bez. Feldkirch (Vorarlberg), Lindau u. Seebach Kr. Deggendorf, Julius (* 1900), Strumpfindustrieller in Warnsdorf, dann Chef d. seit 1946 von ihm aufgebauten Kunert-Werke in I., Mindelheim u. Berlin, Maria (* 1896), Strumpffabrikantin in Warnsdorf 1919–45, Oberkottern 1946-53 u. Kempten-St. Mang 1953–70, Elfriede (1898–1973), 1950-73 Strumpffabrikantin in Ried (Oberösterreich);
    E Rainer Michel (* 1935), seit 1973 Dir. d. Kunert-Werke in I., Eva Maria (* 1930), Gesellschafterin d. Textilwerke Deggendorf GmbH.

  • Leben

    K. erlernte seit 1885 das Tischler-Handwerk in Warnsdorf und errichtete dort um 1895 eine eigene Werkstatt. Seit 1910 spezialisierte er sich auf die Herstellung von Möbeln, in den letzten Jahren vor dem Verkauf (1920) vor allem von Büromöbeln. K.s Ehefrau Maria errichtete 1907 einen Gewerbebetrieb für Strumpfstrickerei. Die Tochter Maria, an der Staatsfachschule für Wirkerei und Strickerei in Schönlinde ausgebildet, erweiterte um 1913 den Betrieb und spezialisierte ihn auf die Herstellung von Strickwaren für den Heeresbedarf. Die Mutter zog sich um 1918 aus dem Unternehmen zurück. Nach der Aufgabe der Tischlerei wandte sich auch K. dem Textilgewerbe zu. 1920 gründete er die „Julius Kunert, Strickerei und|Krawattenfabrik“ in Warnsdorf. Die Söhne Heinrich und Julius errichteten im angrenzenden Groß-Schönau Kr. Zittau (Sachsen) die „Wirkwarenfabrik Brüder Kunert“, ausgestattet mit Chemnitzer Cotton-Maschinen (Flachwirkmaschinen für die Strumpferzeugung). 1924 verkaufte K. den Warnsdorfer Betrieb an den Textilfabrikanten Heinr. Bayer. Auch die Söhne gaben ihre Fabrik in Sachsen wieder auf. Gemeinsam mit K. gründeten sie im Sommer 1924 in Warnsdorf die „Wirkwarenfabrik J. Kunert & Söhne OHG“. Mit zunächst 18 Betriebsangehörigen wurde die Herstellung von Feinstrümpfen aufgenommen, die Tagesleistung betrug 300 Paar. Durch die von K.s Sohn Heinrich befürwortete Konzentration der Fertigung auf Cotton-Feinstrümpfe in wenigen Größen und Farben wurde das Unternehmen fast konkurrenzlos und erlebte einen raschen Aufstieg. 1929 wurden in den ständig wachsenden Fabrikbauten mit 800 Beschäftigten täglich 15 000 Paar Strümpfe, 1934 mit 1 600 Beschäftigten 40 000 Paar und schließlich 1938 mit 5 000 Beschäftigten 100 000 Paar hergestellt. Die Kunert-Werke waren nun die größte Strumpffabrik Europas. Da trotz zahlreicher Neu- und Erweiterungsbauten die Kapazitäten nicht ausreichten, eine weitere Ausdehnung der Anlagen in Warnsdorf nicht mehr möglich und dort auch ein Mangel an Fachkräften fühlbar war, wurden drei Strumpffabriken in Schönlinde erworben, ebenfalls dort ein Neubau errichtet sowie auch in Wolfsberg Bez. Rumburg eine Fabrik gekauft. K.s Fabriken waren hervorragend ausgestattet. Kunstseide von Bemberg und Naturseide aus Japan wurden ständig in Mengen für mehrere Monate gelagert. Turbogeneratoren mit 12 000 Kilowatt Leistung betrieben modernste Anlagen und Maschinen für die Garnveredelung (Färben, Merzerisieren, Gasieren und Zwirnen) sowie Cotton- und Vorbereitungsmaschinen. Die angeschlossene Kartonagenfabrik fertigte täglich 20 000 Verpackungsschachteln. 1937 liefen von insgesamt 1 000 Cottonmaschinen in der Tschechoslowakei allein 700 in den Kunert-Werken. Mit 80% Exportanteil gehörte das Unternehmen zu den bedeutendsten Devisenbringern des Landes. K.s Marke „Elite“ aus Bemberg-Seide (hergestellt in nur drei Größen und sechs Farben) war seit 1935 wegen des niedrigen Preises und der hohen Qualität der meistgekaufte Damenstrumpf in Europa. K. belegte für mehrere Jahre die Produktion von Cotton-Maschinen bei Schubert & Salzer in Chemnitz und konnte so den Maschinenpark stets auf dem modernsten Stand der Technik halten. Niederlassungen wurden errichtet in Prag, Pilsen, Brünn, Mährisch Ostrau, Preßburg und Kaschau. In 26 europ. Städten bestanden Auslieferungslager, u. a. in Wien, Amsterdam, Kopenhagen und Oslo. Hauptabnehmer war zeitweilig die engl. Ladenkette Marks & Spencer mit ihren 280 Verkaufsgeschäften. In Prag gehörte (1940) K.s Söhnen Heinrich und Julius das größte Kaufhaus (ARA).

    Die interne Aufgabenverteilung im Unternehmen war so geregelt, daß K. die Bau- und Betriebsaufsicht oblag, während der Sohn Heinrich die technische und der Sohn Julius die kaufmännische Leitung innehatte. Besonderen Wert legte K. auf den Ausbau der Sozialeinrichtungen seines Unternehmens. Ende 1939 schied er als Gesellschafter aus, betreute jedoch weiterhin seinen Aufgabenbereich.

    Die Warnsdorfer Fabrikanlagen überstanden unversehrt den 2. Weltkrieg. Als staatlichtschechoslowak. „Elite-Werk“ ist der ehemalige Kunertsche Betrieb bis heute ein führendes Unternehmen der Strumpferzeugung geblieben. K. und seine Söhne kamen im Herbst 1945 nach Westdeutschland und begannen hier mit den Vorbereitungen für einen Neuaufbau. Die heute von K.s Sohn Julius geleiteten Großbetriebe mit Direktionssitz in Immenstadt übertreffen in der Produktionsleistung mehrfach das frühere Warnsdorfer Werk. Der Sohn Heinrich betrieb seit 1946 zunächst Fabriken in Rankweil (Vorarlberg) und Lindau und gründete dann in Seebach Kr. Deggendorf ein heute in Europa führendes Unternehmen zur Herstellung von texturierten Garnen. Alle Kunertschen Firmen befinden sich im Familienbesitz.

  • Literatur

    Kunert, Europas größte Strumpffabriken, 1939;
    Industrie-Compaß, 1927, S. 1604, 1930, S. 1701, 1932, S. 1714;
    Compaß - Industrielles Jb., 1935, S. 1541;
    Rumburger Ztg., Jg. 69, Nr. 188 v. 8.8.1933;
    J. Lorenz, in: Warnsdorfer Heimatbrief, F. 17 v. 5.5.1950, S. 3;
    Klimatisierte Betriebsstätten, ebd. F. 16 v. 20.4.1950, S. 2 f.;
    Allgäuer, Kemptener u. Westallgäuer Tagebl., 6. Jg., Nr. 43 v. 25.3.1950, S. 3;
    F. Reilich, Vor 50 J. Kunert-Streik!, in: Sudeten-Jb. d. Seliger-Gemeinde 1980, 1980, S. 98-102;
    E. Marschner, Die Kunert-Werke in Warnsdorf, in: Sudetendt. Ztg. 30. Jg., F. 11 v. 14.3.1980, S. 5 f. (P);
    ders., in: Volksbote, 32. Jg., F. 11 v. 14.3.1980, S. 5 f. (P);
    ders., Zur Gesch. d. Strumpffabriken Julius Kunert & Söhne in Warnsdorf, in: Unser Niederland 32, 1980, F. 366, S. 93-96 (P).

  • Portraits

    Sudetendt. Archiv, München.

  • Autor/in

    Erhard Marschner
  • Empfohlene Zitierweise

    Marschner, Erhard, "Kunert, Julius" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 293 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13621388X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA