Lebensdaten
1793 bis 1849
Geburtsort
Roßbach bei Asch (Böhmen)
Sterbeort
Roßbach bei Asch (Böhmen)
Beruf/Funktion
Textilindustrieller
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 136600891 | OGND | VIAF: 80917238
Namensvarianten
  • Künzel, Johannes
  • Künzel, Johannes
  • Cünzel, Johannes

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Zitierweise

Künzel, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136600891.html [09.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Peter (1762–1833), Baumwollweber, dann Verleger u. Textilfabr. in R., S d. Bauern Peter in R.;
    M Maria Katharina (1767–1827), T d. Webermeisters Oertel in R.;
    ⚭ Eva Katharina (1793–1857), T d. Wirts Künzel in R.;
    6 T, u. a. Margareta (1816–73, Joh. Erhard Müller, Wiener Vertreter d. Roßbacher Textilfabrikanten), Wilhelmine (1821–51, Gottlieb Uebel, 1817–72, Großindustrieller in R., Geschäftsnachf. K.s), Emilie ( Joh. Schündler, Textilfabr. in Neuberg b. Asch), Rosalie (1827–50, Karl Schündler, Textilfabr. in Neuberg).

  • Leben

    Der Ort Roßbach im nordwestl. Böhmen, wo sich seit Mitte des 18. Jh. aus Franken und Sachsen eingewanderte ev. Baumwollspinner und -weber angesiedelt hatten, war um 1800 gemeinsam mit dem benachbarten Markt Asch zu einem Zentrum der österr. Textilindustrie geworden. Baumwollene vielfarbige Kopf- und Umhangtücher waren damals die Haupterzeugnisse des Ascher Gebiets. K.s Vater, der 1803 Meister der Ascher Baumwollweberzunft wurde, stieg als einer der ersten vom Handwerksmeister zum Verleger auf. 1832 wurde er Oberältester der neugegründeten Roßbacher Zunft.

    K. hat den väterlichen Betrieb übernommen und außerordentlich vergrößert. Schon 1811 erscheint er als Maschinenspinner, und 1826 erbaute er in der Nachbargemeinde Thonbrunn in menschenleerer Waldgegend die große Neuenteicher Baumwollspinnerei, welche weithin bekannt wurde. Die anfangs mit Wasser- und Dampfkraft, aber bald nur noch mit Dampf betriebene Spinnerei gehörte zu den ersten mit Dampfmaschinen ausgestatteten Fabriken in Österreich. Die Kohlen wurden von Falkenau im Egergraben im Pferdezug herbeigeschafft. 1827 erhielt K. als Großunternehmer die Landesbefugnis, ein besonderes Privileg, zur Erzeugung von Baumwollwaren. Er betrieb damals 210 Webstühle, 636 Personen standen bei ihm in Arbeit. Bis etwa 1840 waren bei den Webwaren noch immer die baumwollenen Kopf- und Umhangtücher sowie „Meubelzeug“ aus Baum- und Schafwollgarn die wichtigsten Erzeugnisse.

    Der Absatz erfolgte im österr. Inland, vor allem in Wien, aber auch im Export über Hamburg und wohl auch über Triest. Bei Neuenteich, wo 1843 38 Feinspinnmaschinen aufgestellt und 1845 200 Arbeiter beschäftigt waren, entstanden die Arbeitersiedlungen Neubau und Neustallung. K. beschäftigte im letzteren Jahr insgesamt 540 Personen, 260 Erwachsene und 80 Kinder in der Weberei und 160 Erwachsene und 40 Kinder in der Spinnerei. Bis zum Aufkommen der Halbwollweberei war er der bedeutendste Industrielle im Asch-Roßbacher Gebiet. Diese Halbwollweberei oder Weberei gemischter Garne breitete sich nach ihrer Einführung durch Ernst Wunderlich 1842 in Asch und Umgebung rasch aus, eine Entwicklung, an der K.s Unternehmen zunächst kaum beteiligt war. Während in Asch nun vor allem modische Stückware für Damenbekleidung hergestellt wurde (Ascher Ware), mußte man in Roßbach wegen ungünstiger lokaler Faktoren bei der Tücherweberei bleiben. Es entwickelte sich dort aber in der 2. Hälfte des 19. Jh. eine in Österreich einzigartige Weberei exotischer Tücher für den Export in ferne Länder, insbesondere nach Indien.

    Nach K.s Tod wurden die Webereibetriebe von seinem Schwiegersohn Gottlieb Uebel und dessen Bruder Christoph unter der Firma Gebr. Uebel erfolgreich weitergeführt. Das Unternehmen vergrößerte sich ständig, stellte nach 1900 auf Maschinenweberei um und nahm schließlich mit Hilfe eines selbstentwickelten Verfahrens auch die Teppicherzeugung auf. 1926 wurde in der sächs. Nachbarstadt Adorf im Vogtland die große Teppichfabrik von Claviez erworben, 1938 stellten die Werke in Adorf und Roßbach mit über 3 000 Beschäftigten die größte kontinentale Teppichfabrik dar; ihre Erzeugnisse wurden unter der Marke „Adoros“ vertrieben. Nach der Enteignung der Betriebe in Adorf und Roßbach (1945/46) konnte das Unternehmen in West-Berlin von Karl und Erich Uebel neu begründet werden und ist heute wieder ein führender Teppichhersteller, während in Roßbach die Teppichweberei bald nach 1945 erloschen ist. K.s wichtigste Gründung, die Neuenteicher Spinnerei, besteht als tschechoslowak. Staatsbetrieb fort.

  • Literatur

    H. Hofmann, Heimatbuch f. Roßbach mit seinen Nachbargemeinden Friedersreuth, Gottmannsgrün u. Thonbrunn im Sudetenland, 1970, S. 376, 380, 418-21 (P);
    Enzyklopäd. Zs. d. Gewerbewesens, Jg. 1845, S. 863 ff.;
    A. Wölfel, in: Roßbacher Ztg. v. 13. u. 27.11.1915;
    J. Slokar, Gesch. d. österr. Industrie u. ihrer Förderung|unter Kaiser Franz I., 1914, S. 297;
    H. Hilf, in: Sudetendt. Ztg. v. 1.6.1979;
    Ascher Rundbrief 1979/4;
    Roßbacher Heimatbote 1974/2 u. 1979/1.

  • Autor/in

    Herbert Hofmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Hofmann, Herbert, "Künzel, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 229 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136600891.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA