Lebensdaten
1843 bis 1915
Geburtsort
Beckum (Westfalen)
Sterbeort
(Essen-)Bredeney
Beruf/Funktion
westfälischer Mundartdichter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118973428 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Krueger, Ferdinand
  • Krüger, Ferdinand Adolf
  • Krüger, Ferdinand Adolph

Objekt/Werk(nachweise)

Orte

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Zitierweise

Krueger, Ferdinand, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118973428.html [17.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Ferdinand August (1802–49), Kreissekr. in B., S d. Gerichtsaktuars Joh. Christian Peter in Ahlen;
    M Maria Sophia Anna (1806–79), T d. Joh. Heinrich Scheer, Nachrichter, dann Tierarzt in Ahlen, u. d. Maria Theresia Asmuth;
    1) 1869 Therese (1848–75), T d. Malers Joseph Seyfried (* 1792) in Köln u. d. Anna Elisabeth Regina Ellinghaus, 2) 1881 Adele (1859–1908), T d. Kommunalempfängers Friedrich Wessel in Hattingen/Ruhr u. d. Bertha Weygand;
    4 T aus 1), 2 S, 2 T aus 2).

  • Leben

    Nach dem Tod seines Vaters zog K. mit Mutter und Schwestern nach Ahlen. Im Anschluß an das Abitur 1862 in Brilon studierte er in München Philologie und Philosophie, doch schon bald wandte er sich dem Studium der Medizin zu. 1864 wechselte K. auf die Univ. Greifswald, nach zwei Jahren für ein Semester nach Würzburg. Hier stellte er sich im Krieg von 1866 dem ärztlichen Hilfsdienst zur Verfügung. Im WS 1866 setzte K. seine Studien auf der Univ. Berlin fort, wo er 1867 mit einer Arbeit „Über chronische Bleivergiftung“ promoviert wurde und 1868 des Staatsexamen ablegte. Nach kurzer Praxis als approbierter Arzt in Wesel ließ er sich im Sommer 1869 endgültig in Linden b. Bochum nieder, wo er bis 1911 seine ärztliche Praxis ausgeübt hat (1901 Sanitätsrat, 1910 Geheimer Sanitätsrat). Seinen Ruhestand verbrachte er, nach einem kurzen Aufenthalt in Berlin-Dahlem, in Essen-Bredeney. Nach ersten schriftstellerischen Arbeiten, z. T. in Tagebuchform (Reiseunsinnigkeiten, Das heilige Land Tirol, 1863, unveröff.) z. T. in Form von Erzählungen, die im „Plattdütschen Husfründ“ gedruckt wurden, veröffentlichte K. 1882 seinen ersten Roman „Rugge Wiäge“. In diesem Werk stehen die sozialen Probleme im Vordergrund, die um die Mitte des 19. Jh. im Ruhrgebiet durch den Einbruch des Kohlebergbaus in ein traditionell landwirtschaftliches Gebiet ausgelöst wurden. Wenn es auch vordergründig um die Lösung individueller Schwierigkeiten eines Liebespaares bis zur Eheschließung geht, so ist doch in diesen beiden Personen der Konflikt der Zeit exemplarisch angelegt. Rudolf, der Sohn eines Arztes, der trotz seiner Neigung zur Landwirtschaft Bergmann wird, und Anna, eine Schultentochter und Erbin eines Großbauernhofes, müssen „rauhe Wege“ gehen, bis Rudolf schließlich als Schwiegersohn anerkannt wird und mit Anna zusammen den Schultenhof übernehmen kann. Insgesamt scheint der Versuch, ein Bild des spezifisch westfäl. Lebens zu zeichnen, gelungen. K.s zweiter Roman „Hempelmann's Smiede“ (3 Bde., 1893 f.) verläßt den Bereich pointierter sozialer Problematik und wendet sich einem umfangreichen historischen Gemälde zu, das vor der Folie der französischen Besetzung Westfalens zu Beginn des 19. Jh. die Geschichte des westfäl. Dorfes „Ahltrop“ (= Ahlen) 1802-13 schildert. In diesem dörflichen Roman verläuft das Handlungsgefüge vielsträngiger als im ersten. Hier sind es gleich drei Liebespaare, die im Verlauf der Dorfchronik zu einem großen Happy-End zusammengeführt werden. Zentrale Figur ist nicht, wie der Titel anzudeuten scheint, der Dorfschmied und Bürgermeister Hempelmann, sondern der Spökenkieker und Nachtwächter Jangiärd Lörm, der durch seine besondere leitmotivische Charakterisierung vor allen anderen Figuren auffällt. In die Handlung eingearbeitet sind Berichte über Bräuche und westfälische Sagen- und Märchenmotive; z. T. beruht die Fabel auf einer von K. aufgefundenen alten Ahlener Dorfcfaronik. Mit „Hempelmann's Smiede“ hat K. ein für das 19. Jh. typisch westfäl. Genrebild geschaffen. Sein dritter großer Roman ist Fragment geblieben und postum herausgegeben worden: „Iärwschaden“ (1925). Hier wird die Geschichte der erbbelasteten Kinder eines dem Alltagsleben nicht ganz gewachsenen Hofbauern erzählt. Läßt der Beginn des Romans einen bäuerlichen Familienroman erwarten, so gibt doch der Verlauf der fertiggestellten 26 Kapitel eher den Eindruck eines Dorfromans wieder, wenngleich das Figurenensemble gegenüber „Hempelmann's Smiede“ deutlich verringert wurde.

    K.s Bedeutung als Dialektschriftsteller liegt darin, daß es ihm als erstem westfäl. Autor gelungen ist, ernsthafte Themen und Probleme in Dialektromanen abzuhandeln. Ähnlich wie Klaus Groth mit seiner spätromantischen Lyrik den nordniedersächsischen Dialekt literaturfähig machte, bereitete K. mit der Abkehr von der „Döönkes-Literatur“ den Weg für seine westfäl. Nachfahren Wibbelt und Wagenfeld.

  • Werke

    Weitere W u. a. Min Kind od. Wihnachtstruer, in: De Plattdütsche Husfründ 4, H. 1, 1879;
    Verännerungen, Prolerien ut dat Ruhrdal. ebenda, H. 19-23, 1879;
    De Togvoegel, Gesch. v. de Sipolas un Hempelmanns, in: De Plattdütsche Husfründ 5, H. 9-16 u. 21-32, 1880;
    Über Plattdütsch, in: Guestphalia 1, H. 1, 1894, S. 10;
    Über d. Theater d. Moderne, ebenda, H. 9, 1894, S. 130 f.;
    Im Stiefel, Plaudereien aus Italien, ebenda, H. 11 f., 1894, S. 180-84, 202-07;
    Witte Liljen u. andere Erzz., 1909 (P).|

  • Nachlaß

    Nachlaß: Kreisarchiv Warendorf.

  • Literatur

    H. v. Schönhoff, Gesch. d. westfäl. Dialektlit., 1914 (P);
    H. Thieheuer, F. K., Diss. Münster 1922 (ungedr., Ex. im Kreisarchiv Warendorf);
    W. Gottschalk, Unterss. zu F. K.s Romanen, Diss. Halle 1933;
    L. Foerste, F. K., in: dies., Plattdt. Erzähler d. 19. Jh., 1977, S. 107-14;
    R. Pilkmann, Die lit. Verarbeitung westfäl. Sagenlit. u. kodifizierter Brauchtumsüberlieferung in d. Romanen F. K.s, in: Niederdt. Wort 20, 1980, S. 178-201;
    A. Schulte, F. K.s Herkunft u. s. verwandtschaftl. Beziehungen in Beckum, in: ders., Fam.-geschichtl. F, 1976, S. 195-98;
    Kindlers Lit.-Lex. IX, S. 8329 f.;
    W. Schulte, Westfäl. Köpfe, 1963 (P).

  • Portraits

    Ölgem. v. E. Daelen, 1909 (Kreisarchiv Warendorf).

  • Autor/in

    Reinhard Pilkmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Pilkmann, Reinhard, "Krueger, Ferdinand" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 100 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118973428.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA