Lebensdaten
1807 bis 1885
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Musikschriftsteller
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 116559810 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Krueger, Eduard
  • Krüger, Eduard
  • Krueger, Eduard
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Zitierweise

Krüger, Eduard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116559810.html [19.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Karl (1781–1822), Kaufm. in H., dann in Lüneburg, S d. Ratsapothekers Paul in Lüneburg u. d. Dorothea Margarethe Soltau;
    M Johanne (1787–1834), T d. Gymnasialdir. Joh. Frdr. Wagner in Lüneburg u. d. Joh. Elisabeth Haevesche;
    Emden 1833 Anna (1811–94), T d. Justizkommissars Hieronymus Brückner in Emden u. d. Anna Theda Sophie Brants;
    1 T.

  • Leben

    K. besuchte das humanistische Gymnasium in Lüneburg, Hamburg und Gotha. Er studierte in Berlin und Göttingen, wo er 1830 mit einer Arbeit über die literarischen Quellen zur altgriech. Instrumental-Praxis promoviert wurde. Anschließend war K. Gymnasiallehrer in Emden und Aurich und begründete bald einen Gesangverein, mit dem er sich früh für Oratorien Haydns und Händels einsetzte. Vorübergehend wirkte er auch als Leiter eines Lehrer-Seminars. Mit Robert Schumann und seiner 1834 gegründeten „Neuen Zeitschrift für Musik“ trat er 1838 in Verbindung, es bahnte sich ein intensiver Briefwechsel an. Bald wurde er zum wichtigsten Berater Schumanns in philosophischen Fragen, auch wirkte er in der Phase des Wiederentdeckens von J. S. Bach mit. Bedeutend ist K.s Aufsatz „Über Graun's Tod Jesu“ (Neue Zs. f. Musik 10, 1839), in dem er aus neuromantischer Sicht die ältere aufklärerisch-sentimentale Oratorienkomposition ablehnend behandelte. Weitere, für das Erwachen einer romantischen Musikkritik im Sinne der Reformideen Schumanns bezeichnende Aufsätze erschienen in der selben Zeitschrift. Seine frühen Kompositionsversuche nahm Schumann taktvoll auf, ohne K. jedoch zu weiteren Arbeiten zu ermutigen. Blieben seine frühen pädagogischen Veröffentlichungen fast unbeachtet, so gilt sein Werk „Beiträge für Leben und Wissenschaft der Tonkunst“ (1847) als eine von Schumannschem romantischem Geists beseelte grundlegende Darstellung der kritischen Kunstanschauung vor Eintritt des musikalischen Biedermeier. Er hat dieses Bild mit seinem „System der Tonkunst“ (1866) vertieft. Sein „Ev. Choralbuch für Kirche, Schule und Haus“ (1855) ist dem Bemühen um Reform des Choralsingens und der Funktion der Orgelbegleitung entsprungen, obschon K., der mit großem Eifer als Autodidakt Bachsche Werke wiederentdeckte und einübte, nie mit den Orgelvirtuosen der 40er Jahre (namentlich mit dem jungen C. F. Becker in Leipzig) hat konkurrieren können. Vorübergehend hatte er im Revolutionsjahr 1848 die Redaktion der „Neuen Hannov. Zeitung“ inne, wurde aber alsbald als Musikdirektor an die Univ. Göttingen berufen (1861 Titularprofessur). K.s kühle Beprechungen von einigen Werken Schumanns nach 1848 veranlagten diesen, die Verbindung abzubrechen. Immerhin wechselte K. keineswegs in das Lager der „Neudeutschen Schule“ um Wagner über, sondern bewahrte in vornehm distanzierter Einstellung auch das Erbe der Davidsbündlerzeit, die er mit Schumann geteilt hatte. Freundschaftlich war er mit den Musikforschern F. Chrysander und C. v. Winterfeld verbunden. An der Univ. Göttingen dürfte er wohl als erster seit J. N. Forkel wieder systematisch Lehrveranstaltungen auf dem Gebiet der Musikgeschichte abgehalten haben, setzte indessen seine Tätigkeit als Dirigent kaum fort. Mit M. Herold (1840–1921; s. MGG, Riemann) und L. Schöberlein (1813–81; s. MGG, Riemann) gründete K. 1876 die kirchenmusikalische Zeitschrift „Siona“, zu der er einige liturgische Arbeiten beitrug. Er gab auch eine Zeitschrift „Frisia, zur Belehrung und Unterhaltung“ (1842 ff.) heraus. Im Alter übernahm er die Ordnung des musikalischen Bücher- und Handschriftenbestands der Universitätsbibliothek Göttingen (Systematischer Katalog der Musica).

    K. gehört zu den bedeutendsten kritischen Musikschriftstellern der neuromantischen Schule in der Nachbarschaft Schumanns, und wurde zum hervorragenden Kritiker der Romantik im dritten Viertel des 19. Jh.

  • Werke

    Weitere W u. a. Laien, Dilettanten, Künstler, in: Neue Zs. f. Musik 11, 1839;
    Akkomodation älterer Musikwerke f. d. Zeitgeschmack mit bes. Beziehung auf Händel, ebd.;
    Über d. heutige Oper, ebd. 12, 1840;
    Über prot. u. kath. Kirchenmusik, ebd.;
    Über Virtuosenunfug, ebd. 13, 1840;
    Betrachtungen üb. Kritik u. Philos. d. Kunst, ebd. 14, 1841;
    Das Virtuosenkonzert, ebd.;
    Über musikal. Conservatorien, ebd. 15, 1841;
    J. S. Bach's 6 Sonaten f. Klavier u. Violine, ebd.;
    Rossini's Stabat mater, ebd. 16, 1842;
    Hegel's Philos. d. Musik, ebd. 17, 1842;
    Grundriß d. Metrik antiker u. moderner Sprachen, 1838;
    Zeittafeln d. neuesten Gesch. 1830–38, 5 Tabellen, 1839;
    Musikal. Psychol., n. Anleitung v. Gervinus' Buche „Händel u. Shakespeare“, 1868;
    Musikal. Briefe aus d. Neuesten Zeit, 1870 (Aufsatzslg.);
    zahlr. Buchbesprechungen in: Götting. gel. Anz. -
    Kompositionen: Streichquartett (ungedr.);
    Praeludium u. Fuge in g-moll u. e-moll f. Orgel, o. J.;
    8 harmlose Lieder f. Ongelehrte, 1848. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: 55 Briefe an R. Schumann (seit 1945 im Original verschollen).

  • Literatur

    G. Nauenburg, Krit. Paraphrasen üb. Dr. E. K.s „Btrr. f. Leben“, in: Allg. musikal. Ztg. 49, 1847;
    A. Prüfer, Briefwechsel zw. C. v. Winterfeld u. E. K., 1898;
    Briefslgg. v. R. Schumann (namentl. F. G. Jansen, NF, 1904 u. W. Boetticher, 1942);
    W. Boetticher, R. Schumann, Einführung in Persönlichkeit u. Werk, 1941 (mit neuen Texten);
    W. Serauky, Die musikal. Nachahmungsästhetik …, 1929;
    K. Hoppenrath, E. K. (1807-85), Leben u. Wirken e. Musikgel. zw. Schumannscher Tradition u. neudt. Schule, Diss. Göttingen 1964 (ungedr.);
    Briefe u. Gedichte aus d. Album Robert u. Clara Schumanns, hrsg. v. W. Boetticher, 1979, S. 99, 278 ff.;
    MGG VII.

  • Autor/in

    Wollgang Boetticher
  • Empfohlene Zitierweise

    Boetticher, Wolfgang, "Krüger, Eduard" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 98-99 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116559810.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA