Lebensdaten
1545 oder 1546 bis 1598
Geburtsort
Binsfeld (Kreis Wittlich, Eifel)
Sterbeort
Trier (Pest)
Beruf/Funktion
Weihbischof von Trier ; theologischer Schriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 124720501 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Binsfeld, Peter
  • Binsfeld, Peter von
  • Binsfeld, Petrus
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Binsfeld, Peter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124720501.html [14.07.2020].

CC0

  • Leben

    B. entstammte ärmlichen bäuerlichen Verhältnissen und wurde Hütejunge in der nahegelegenen Zisterzienserabtei Himmerod. Abt Johann von Briedel (1558–71) förderte den geweckten Knaben und vermittelte ihm wohl auch sein Studium im Collegium Germanicum in Rom (seit 1570). Nach der Priesterweihe kehrte B. 1576 in die Heimat zurück und wurde 1577 von Erzbischof Jakob von Eltz (1567–1581) mit der Reform der Abtei und des Städtchens Prüm (Eifel) beauftragt. 1578 wurde ihm die Stelle des Propstes des angesehenen St. Simeonstiftes in Trier verliehen. 1580 zum Titularbischof von Azotus konsekriert, übernahm B. das Amt des Weihbischofs und Generalvikars im Erzbistum Trier. Unter dem neuen Erzbischof Schönenberg (1581–99) wirkte er tatkräftig im Sinne der tridentinischen Reform, war 1581 Leiter der Visitation in den luxemburgischen Pfarreien|des Erzbistums und verfaßte eine Anzahl von Handbüchern für die kirchenrechtlich-seelsorgerliche Weiterbildung des Klerus. Dreimal (1582/83 und 1587/88) bekleidete er das Amt des Rektors der Trierer Universität. Zu den Jesuiten in Trier unterhielt er freundschaftliche Beziehungen. Er teilte mit ihnen die damals allgemein, wenn auch nicht mehr ausschließlich (vgl. Kornelius Loos) vertretene Auffassung in der Frage des Hexenwesens und seiner Bekämpfung. Seine Erstlingsschrift (1589) über die Bewertung der „Eingeständnisse“ der „Hexen“ gab dem Unwesen der Hexenverfolgungen neuen Auftrieb.

  • Werke

    Tractatus de confessionibus maleficorum et sagarum, Trier 1589 u. ö. (seit 1591 mit Anhang: Commentarius in titulum codicis lib. IX De maleficis et mathematicis);
    Enchiridion theologiae pastoralis, ebenda 1591 u. ö.;
    Liber receptarum in theologia sententiarum et conclusionum, ebenda 1595;
    Commentarius theologicus et iuridicus in titulum iuris canonici de usuris, ebenda 1593 u. ö.;
    Comm. in tit. iur. can. de iniuriis et damno dato, ebenda 1597;
    Comm. in tit. iur. can. de simonia, ebenda 1604;
    Tractatus de tentationibus, ebenda 1611.

  • Literatur

    ADB II (L);
    A. Neyen, Biogr. Luxembourgeoise I, Luxemburg 21876, S. 72 ff. (L);
    F. v. Schulte, Die Gesch. d. Qu. u. Lit. d. Canon. Rechts HI/1, 1880, S. 128 f.;
    A. Steinhuber, Gesch. d. Kollegium Germanikum Hungarikum in Rom I, 21906, S. 226-29;
    B. Duhr, Gesch. d. Jesuiten in d. Ländern dt. Zunge I, 1907, S. 745 u. ö.;
    St. Ehses, Der Trierer Weihbischof P. B. als Zögling im Germanikum zu Rom, in: Pastor bonus, Jg. 20, 1907/08, S. 261-64;
    W. G. Soldan-H. Heppe, Gesch. d. Hexenprozesse, neu bearb. u. hrsg. v. M. Bauer, 31911, I, S. 347, 471-75, II, S. 2, 87;
    L. Keil, Der Trierer Weihbischof P. B., in: Trier. Heimatbll., Jg. 1, 1922, S. 34-38, 59-62;
    E. Zenz, Die Trierer Univ., 1949, S. 119-22;
    Hurter III, Sp. 354 ff.;
    LThK;
    Dictionnaire d’Histoire et de Géographie Ecclésiastiques VIII, 1935, Sp. 1509 f.

  • Autor/in

    Hermann Ries
  • Empfohlene Zitierweise

    Ries, Hermann, "Binsfeld, Peter" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 248 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124720501.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Binsfeld: Peter B., Weihbischof von Trier, geb. um 1540 in dem unweit der Abtei Himmerode in der Eifel gelegenen Dorfe Binsfeld (nicht aus vornehmer Familie, wie Hontheim erzählt, auch nicht in Dollendorf, wie Holzer angibt), diente anfangs der benachbarten Abtei als Hirtenknabe, bis der Abt Joh. Briedel sein Talent erkannte und ihn studiren ließ. Er kam nach Rom ins Collegium Germanicum, kehrte 1568 als Priester nach Trier zurück und ward von dem Erzbischof Jak. v. Eltz beauftragt, in der fürstl. Abtei und der Stadt Prüm die eingerissene Zuchtlosigkeit und Hinneigung zu dem neuen Glauben auszurotten. Da er sich dieses Commissariats nach zwei Jahren zur größten Zufriedenheit des Erzbischofs entledigt, wurde er 1578 Probst in St. Simeon und schon 1580 Weihbischof von Trier und Bischof von Azot i. p. i., welche Würde er bis 1598 bekleidete, wo ihn die damals herrschende Pest (am 24. nicht 14.) Nov., nach Andern am 19. Sept. wegraffte. Er ward seinem Wunsche gemäß in St. Simeon, inmitten dreier kleiner Kinder begraben. Wir besitzen von ihm: „Tractatus de confessionibus maleficorum et sagarum“, Trev. 1589, 1591, 1596, in deutscher Uebersetzung „Tract. von Bekanntnuß der Zauberer und Hexen“, Trier 1590. München 1591. „Enchiridion theol. pastoralis", Trev. 1591. 1599. Dorsay 1630. 1636. „Liber receptar. in theol. sententiarum et conclusionum", Trev. 1593. 1595. „Comment. theol. et iurid. in tit. iuris can. de usuris", Trev. 1597. „Comment. de maleficis et mathematicis". „Tract. de iniuriis et damno dato", Trev. 1597. „Tract. de simonia“, Trev. 1614. „Tract. de tentationibus et earum remediis“, Trev. 1611. Eine Gesammtausgabe in 5 Bänden erschien Köln 1611, 8. Am merkwürdigsten ist die erste Schrift, in welcher B. zusammenstellte, was er bei Juristen und Theologen über das Hexenwesen gefunden, und wo er selbst den crassesten Aberglauben über die Einwirkung der Dämonen und den Bund mit dem Teufel lehrte. So behauptete er gleich Anderen: malefici rem veneream habent cum daemone: id fieri non virtute proprii seminis, quod nullum (daemones) ex se ipsis habent, sed ope alicuius hominis, quod ipsi moribus turpiter succubantes exceperunt, exceptumque foeminis incubantes infundunt. Ferner: malefici ope diabolica adiuti possunt impedire vim generativam inter conjuges vel alias personas. Solche Doctrinen brachten B. in einen gewissen Ruf und erwarben ihm die nicht gerade schmeichelhafte Erwähnung in den letzten Versen von Boileau's „Lutrin“. Ein von den Protestanten aus Holland vertriebener und in Trier lebender Canonicus, Cornelius Loos aus Gouda, bekämpfte diesen Aberglauben mündlich und schriftlich, in Tractaten wie in Eingaben an die geistlichen und weltlichen Behörden zu Trier, wurde aber auf Befehl des päpstlichen Nuntius in der Abtei St. Maximin festgesetzt und mußte vor unserm B. als Generalvicar von Trier Widerruf leisten (1593). Val. Andreas, Bibl. Belg., edit. renov. p. 724 (fehlt in der ersten Ausgabe). J. Marx, Gesch. d. Erzstifts Trier, Tr. 1859, I. 2. S. 114 und 508. Holzer, De Proepiscopis Trever., Confluent. 1844, p. 79 ss.

  • Autor/in

    Kraus.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kraus, Franz Xaver, "Binsfeld, Peter" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 651-652 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124720501.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA