Lebensdaten
1803 bis 1881
Geburtsort
Mistelgau (Oberfranken)
Sterbeort
Bayreuth
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe und Hymnologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116401761 | OGND | VIAF: 29720235
Namensvarianten
  • Kraußold, Lorenz
  • Kraussold, Lorenz
  • Kraußold, L.
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Zitierweise

Kraußold, Lorenz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116401761.html [13.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Johann, Lehrer u. Kantor in M.;
    M Anna Margaretha Krauß;
    1) 1831 Auguste ( 1839), T d. Justizrats Fischer in B., 2) 1840 Emilie Horlacher;
    10 K, u. a. Max (1833–1901), Pfarrer u. Schriftsteller, Landtags- u. Reichstagsabg. d. Fortschrittspartei (s. BJ VI, Tl.), Heinrich (1836 -1914), Justizrat in München, 1875-99 Landtagsabg. d. Nat.liberalen Partei, Gründer d. Ver. „Frei-München“, Karl (1840–1915), Dir. d. Kreisirrenanstalt Bayreuth; 1 Adoptiv-T.

  • Leben

    K. besuchte das Gymnasium in Bayreuth und erwarb dort umfassende musikalische Kenntnisse und Fähigkeiten; auch trat er Jean Paul näher, dem er später eine „Erinnerung“ (1863) widmete. Während der Studienzeit in Erlangen gewann sowohl die Erweckungsbewegung, vor allem durch Johann Chrst. Krafft, als auch die Burschenschaft nachhaltigen Einfluß auf ihn. In seinem ersten Pfarramt in Unteraufseß (Fränk. Schweiz) arbeitete er seit 1830 an einem damals weithin beachteten „Versuch zum wissenschaftlichen Ausbau der Geschichte der Musik“ (Manuskript, verschollen). Als Pfarrer in Fürth (seit 1835), der früh von der starren Luthernachfolge seines Freundes Wilhelm Löhe abgerückt war, und als Mitglied zahlreicher Ausschüsse äußerte sich K. häufig literarisch zu gottesdienstlichen Problemen und anderen kirchlichen Zeitfragen. Im „Versuch einer Theorie des Kirchenlieds“ (1844) und in der Schrift „Vom alten protestantisch Choral“ (1847) trat er nachdrücklich und erfolgreich für die Wiederbelebung der „rhythmischen“, das heißt nichtisometrischen Gestalt der Gemeindeliedweisen ein und arbeitete insbesondere mit seiner „Musicalischen Altaragende“ (1853) der Einführung einer neuen Liturgieform in Anlehnung an die reformatorischen Gottesdienstordnungen vor. So hatte er entscheidenden Anteil an der liturgischen und kirchenmusikalischen Erneuerung, mit der Bayern den anderen deutschen Landeskirchen voranging.

    1854 wurde K. Konsistorialrat und Hauptprediger in Bayreuth. Dort wirkte er seit 1855 auch als Sekretär des Historischen Vereins von Oberfranken, dessen Leitung er 1863 übernahm. Daneben war er die treibende Kraft in einem privaten „Historischen Kränzchen“, dem Richard Wagner sogleich nach seinem Eintreffen in Bayreuth 1872 beitrat und wesentliche Förderung seiner Festspielidee verdankte. Namentlich nach dem Tod des Bayreuther Dekans Wilhelm Dittmar 1877 gehörte K. zum engsten Freundeskreis des Hauses Wahnfried; er beriet Wagner in musikgeschichtlichen und liturgischen Fragen bei der Arbeit am „Parsifal“. Zunehmende Hinneigung zu liberaler Theologie unter dem Einfluß seines Sohnes Max und Wagners verhinderte K.s Berufung in das Oberkonsistorium nach München.|

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Erlangen 1852), D. theol. (ebd. 1866).

  • Werke

    Weitere W u. a. Erklärungen u. Betrachtungen zu d. drei ersten Kap. d. Römerbriefs, 1830;
    Versuch e. Btr. z. Altarliturgie, 1832;
    Grundlage u. Vorschule d. Rel.lehre, 1834;
    Liederslg. f. Schule u. Leben, 1854/55;
    Hist.-musical. Hdb. f. d. Kirchen- u. Choralgesang, 1855;
    Amt u. Gemeinde in d. ev.-luth. Kirche, 1858;
    Gesch. d. ev. Kirche im ehemal. Fürstenthum Bayreuth, 1860;
    Das tausendj. Reich u. d. Offenbarung Johannis, 1863;
    Die prot. Kirchenvfg.frage f. Bayern gegenüb. d. Trennung v. Staat u. Kirche, 1873;
    Dr. Theodorich Morung, d. Vorbote d. Ref. in Franken, 1879;
    Die Sage vom hl. Gral u. Parceval, 1878;
    Die Katechetik f. Schule u. Kirche, 1880. -
    Kompp.: Klavierstücke, Chöre (Ms.);
    Der 140. Psalm f. 4 Stimmen (Ms.).

  • Literatur

    S. Kümmerle, Enc. d. ev. Kirchenmusik I, 1888, S. 832;
    C. F. Glasenapp, Das Leben Richard Wagners V u. VI, 3-51911/12;
    H. Kreßel, Die Liturgie d. Ev.-Luth Kirche in Bayern r. d. Rh., 21953;
    K. Hartmann, Aus d. geist. Leben Bayreuths, in: Archiv f. d. Gesch. v. Oberfranken 34/II, 1940, S. 1-35, bes. 10 f., 22-25;
    ders., in: Ll. aus Franken VI, 1960 (L);
    Riemann, Erg.bd. P Phot. in: Die Andr. Deichertsche Verlagsbuchhandlung …, 1927.

  • Autor/in

    Franz Krautwurst
  • Empfohlene Zitierweise

    Krautwurst, Franz, "Kraußold, Lorenz" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 721 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116401761.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA