Lebensdaten
erwähnt 1231, gestorben 1271
Sterbeort
Köln (?)
Beruf/Funktion
kölnischer Patrizier
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 136423159 | OGND | VIAF: 80769020
Namensvarianten
  • Hermann
  • Kornpforte, Hermann von der
  • Hermann der Greve
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Zitierweise

Hermann von der Kornpforte, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136423159.html [28.02.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Hubert ( 1230/40), Tuchhändler;
    M Beatrix;
    Engelradis Buntebart;
    S Johann, Schöffe am erzbischöfl. Hohen Gericht, Bgm., verdienter Amtmann d. Richerzeche, Münzerhausgenosse, Gerhard, Schöffe d. Lokalgerichts St. Severin, Hermann, Kanoniker v. St. Severin, Kämmerer v. St. Maria im Kapitol, Hubert, Deutschordensritter;
    T Lisa ( Heinrich Flacche), Gertrud ( Matthias Overstolz), Dureka ( Gottschalk Overstolz), Blithildis ( Peter Jude), Beatrix u. Richmodis, beide Nonnen im Kloster Weyer.

  • Biographie

    K. hat die Auseinandersetzungen zwischen den älteren und jüngeren patrizischen Familien aktiv als einer der maßgeblichen Leiter der jüngeren Gruppe der Overstolzen mitbestimmt. 1231 ist er zum ersten Mal in einer Führungsposition nachgewiesen. Er war Untergraf (Greve, comes) des Hohen erzbischöflichen Gerichtes, eine Stellung, die seit dem 12. Jahrhundert von befähigten Kölner Bürgern ausgeübt wurde. Über die Hintergründe seiner Ernennung, die durch den hochadeligen Burggrafen erfolgte, ist nichts bekannt. In seiner Funktion als Greve ging K. dann zusammen mit dem Untervogt des Hochgerichts, Waldaver, im Auftrag des Erzbischofs um die Mitte der 30er Jahre gewaltsam gegen das Eigentum der „Weisen“ vor und riß ihre städtischen Häuser nieder. Sein Vorgehen legte wohl den Keim für die späteren erbitterten Auseinandersetzungen und ließ ihn zum unversöhnlichen Gegner der „Weisen“ werden. Es wird sogar die Meinung vertreten, daß die Overstolzen lediglich aufgrund ihrer Verwandtschaft zu K. in die Auseinandersetzungen einbezogen wurden, eine Interpretation, die zweifelsohne die handfesten Eigentumsinteressen dieses Familienclans außer Acht läßt. Sein Amt als Greve behielt K. bis etwa 1241. Er führte jedoch weiterhin den Titel comes beziehungsweise Greve. In den folgenden Jahren, in denen er nur als Zeuge in Urkunden erwähnt wird, traten die Auseinandersetzungen zwischen den Geschlechtern zurück zugunsten einer einheitlichen Frontbildung des gesamten Patriziats gegen den EB Konrad, der die städtischen Freiheiten stärker einzudämmen drohte. Anders noch als sein Vorgänger EB Heinrich, der versucht hatte, einen Keil in das Patriziat zu treiben, wie die Tatsache beweist, daß er K. für ein Vorgehen gegen die „Weisen“ zu gewinnen verstand, richtete EB Konrad sein politisches Konzept gegen die Gesamtheit des Patriziats, wobei er versuchte, die nichtpatrizischen Elemente in der Bürgerschaft nicht nur auf seine Seite zu ziehen, sondern auch in das Schöffenkollegium zu bringen. Ihren Höhepunkt erlebte die Auseinandersetzung, als EB Konrad 1259 alle Schöffen bis auf einen absetzte, neue Schöffen, die zum Teil nicht aus dem Patrizierstande kamen, anwäldigte und 25 Angehörige der Geschlechter verbannte. Absetzung und Verbannung traf alte und junge Patrizierschicht gleichermaßen. K. wurde zwar nicht verbannt, verlor aber sein Schöffenamt, das er kurz vorher erworben haben muß. Als EB Konrad ein Jahr später 24 weitere Patrizier in seinen Palast lockte und gefangen setzte, wurde K. die Seele des Widerstandes gegen den Erzbischof. Gegen den bis zum Tod (1261) unversöhnlich bleibenden Konrad vermochte er nichts auszurichten, aber bei dessen Nachfolger EB Engelbert II. hat er sich für die Rückkehr der verbannten Standesgenossen eingesetzt und auch aktiv in die Kämpfe gegen den neuen Erzbischof eingegriffen, als dieser die Stadttore besetzte und beim Bayentor eine Burg errichtete. Die Auseinandersetzungen zwischen Stadt und Erzbischof zogen sich noch bis Ende der 60er Jahre hin. Dem Geschick der erzbischöflichen Unterhändler war es zu verdanken, daß sich die Partei der „Weisen“ freiwillig auf die Seite des Erzbischofs stellte und in seine Ministerialität trat. Entscheidendes Argument der Unterhändler war bei den Verhandlungen immer wieder der Hinweis, daß K. als Untergraf die Häuser der „Weisen“ niedergerissen habe. K. galt als der Hauptgegner in der Stadt, und in der Tat hatte er entscheidenden Anteil an den Verhandlungen mit dem Grafen von Jülich, der als Bundesgenosse gegen den Erzbischof gewonnen wurde und an den Sieg|der Overstolzen über die „Weisen“ in der Schlacht an der Ulrepforte 1268. Mit diesem Sieg bahnte sich dann die große Zeit des Kölner Patriziats an, das erst 1396 gestürzt wurde. K. hat den Sieg an der Ulrepforte nur 3 Jahre überlebt.

    Seine politische Bedeutung besteht darin, daß er einer jener Männer gewesen ist, die den Durchbruch der reichen und finanzstarken jüngeren Patrizierschicht aus dem Marktviertel in die politischen Führungsämter der Stadt erkämpft hat und der wesentlich an den Auseinandersetzungen zwischen der Stadt und dem Erzbischof beteiligt war, die 1288 mit der Vertreibung des Erzbischofs aus der Stadt infolge seiner Niederlage bei Worringen ihren Höhepunkt erreichten.

  • Literatur

    L. Ennen u. G. Eckertz, Qu. z. Gesch. d. Stadt Köln II, 1863;
    G. Hagen, Dit is dat boich van d. stede Colne, in: Chronik, d. dt. Städte v. 14. bis ins 16. Jh. XII, 1875;
    Die Regg. d. Erzbischöfe v. Köln im MA III, hrsg. v. R. Knipping, 1913;
    F. Lau, Das Kölner Patriziat bis 1325, in: Mitt. aus d. Stadtarchiv v. Köln 24, 1893, 26, 1895;
    ders., Entwicklung d. kommunalen Vfg. u. Verwaltung d. Stadt Köln v. d. Anfängen b. z. J. 1396, 1898;
    L. v. Winterfeld, Handel, Kapital u. Patriziat in Köln bis 1400, 1925;
    H. Stehkämper, Konrad v. Hochstaden, in: Jb. d. Köln. Gesch.ver. 36/37, 1961/62;
    E. Ennen, Kölner Wirtsch, im Früh- u. Hoch-MA, in: Zwei J.tausende Kölner Wirtsch. I, hrsg. v. H. Kellenbenz, 1975;
    dies., Erzbischof u. Stadtgemeinde in Köln b. z. Schlacht v. Worringen, in: Bischofs- u. Kathedralstädte…, hrsg. v. F. Petri, 1976;
    B. Berthold, Sozialökonom. Differenzierung u. innerstädt. Auseinandersetzungen in Köln im 13. Jh., in: Stadt u. Städtebürgertum …, hrsg. v. B. Töpfer, 1976;
    W. Herborn, Die pol. Führungsschicht d. Stadt Köln im Spät-MA 1977;
    H. Wenzel, Aristokrat. Selbstverständnis im städt. Patriziat, dargest. a. d. Kölner Chronik Gottfr. Hagens, in: Lit., Publikum, hist. Kontext, Btrr. z. Älteren Dt. Lit.gesch., hrsg. v. J. Bumke u. a., I, 1977, S. 9-28.

  • Autor/in

    Wolfgang Herborn
  • Zitierweise

    Herborn, Wolfgang, "Hermann von der Kornpforte" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1980), S. 596-597 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136423159.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA