Lebensdaten
1783 bis 1851
Geburtsort
Breslau
Sterbeort
Paris
Beruf/Funktion
Arzt
Konfession
jüdisch,lutherisch
Normdaten
GND: 118777831 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Koreff, Johannes Ferdinand (nach der Taufe 1816)
  • Koreff, David Ferdinand
  • Koreff, Johannes Ferdinand (nach der Taufe 1816)
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Zitierweise

Koreff, David Ferdinand, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118777831.html [20.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus jüd. großbürgerl. Fam.;
    V Joachim Salomon (1732–1805), Dr. med., Arzt in B., S d. Salomon, Lehrer an d. Talmudschule in Prag;
    M Jette Mina, T d. Moses Daniel Kuh ( 1754), Kaufm. in Berlin, seit 1738 in B., u. d. Sara Ephraim;
    Ur-Gvm Chajm ben Ephraim ( 1748), Juwelenhändler in Berlin (s. NDB IV*);
    Om Ephraim Kuh (1731–90), Dichter u. Kaufm. (s. ADB 17);
    Schw Liebchen dann Luise (⚭ Michael Nathan Bendix, dann Bernsdorff, 1774–1845, Bankier in Berlin);
    - spätestens 1836 Therese Mathias (* 1801) in Paris.

  • Leben

    K. nahm 1802 das Medizinstudium in Halle auf. Er schloß sich der unter Schellings Einfluß herrschenden „naturphilosophischen Medizin“ an und wandte sich besonders den Ideen Franz von Baaders und dem Heilverfahren des Magnetismus zu. 1803 kam K. zur klinischen Ausbildung nach Berlin, wo er bald Anschluß an einen enthusiastischen frühromantischen Kreis um K. A. Varnhagen von Ense und A. von Chamisso, den Nordsternbund, fand. Nach Abschluß seines Studiums in Halle praktizierte K. in Paris und erwarb rasch gesellschaftliche Beliebtheit in einer vorwiegend eleganten Klientel in den Gesandtschaften und der deutschen Kolonie, damals einem Zentrum der romantischen|Bewegung. Unbefriedigt vom ärztlichen Alltag, arbeitete er an zahlreichen literarischen Projekten, ohne ein wesentliches zu vollenden. 1811-13 hielt er sich mit der Marquise D. de Custine auf Reisen in Italien und der Schweiz auf. Ende 1813 fand er sich in Wien ein, wo sein ehrgeiziges Streben nach politischem Einfluß, einer gesellschaftlich glanzvollen Rolle und einer Anstellung als Arzt bei den Armeen erfolglos blieb. Doch gewann er die Zuneigung Caroline von Humboldts, über deren Einfluß er 1815 rasch in den engsten Kreis um den für den Magnetismus eingenommenen preußischen Staatskanzler Fürst von Hardenberg gelangte. Als Leibarzt begleitete er diesen auf Reisen, wurde 1818 Geheimer Oberregierungsrat und gewann großen politischen Einfluß. Er genoß diese Position auf dem Kongreß in Aachen 1818 und verhalf der „naturphilosophischen Medizin“ anläßlich der Universitätsgründung Bonn zu einer starken Stellung – gegen den Widerstand der Berliner medizinischen Fakultät, der er 1816 als Professor aufgedrängt worden war. Von K.s Freundschaften dieser Jahre sind die mit Rahel Varnhagen und E. T. A. Hoffmann hervorzuheben, in dessen „Serapionsbrüdern“ K. als Vinzenz fortlebt. K.s Sturz durch ein Intrigenspiel 1822 fällt zusammen mit dem beginnenden Stimmungsumschwung gegen den Magnetismus. In Paris gelang ihm nochmals eine glanzvolle Karriere. Bald hatte er an den Gesandtschaften eine einträgliche Praxis, wobei er neben magnetischen Kuren auch andere gängige und modische Heilverfahren anwandte. Er verkehrte in den exklusiven konservativen Salons ebenso wie als Freund Benjamin Constants in den liberalen Zirkeln. Heine ließ sich von K. behandeln und befreundete sich mit ihm. K. gehörte den Abendgesellschaften um Stendhal, Mérimée, Musset und Delacroix an und war über Jahre der Arzt der berühmten Marie Duplessis, nach der Dumas’ „Kameliendame“ entstand. Als Vermittler deutscher Literatur hat er besonders E. T. A. Hoffmann in Frankreich bekannt gemacht. Ein Skandal um überhöhte Honorarforderungen beendete schlagartig seine Karriere in der eleganten Welt. Nach 1838 fand er in der Pariser Mittelschicht seinen letzten Wirkungskreis.

    K., mehr blendende Erscheinung als schöpferische Persönlichkeit, gehörte zu den interessantesten „romantischen Ärzten“. Von seinen wenigen wissenschaftlichen und literarischen Veröffentlichungen erreicht keine besonderen Rang. Als einer der begabtesten aber auch unkritischsten Magnetiseure verkannte er die Grenzen der Suggestivkräfte – sein späterer Ruf als Scharlatan trifft ihn nicht unverschuldet. Im Gespräch war er liebenswürdig, brillant, geistreich, fesselnd und weckte leicht unerfüllbare Erwartungen. Eine besondere Position unter den Frühromantikern gewinnt er durch seine lebenslang ausgetragene Spannung zwischen vielseitiger Begabung und Maßlosigkeit seiner Ansprüche, die ihn in wiederholte Existenzkrisen führte. Als Vermittler bewirkte er die für die Romantik so charakteristische „Ideenansteckung“.

  • Werke

    Btrr. z. Musenalm. f. 1805 u. 1806, hrsg. v. A. v. Chamisso u. K. A. v. Varnhagen (unter Ps. Anthropos);
    Don Tacagno, Komisches Singspiel in 2 Akten, Musik v. Frdr. v. Drieberg, 1812;
    Lyrische Gedichte, 1815;
    De regionibus Italiae aëre pernicioso contaminatis observationum, 1817, dt. u. d. T. Über d. bösen Luftregionen Italiens, in: Rusts Mgz. f. d. ges. Heilkde. 9, 1821;
    Aucassin u. Nicolette od.: Die Liebe aus d. guten alten Zeit nach d. Sage e. provenzal. Troubadours, Eine romant. Oper, Musik v. G. A. Schneider, in: Berlin. Taschenkal. 1820, S. 221-98 u. 1821, S. 131-90;
    Affection de la moëlle épinière, suivie de quelques observations, in: Journal de physiol. expériment., 1824.

  • Literatur

    K. A. Varnhagen v. Ense, Biogr. Portraits, 1871, S. 1-33;
    M. Martin, Le Docteur Koreff (= Bibl. de la revue de littérature comparée, Bd. 20), 1925;
    K. Groba, in: Schles. Lb. III, 1928, S. 210-30;
    F. v. Oppeln-Bronikowski, D. F. K., Serapionsbruder, Magnetiseur, Geheimrat u. Dichter, 1928 (P);
    F. Ernst, Essays II, 1946, S. 228-36;
    BLÄ III;
    Goedeke XI, 1, S. 504.

  • Portraits

    Zeichnung v. C. C. Vogel v. Vogelstein (Dresden. Kupf.kab.).

  • Autor/in

    Hans Sohni
  • Empfohlene Zitierweise

    Sohni, Hans, "Koreff, David Ferdinand" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 582 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118777831.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA