Lebensdaten
um 1210 bis 1281
Geburtsort
(Muri im Aargau?)
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
Chorherr und Kantor am Großmünsterstift in Zürich
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118713965 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Konrad
  • Mure, Konrad von
  • Mure, Meister Konrad von
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Orte

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Zitierweise

Konrad von Mure, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118713965.html [15.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Ulrich;
    M Irmengard.

  • Leben

    K.s Bildungsweg ist nicht deutlich erkennbar; bestimmte Anzeichen weisen auf Studien in Bologna und Paris hin. Kontakte mit der päpstlichen und der kaiserlichen Kanzlei werden von ihm selbst bezeugt. Mit dem akademischen Grad eines Magisters versehen, ist er 1244 Chorherr, Rektor und Scholasticus am Großmünsterstift in Zürich. Seit 1259 ist er als Kantor für die richtige Ausübung der liturgischen Offizien im Großmünster verantwortlich; in dieser Eigenschaft stellt er das „Breviarium chori Thuricensis“ auf. In Urkunden erscheint er oft als notarieller Zeuge oder als Schiedsrichter. Zum habsburgischen Hauskloster Muri, dessen Novizen er die Briefstillehre „Summa de arte prosandi“ widmet, und zu Rudolf von Habsburg, dessen Tochter Guta er aus der Taufe hebt, unterhält er gute Beziehungen. Als enzyklopädisch gebildete, vielseitig interessierte Persönlichkeit verfaßt er historische, hagiographische, heraldische und lexikalisch-grammatikalische Schriften, die zum Teil verloren gegangen sind. Er gilt als Lehrer mit weitreichendem Einfluß und als geistiger Anreger der großen Blütezeit Zürichs um den Manesse-Kreis. Seine Tradition wird am Großmünster später vor allem durch Felix Hemmerli weitergeführt.

  • Werke

    u. a. Novus Graecismus, 1244 (etwa 10 560 Verse), gedr. u. d. T. Elucidarium carminum et historiarum, o. J. [1498 u. 1500] (Hain 11643-645);
    De naturis animalium metrice, 2080 Verse (ungedr.);
    Commendatitia Rudolfi regis Romanorum, 1273, etwa 800 Verse, hrsg. v. D. Tschudi, Origo et genealogia gloriosorum comitum de Habspurg, 1715, S. 110-23;
    Fabularius, 1273, gedr. u. d. T. Rep. vocabulorum exquisitorum oratoriae poesis et historiarum, 1479 (Hain 11642);
    Summa de arte prosandi, 1275, hrsg. v. W. Kronbichler, 1968;
    Clipearius Teutonicorum, etwa 160 Verse (davon 146 erhalten), in: F. Hemmerli, Liber De Nobilitate, vf. 1444-50, hrsg. v. S. Brant, 1497;
    Breviarium chori Thuricensis, unveröff. Bearb. v. E. Egloff.

  • Literatur

    ADB 23 (unter Mure);
    F. J. Bendel, in: MIÖG 30, 1909, S. 51-101;
    Anton Mayer, Die Qu. z. Fabularius d. K. v. M., Diss. München 1916;
    Vf.-Lex. d. MA V, Sp. 561-65 (W).

  • Autor/in

    Walter Kronbichler
  • Empfohlene Zitierweise

    Kronbichler, Walter, "Konrad von Mure" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 547 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118713965.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Mure: Meister Konrad von M., Chorherr und Cantor am Großmünsterstift in Zürich; 30. (nicht 29.) März 1281. — Der Name dieses für seine Zeit gelehrten Mannes und fruchtbaren Schriftstellers ist verschieden gedeutet worden. Am wahrscheinlichsten ist, daß er die Herkunft des Meisters aus dem aargauischen Orte Mure (heute: Muri) bezeichnet, da M. in persönlichen Beziehungen zum Kloster Muri und zum Grafen, nachmals Könige Rudolf von Habsburg erscheint, der Muri's geborner Schirmvogt war. M. war um den Anfang des dreizehnten Jahrhunderts geboren, bildete sich zum Geistlichen, wurde, vermuthlich in Bologna oder Paris, Doctor decretorum, scheint schon 1233 eine Pfründe am Großmünsterstifte in Zürich bekleidet zu haben, wo er 1244 als „Rector puerorum“ genannt wird, und erhielt am 1. Mai 1259 vom Propst und Capitel die jetzt geschaffene Stelle eines Cantors am Stifte ("scholas et chorum collegii legendo et cantando regat"), die er bis zu seinem Tode bekleidete, den Titel sichtlich schätzend. M. wurde in der St. Mariencapelle des Stiftes (unter der St. Michaelscapelle) begraben, wo noch 1428 der damalige Cantor, Meister Felix Hemmerlin (A. D. B. Bd. XI, 721), die Grabschrift Mure's erneuern ließ. Denn Hemmerlin schätzte M. als den einzigen ihm bekannten gelehrten Vorfahr am Stifte hoch, studirte fleißig dessen hinterlassene Schriften durch welche die Stiftsbibliothek namhaften Zuwachs erhalten hatte, und bewahrte uns davon in seinen eigenen Werken Stücke auf. M. selbst zählt in einem seiner Werke, dem Fabularius, seine Schriften nach Zahl und Reihenfolge auf; alle, mit Ausnahme des Fabularius, in Versen (gewöhnlichen Herametern, oder leoninischen Versen) verfaßt. Er nennt sie wie folgt: 1) Novus Graecismus, ca. 10500 Verse; 2) De naturis animalium, metrice; 3) Libellus de sacramentis, ca. 4000 Verse; 4) Passio scm. Felicis et Regule, ca. 3000 V.; 5) Libellus de propriis nominibus fluviorum et montium, ca. 1500 V.; 6) Cathedrale Romanum, ca. 1130 V.; 7) Laudes b. Virginis, ca. 300 Verse; 8) Clipearius Theutonicorum, 160 Verse; 9) Catalogus Romanorum Pontificum et Imperatorum, ca. 1640 Verse; 10) Commendatitia Rudolfi regis Romanorum, ca. 800 Verse; 11) Fabularius, und im Nachtrage zu einer Handschrift der letztgenannten Schrift: 12) De vita b. Martini, ca. 1700 Verse, und 13) De victoria regis Rudolfi contra Ottokarum regem, ca. 1800 Verse; zusammen also über 26 500 Verse. — Von diesen Schriften sind Nr. 4—7. 9 und 12 nicht mehr bekannt; doch könnten einige leoninische Verse chronologischen Inhaltes bei Hemmerlin aus Nr. 9 stammen. Leider ist auch Nr. 13, das historisch bedeutendste Stück, nicht mehr bekannt. Im sechszehnten Jahrhundert scheint es noch vorhanden gewesen zu sein; denn Wurstisen in seiner Baslerchronik Buch I, cap. 3. bezieht sich auf dasselbe und entnimmt demselben u. A. auch die (also von M. selbst herrührende) Angabe, daß Meister Konrad die jüngste Tochter des Grafen Rudolf von Habsburg, Guota, die nachmalige Königin von Böhmen, aus der Taufe gehoben habe. Vielleicht daß Hemmerlin auch dieser, ihm jedenfalls bekannten Schrift Einzelnes entnahm. Dagegen sind Nr. 1—3, nach Mure's Aussage seine frühesten Schriften, handschriftlich vorhanden (Nr. 1 eine am 7. März 1244 vollendete, später in den Schulen gebrauchte, lateinische Sprachlehre; Nr. 3, um 1259 geschrieben, eine Pastoralanweisung zu Verwaltung der Sacramente). Nr. 8 hat Liebenau bis auf wenige Verse Hemmerlin's Tractat De nobilitate et rusticitate cap. 29 enthoben und nachgewiesen, daß der Clipearius um 1244—47 geschrieben ist. Von Nr. 10, handschriftlich in Muri, finden sich 256 Verse abgedruckt in den Vindiciae Actorum Murensium, wie schon in des Abtes Dom. Tschudi Origo Murensis mon. Es sind Lobgedichte auf König Rudolf von Habsburg. Nr. 11 endlich, Fabularius, existirt sowohl handschriftlich, als auch in einer von Bertold Roth in Basel um das Jahr 1470 gedruckten Incunabel. M. vollendete dieses Werk, wesentlich eine alphabetisch angeordnete Erklärung der antiken und theilweise der mittelalterlichen Mythologie am 14. Aug. 1273. Im Jahre 1275 schrieb er auch eine „Summa de arte prosandi“ (eine Anleitung zum Briefstellen) und widmete sie dem Abte und Convente von Muri. Rockinger hat die Schrift in den Quellen und Erörterungen zur bayerischen und deutschen Geschichte, Bd. IX, 405—482, München 1853, veröffentlicht. Ungewiß ist die von J. H. Hottinger, Biblioth. tig. 97 aus einem kurz vor der Reformation entstandenen Statutenbuche des Großmünsterstistes enthobene Angabe, daß von M. ein im J. 1260 angelegtes Breviarium chori turicensis herrührte. Mit demselben möchte ein „Calendarium de sanctis“, dessen Neugart (Episc. Const. II 4 91) erwähnt, verbunden (oder identisch?) gewesen sein. Ebenso unsicher bleibt Hottingers Angabe (ib. 158), daß M. auch eine „Genealogia et gesta Caroli Magni“ geschrieben habe. —

    • Literatur

      K. Geßner, Bibl. univ. Tiguri 1545. — Wurstisen, Basler-Chronik. 1580. (lib. 3, cap. 1). Neue Ausg. von 1883 (S. 102). — J. H. Hottinger Schola und Biblioth. tigur. 1664. —
      Neues schweiz. Museum, V. Jahrg. Basel 1865 (Conrad v. Mure, von P. Gall Morel) — M. Büdinger, Von den Anfängen des Schulzwanges, Zürich 1865. —
      Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1872, Nr. 10 (P. Gall Morel über Mure's carmen de natura animalium).
      Quellen und Erörterungen z. baier. und deutschen Geschichte. Bd. IX. München 1863. —
      Anzeiger f. schmeiz. Geschichte (Solothurn) 1879. S. 205 (F. Fiala über Mure's De saramentis) und S. 229 (Th. v. Liebenau: über Mure's Clipearius Theutonicorum).
      (Der Todestag Mure's war nach Hemmerlin: III Kal. Apr.)

  • Autor/in

    G. v. Wyß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wyß, Georg von, "Konrad von Mure" in: Allgemeine Deutsche Biographie 23 (1886), S. 57-58 unter Mure [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118713965.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA