Lebensdaten
1465 bis 1535
Geburtsort
Inzlingen bei Lörrach
Sterbeort
Bern
Beruf/Funktion
zwinglianischer Reformator
Konfession
katholisch,zwinglianisch
Normdaten
GND: 123161312 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kolbius, Franz
  • Kolb, Franz
  • Kolbius, Franz
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Zitierweise

Kolb, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123161312.html [21.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    1) Nürnberg 6.2.1525 Margaretha Schmid, 2) Bern 31.3.1528 Apollonia Archer, ehem. Begine; 1 Adoptiv-S.

  • Leben

    K. bezog 1492 die Universität Basel, wurde 1492 Magister und lehrte 1497-1502 an der dortigen Schule zu Sankt Martin. 1502-04 wirkte er als Kantor in Bern. Die Stadt Freiburg im Uechtland berief ihn März 1504 als Kantor und Prediger an die Sankt Niklauskirche. Nach halbjähriger Tätigkeit in Murten kehrte K. Mitte 1505 nach Freiburg zurück. Seine Erfahrungen als Feldprediger schweizerischer Söldner in Italien (1507) ließen ihn zu einem scharfen Gegner des Reislaufens werden. Auch die Dezember 1507 erfolgte Ernennung zum Schuldirektor vermochte seinen Protest nicht zu brechen. Februar 1509 ließ sich K. als Stiftskustos und Prediger zu Sankt Vinzenz in Bern anstellen. Nachdem er auch hier gegen das Söldnerunwesen gepredigt hatte, trat er 1512 ins Kartäuserkloster in Nürnberg ein. Neben Spengler und Osiander entwickelte er sich zu einem der frühesten lutherischen Prediger und wurde darum Dezember 1522 vertrieben. Auf Empfehlung Luthers wurde K. Juni 1523 Prediger in Wertheim, wo er alsbald eine evangelische Gottesdienstordnung nach Basler Vorbild einführte. In seinem Brief vom 27.8.1524 an Luther – wohl das Resultat seiner persönlichen Besprechung mit Zwingli und mit anderen maßgeblichen oberdeutschen Reformatoren – formulierte K. in zwinglischer Diktion die wesentlichen Punkte reformierter Kritik an der Wittenberger Theologie. Er postulierte die biblische Gleichförmigkeit des Kultus und die Auffassung des Abendmahls als eines Gedächtnismahls. Auch der November 1524 von K. verfaßte „Wertheimer Ratschlag“, ein biblisch-theologisch begründetes Glaubensbekenntnis, läßt die wesentlichen Elemente zwinglischer Theologie erkennen, an denen|K. von nun an unbeirrt festhielt. Wohl auf Luthers Betreiben mußte er Wertheim verlassen. Januar 1525 übernahm er eine Praedikatur in Nürnberg, wo man ihn schließlich seiner theologischen und politischen Ansichten wegen verdächtigte. Zwar gelang es ihm, sich zu rechtfertigen, doch suchte er, um seiner Entlassung zuvorzukommen, April 1527 in Bern eine Anstellung als Prediger, die ihm im August auch offiziell gewährt wurde. Gemeinsam mit B. Haller machte er sich um die Bern. Reformation hoch verdient und verfaßte November 1527 die auf zwinglische Sätze zurückgreifenden „Zehn Schlußreden“, welche er bei der Disputation vom Januar 1528 mit verteidigen half. Als Feldprediger des Berner Stadtpanners geißelte er unerschrocken Berns unentschiedene Haltung im 2. Kappelerkrieg 1531. Die Zeitgenossen sahen K. nicht für einen „übermäßig gelehrten Mann“ (J. Rellikan) an, sie ehrten jedoch seine einfache und praktisch gerichtete Frömmigkeit.

  • Werke

    Brief an M. Luther v. 27.8.1524, in: Weimarer Lutherausg., Briefe III, Nr. 769 (Gottesdienstordnung d. Stadt Wertheim);
    Wertheimer Ratschlag 1524, in: Eisenlöffel, s. L, S. 102-21 (ev. Bekenntnis d. Stadt Wertheim);
    Antwort auf d. Frageartikel d. Nürnberger Rates, Nov. 1525, ebd., S. 124 f.;
    Radtschlag haltender Disputation z. Bernn, Mit Schlußreden, v. F. K. u. B. Haller, 1527;
    Handlung od. Acta gehaltener Disputation z. Bernn in Uechtland, 1528.

  • Literatur

    ADB 16;
    R. Steck u. G. Tobler, Aktenslg. z. Gesch. d. Berner Ref. 1521–32, 2 Bde., 1923;
    V. Anselm, Berner Chronik, hrsg. v. Hist. Ver. d. Kt. Bern, 6 Bde., 1884 ff.;
    H. Bullinger, Ref.gesch., 3 Bde., hrsg. v. J. J. Hottinger u. H. H. Vögeli, 1838-40;
    H. Zwinglis Sämtl. Werke, 1905 ff. (bes. d. Briefwechselbde. 7-11);
    L. Elsenlöffel, F. K., e. Reformator Wertheims, Nürnbergs u. Berns, 1895 (W);
    A. Büchi, Peter Girod u. d. Ausbruch d. Ref.bewegung in Freiburg, in: Revue d' Hist. Ecclésiastique 18, 1924, S. 1-21, 305-23;
    H. v. Greyerz, Stud. z. Kulturgesch. d. Stadt Bern am Ende d. MA, in: Archiv d. Hist. Ver. d. Kt. Bern 35, 1940, S. 173-491, bes. S. 409;
    E. Lengwiler, Die vorreformator. Prädikaturen d. dt. Schweiz v. ihrer Entstehung bis 1530, 1955, S. 77 f., 82;
    K. Guggisberg, Bern. KG, 1958;
    PRE;
    HBLS;
    Mennonit. Lex. II, 1937;
    LThK.

  • Portraits

    Kupf., 17./18. Jh. (Bern, Burgerbibl.).

  • Autor/in

    Hans Rudolf Lavater
  • Empfohlene Zitierweise

    Lavater, Hans Rudolf, "Kolb, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 440-441 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123161312.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kolb: Franz K. (1465—1535), Reformator in Bern, wurde 1465 zu Lörrach im badischen Wiesenthale geboren, studirte an der Universität Bafel, wurde Magister artium und Lehrer an der dortigen Martinsschule. Wie es scheint, auf Betreiben des Schultheißen Peter Falk kam er nach Freiburg in der Schweiz, wurde Cantor, dann Caplan an der St. Nicolauskirche. Im Februar 1509 wurde er nach Bern berufen als Stiftscustos an der St. Vinzenzenkirche. Er trat sofort aufs heftigste dem eben damals eingerissenen Söldnerunwesen, dem sogen. „Reislaufen“, entgegen, und sein ungeduldiger Eifer, der wol auch seine Wirksamkeit erschweren mochte, bewog ihn 1512, von seinem Amte zurückzutreten, mit der Erklärung: „Ihr wollt die Wahrheit nicht, und darum will ich auch nicht mehr bei euch bleiben!“ Er wandte sich nach Deutschland und trat in den Carthäuserorden in Nürnberg. Auch hier als Prediger thätig, machte er sich alsbald wieder Feinde; 1522 brach eine Verfolgung gegen ihn aus, er mußte die Flucht ergreifen und fand mit Mühe Schutz in einem Augustinerkloster. Gerne wäre er jetzt in seine frühere Stelle in Freiburg zurückgekehrt; der Versuch mißlang (1523), dagegen fand er Aufnahme in Bern, wo eine der Reformation günstige Stimmung die Oberhand gewann. Berchtold Haller suchte einen Mitarbeiter, und auf seine Verwendung wurde K. am 4. April 1527 neuerdings als Prediger der Hauptkirche angestellt. Es war die richtige Zeit; es galt eben die letzte Entscheidung. Um dem unsicheren Schwanken ein Ende zu machen, ordnete der Rath von Bern auf den Januar 1528 eine große Disputation an, zu welcher die Gelehrten beider Parteien aus der Eidgenossenschaft und weiterhin geladen wurden. K. eröffnete am 7. Januar das Gespräch durch eine „Vorrede“, in welcher er Gott dafür dankte, daß neben so vielen unerfreulichen Erscheinungen doch das Fragen nach der Wahrheit allgemein geworden sei und das ernstliche Verlangen, sich vom Irrthum los zu machen; er schloß mit dem Gebet des Herrn, dem Aue Maria und dem apostolischen Bekenntniß. Abwechselnd mit Haller hatte er die Aufgabe, die gemeinsam verfaßten „Schlußreden“ oder Thesen in kurzen Worten vorzulegen und zu begründen. An der Verhandlung selbst betheiligte er sich wenig: es scheint, daß ihm die Gelehrsamkeit abging, um neben Zwingli und Oecolampad, Capito und Buzer als Disputator auftreten zu können. Das Gespräch endete am 26. Januar mit einem vollständigen Siege der Reformation, und sofort folgte die Einführung neuer kirchlicher Institutionen nach dem Vorbilde von Zürich, in der Stadt und ihrem Unterthanenlande. Noch im gleichen Jahre 1528 verheiratete sich K. mit einer gewesenen Begine von guter Familie. Im Religionskriege von 1531, in welchem Zwingli umkam, war K. der Feldprediger des bernischen Stadtpanners; aber die Unthätigkeit des Berner Heeres, welchem die Schuld der großen Niederlage bei Kappel zugeschrieben wurde, brachte ihn so außer sich, daß er die heftigsten Reden ausstieß und vom Rath zurückberufen werden mußte. Die Schwachheit des Alters begann bereits sich bemerkbar zu machen. An der großen organisirenden Synode des J. 1532, bei welcher 229 Prediger versammelt waren und deren grundlegende Erklärung — der „Berner Synodus“ — der bernischen Kirche ihre dauernde Gestaltung gegeben hat, scheint K. nicht mehr in hervorragender Weise thätig gewesen zu sein. Im Laufe des J. 1535 wurde er krank, erhielt einen Gehülfen und am 11. November starb er, 70 Jahre alt. Neben dem weichen, zaghaften Haller erscheint K., trotz des viel höheren Alters, als der raschere und rücksichtslosere Charakter. Mit Zwingli wechselte er Briefe, doch wird einer derselben, der besonderes Aufsehen erregte, weil er den Stolz der Berner verletzte, von Kennern mit Bestimmtheit als untergeschoben bezeichnet.

    • Literatur

      Scheurer, Bernisches Mausoleum, Bern 1741. — Kuhn, Die Reformatoren Berns, 1828. —
      Kirchhofer, Berthold Haller, 1828. —
      Pestalozzi,|B. Haller, 1861. (Väter und Begründer der ref. Kirche, IX. [Suppl.] Band.) —
      v. Stürler, Urkunden zur bernischen Kirchenreform, 1862 (Archiv des historischen Vereins des Kant. Bern). —
      Rathsbücher und Originalprotokolle der Berner Disputation im Berner Staatsarchive. —
      Berchtold, Hist. du cant. de Fribourg. 1841—45. 3 Vols. — Daguet im Anzeiger f. schw. Gesch. 1881. Nr. 2.

  • Autor/in

    Blösch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Blösch, "Kolb, Franz" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 456-457 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123161312.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA